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Schweiz Todesgefahr U-Haft: Experten fordern besser geschultes Personal

Pro Jahr nehmen sich im Schnitt fünf Menschen in Schweizer Untersuchungsgefängnissen das Leben. Zu hart ist die teils lange Einzelhaft für die Betroffenen. Nicht erst nach dem Suizid im Fall Flaach fordern Experten ein neues Regime – mit geschultem Aufsichtspersonal, mehr Kontakten und Kontrollen.

Legende: Video «Kritik an U-Haft» abspielen. Laufzeit 2:16 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2015.

In den Schweizer Untersuchungsgefängnissen gilt ein hartes Regime. Meistens ist es Einzelhaft. Und meist sind die Besuche streng limitiert, damit sich die Insassen nicht mit der Aussenwelt absprechen und keine Beweise vernichten können. Beschäftigungsprogramme fehlen meistens ganz, obwohl viele Insassen monatelang und in krassen Fällen gar jahrelang in Untersuchungshaft bleiben.

23 Stunden pro Tag in Einzelhaft

23 Stunden Einzelhaft seien sehr belastend, bestätigt Thomas Maier, Chefarzt der kantonalen Psychiatrischen Dienste St. Gallen. Auch der deliktische Hintergrund sei oft ein Faktor, der die Menschen destabilisiere: «Und wenn man dann noch nicht weiss, wie lange die Untersuchungshaft dauern wird, kann das zu Suizidalität und Suizidversuchen führen.»

Wir haben ein Problem in unseren Untersuchungsgefängnissen.
Autor: Thomas MaierChefarzt der kantonalen Psychiatrischen Dienste St. Gallen

Als Mitglied der «Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter» besucht Maier regelmässig Untersuchungsgefängnisse. Er ist bei zum Schluss gekommen, dass die Haftbedingungen «ausserordentlich streng» sind.

Untersuchungszelle in Tessiner Gefängnis.
Legende: Von der Freiheit in die Einzelhaft: Die psychische Belastung durch die plötzliche Isolation ist enorm. Keystone/Archiv

Im Vollzug ist die Suizidrate tiefer

Die Zahl der Suizide in Untersuchungshaft schwankt stark. Im Schnitt nehmen sich fünf Untersuchungshäftlinge pro Jahr das Leben. Die Suizidrate ist höher als in den Vollzugsanstalten, wo verurteilte Straftäter später ihre Strafe verbüssen. Dort können sie arbeiten und dürfen die Zellen häufiger verlassen.

Die Kantone könnten mehr tun, um Suizide in Untersuchungshaft zu verhindern.
Autor: Thomas NollDirektor des Schweizerischen Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal

Es fehle am Fachwissen, sagt Thomas Noll, Direktor des Schweizerischen Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal. So vermeide es das Gefängnispersonal häufig, Häftlinge auf Selbstmordgedanken anzusprechen. «Das ist aber eben nicht richtig. Man sollte diese Leute ansprechen, denn das wird häufig als Erleichterung empfunden, wenn die Betroffenen über ihre suizidalen Gedanken sprechen können.»

Kriterien für Einzelhaft überdenken

Noll sieht deshalb einen klaren Nachholbedarf bei der Schulung des Personals. Leider seien aber die entsprechenden Kurse eher schlecht ausgebucht. Gemäss Psychiater Maier braucht es weitere Massnahmen: So müssten Suizidgefährdete rascher in psychiatrische Kliniken verlegt werden.

Einzelhaft wie jetzt bei der Frau im Fall Flaach dürfe bei Verdachtsfällen nicht in Frage kommen: «Das Alleinsein ist ein sehr grosses Risiko. Das geht eigentlich nicht, dass jemand, der als suizidal eingestuft wird, 23 Stunden allein in Einzelhaft bleiben muss.»

Einzelhaft wie jetzt bei der Frau im Fall Flaach darf bei Verdachtsfällen nicht in Frage kommen.
Autor: Thomas MaierChefarzt der kantonalen Psychiatrischen Dienste St. Gallen

Bleibt noch die Frage, was Gefängnisse technisch vorkehren können, um Suizide zu verhindern. In den meisten Fällen erdrosseln sich die Häftlinge. Das könne man kaum absolut verhindern, sagen Fachleute. Häufig reiche ein kleines Kleidungsstück für den Suizid.

17 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Das göttliche Prinzip ist Liebe.Liebe ist frei! Deshalb,freiwillig,leben dürfen und wollen,ebenso freiwillig,sterben dürfen und wollen.Wir sollten unsere Gesellschaft in ihren Grundstrukturen überdenken."Alles hat sich nun geändert.Nur unsere Art zu Denken nicht."(Zitat;A.Einstein)Der Mensch ist KEINE Ware,kein Rentabilitätsobjekt.Die "Grundsubstanz" des Menschen ist Geist der sich seiner bewusst wird und sich bewusst zur Liebe hin entwickelt.Es gibt keinen Gott der BEFIEHLT nur einer der liebt.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Leben ist KEINE Pflichtlektüre!Leben soll ausschliesslich FREIWILLIG gelebt werden.Weder darf Replikation erzwungen noch das Leben befohlen werden.Gründet auf eine religiöse Fehlauffassung um den Menschen massregeln,manipulieren,unter Druck setzen und ausbeuten zu können.Mit ein Grund,wieso Religionen mehrheitlich das weibliche Geschlecht unterdrückenn und den Sex instrumentalisieren(Männer so manipulieren)Soll Replikations eine reine Aufwand- und Ertragsrechnung sein?Total verlogen und lieblos.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Wo ist denn unsere natürliche Einschätzung eines Lebens geblieben. Dieser Frau ist es doch zu gönnen, dass sie ihrem Leben endlich ein Ende setzen konnte. Es gibt in unserer Gesellschaft keine Möglichkeit sich nach einem "Absturz" von der Masse, den Ämtern, der Psychiartrie, der Polizei zu entziehen. Diese Frau hat die Realität sehr klar gesehen und konnte und wollte ihr Leben nicht mehr ertragen und wollte auch nicht, dass die "Justiz" die Kinder "auffrist". Wir dürfen nicht "alles" verhindern!
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    1. Antwort von A.Käser, Gwatt
      M.R./Sehr gute Worte.Kann mich ihnen voll und ganz anschliessen.Wir sind eine unglaublich lieblose Gesellschaft.Anstatt,dass wir uns um mehr Empathie,Einfühlung,Wertschätzung somit Liebesfähigkeit bemühen,versuchen wir mit aller Akribie die Folgen unserer Lieblosigkeit,Ignoranz,Kälte,zu bekämpfen.Perverser geht's wohl nicht mehr.(Dem Leben entfremdet.Und dies nicht zu knapp.Recht hat er,der Herr Arno Gruen.)Betet fromme Menschen,betet!Beten bedeutet,bitten.Man könnte auch SELBST liefern!
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