Zum Inhalt springen

Schweiz Thorberg-Direktor stolpert über Affäre mit Drogenprostituierten

Der Direktor der Berner Strafanstalt Thorberg ist vorderhand nicht mehr im Amt. Regierungsrat Hans-Jürg Käser verfügte mit sofortiger Wirkung Georges Caccivios vorläufige Einstellung im Amt. Caccivio soll sexuelle Kontakte zu Drogenprostituierten unterhalten haben.

Legende: Video Thorberg-Direktor vorläufig freigestellt abspielen. Laufzeit 04:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.02.2014.
Thorberg-Direktor Georges Caccivio
Legende: Vorderhand nicht mehr im Amt – Thorberg-Direktor Georges Caccivio. SRF

Am Wochenende war für den Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser das Mass voll. Die Vorwürfe gegen den Direktor der Strafanstalt Thorberg wogen genug, um eine Untersuchung einzuleiten. Zwei Tage später nun die Entscheidung: Anstaltsdirektor Georges Caccivio wird mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben. Seine Funktion werde bis auf Weiteres von seinem bisherigen Stellvertreter ausgeübt. Der Hauptgrund: Kontakte zu Drogenprostituierten während seiner Amtszeit. Das sagt Käser gegenüber SRF.

Neue konkrete Hinweise

Zu reden gab zudem unter anderem ein in den Medien publik gewordener Vorwurf der Begünstigung. Anstaltsdirektor Georges Caccivio sei mit zwei Insassen per Du und habe Disziplinarmassnahmen gegen die beiden abgeschwächt.

In der Zeitung «Der Bund» vom vergangenen Samstag räumte Caccivio ein, mit den beiden Häftlingen per Du zu sein. Er kenne die beiden seit Jahren und es sei ihm «unpassend erschienen, wieder zum Sie zurückzukehren», wird Caccivio zitiert.

In der Zwischenzeit tauchten aber neue, konkretere Hinweise auf. Käser: «Über das Wochenende habe ich zusätzliche Informationen vom Direktor selbst bekommen. Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass er als Führungsverantwortlicher nicht weiter beschäftigt werden kann.»

Freier von Drogenprostituierten?

Im Raum steht etwa, dass Caccivio auch während seiner Zeit als Anstaltsdirektor Kontakt zu Drogenprostituierten gehabt habe. Ausserdem soll Caccivio einem Anstaltsinsassen, Spross einer Künstlerfamilie, ein Bild abgekauft haben.

Er habe am 30. August erstmals von diesen Vorwürfen gehört, sagt Käser. Damals habe es sich um Gerüchte und Mutmassungen gehandelt. Der Vorwurf, Caccivio sei zu einer Drogenprostituierten gegangen, habe für ihn als Regierungsrat nicht den Stellenwert gehabt wie heute. «Heute weiss ich, dass es weitere, ähnliche Kontakte gegeben hat, auch während seiner Zeit als Direktor. Für mich ist er so nicht tragbar.»

Eine externe Untersuchung wird nun zeigen müssen, was an den Vorwürfen dran ist und wie sie allenfalls zu bewerten sind. Georges Caccivio übernahm das Amt des Direktors 2011 von seinem langjährigen Vorgänger Hans Zoss. Caccivio war vor seiner Ernennung unter anderem sechs Jahre als Stabschef im Amt für Freiheitsentzug und Betreuung tätig.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von David Rothen, Bern
    In Zürich wurde mit Steuergeldern 'Verrichtungsboxen', natürlich schön ausserhalb der Stadt, gebaut, damit verheiratete 50jährige Familienväter 18jährige Junkies penetieren können - für den gegenwert eines Abendesses. Dabei darf man auch ein gutes Gewissen haben, weil: 'denn Prostituierten geht es dadurch besser!' Wenn das Stimmvolk zu solchem JA sagt, dann sollte man nicht so geschockt und empört tun. Heuchlerisch oder Ignorant sowas.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Eine heuchlerische Empörung. Wieviele CH-Männer haben Sex mit Prostituierten? Erschreckend viele. Keine Frau macht dies freiwillig, es ist immer mehr oder weniger Zwang dabei, ob es nun Menschenhandel, soziale und finanzielle Not oder eben Drogenprostitution ist. Dass Männer in Machtpositionen mit Geld Sex kaufen sollte auch niemand überraschen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt E. Müller, Zürich
    Wahrlich gewaltige Verbrechen, die dem Anstaltsleiter zur Last gelegt werden. Ist es verboten, mit Untergebenen per Du zu sein oder diesen gar ein Bild abzukaufen? Gibt es einen Unterschied zwischen Drogen-, Zwangs- und anderen Prostituierten, und zu welchen darf man gehen, ohne scheinheilige Bünzlis und Biedermänner zu brüskieren?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen