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Schweiz Trend setzt sich fort: 45 Prozent mehr Asylgesuche

In der Schweiz sind zwischen Juli und September mehr als 7800 Asylgesuche eingereicht worden. Das sind 45 Prozent mehr als noch im letzten Quartal. Grund dafür ist die anhaltende Welle von Flüchtlingen, die aus Italien eintrafen.

Ein Schild vom BFM vor einem Empfangszentrum in Chiasso.
Legende: Das Bundesamt für Migration stellt eine Zunahme der Asylgesuche von 45 Prozent fest. Keystone

Die Flüchtlingswelle aus den Krisenländern reisst nicht ab: Zwischen Juli und September sind in der Schweiz rund 7800 Asylgesuche eingereicht worden. Das sind rund 45 Prozent mehr als im letzten Quartal oder 61 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Bundesamt für Migration (BFM) mitteilt.

Grund dafür ist die anhaltende Welle von Flüchtlingen, die über das Mittelmeer in Italien eintrafen und danach nach Norden weiter reisten. In den ersten neun Monaten des laufendes Jahres landeten laut dem BFM mehr als 140'000 Migranten in Süditalien. Das sind mehr als dreimal so viele wie während des ganzen vergangenen Jahres.

Die libysche Regierung habe die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren, heisst es in der kommentierten Asylstatistik des Bundes. Dies erlaube es Schlepperorganisationen, praktisch ungestört zu operieren.

Zudem habe die italienische Marine mit ihrer Operation «Mare Nostrum» die Risiken einer Überquerung des zentralen Mittelmeers gesenkt. Trotzdem sind im laufenden Jahr Hunderte Flüchtlinge ertrunken.

Fast die Hälfte aus Eritrea

Bei denjenigen, die es nach Europa geschafft haben, sind es insbesondere die eritreischen und syrischen Staatsangehörigen, die rasch nach Mittel- und Nordeuropa weiter wandern. Dabei reisen Eritreer vor allem nach Schweden, Deutschland, Norwegen, in die Niederlande – und in die Schweiz.

Deshalb überrascht es kaum, dass fast die Hälfte der in der Schweiz gestellten Asylgesuche (3531) im dritten Quartal von eritreischen Migranten gestellt wurden. Gegenüber dem Vorquartal haben sich deren Gesuche mehr als verdoppelt.

Mit 816 Gesuchen an zweiter Stelle der häufigsten Herkunftsländer lag Syrien. Vor allem seit August hätten Einreisen von Syrern in Süditalien wieder zugenommen, schrieb das BFM. 333 Personen sind zudem mit einem erleichterten Visum eingereist.

Viele Krisenherde

369 Gesuche gingen zudem von Flüchtlingen aus Sri Lanka ein – 155 mehr als im zweiten Quartal. Mit 106 Gesuchen vervierfacht haben sich Asylgesuche von Flüchtlingen aus der Ukraine. Weitere Zunahmen wurden von Personen aus Marokko, Afghanistan und Äthiopien verzeichnet. In diesen Ländern hat sich die politische Lage verschlechtert.

Laut dem BFM dürfte die Zahl der in der Schweiz gestellten Asylgesuche auch in den kommenden Monaten überdurchschnittlich bleiben. Die verschiedenen Krisen in Afrika, in der Ukraine und im Nahen Osten werde die Asylmigration in Richtung Europa im laufenden Jahr voraussichtlich auf über 500'000 Menschen ansteigen lassen. So viele Flüchtlinge wurden zuletzt während des Zerfalls Jugoslawiens festgestellt.

Im dritten Quartal ersuchte die Schweiz bei 5973 Personen einen anderen Dublin-Staat um Übernahme. In den meisten Fällen betraf es Italien.
Nur bei 1381 Personen erklärte sich ein Dublin-Staat zuständig, 1746 Ersuche wurden abgelehnt, 2845 sind noch nicht beantwortet worden. Im gleichen Zeitraum konnten 500 Personen auf dem Luft- oder Landweg an den zuständigen Dublin-Staat überstellt werden.

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80 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, dass die Ebola-Behandlung in Europa viel besser gelingt als in Afrika, dann dürfte auch unserem BAG ein Licht aufgehen... Gell?
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  • Kommentar von Gerhard Himmelhan, 3904 Naters
    Ich erlaube mir hier eine Frage in den Raum zu stellen. Besonders Westeuropa ist ueberaltert. Unsere Sozialeinrichtungen überfordert. Die Pensionäre wollen oder dürfen oder können nicht mehr am Arbeitsprozess teilnehmen. Der europäische Nachwuchs wurde stark vernachlässigt. Wenn sich in den nächsten Jahrzehnten die Alterspyramide "normalisiert" sollte sich auch die Einwohnerzahl stabilisieren. und das Durchschnittsalter sinken. Die Zusammensetzung wäre halt eine ganz andere.
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  • Kommentar von P. Bürger, Schaffhausen
    Viele Meinungen sind an selbstgerechter Arroganz nicht zu überbieten & zeigen deutlich,wie der Mensch zum narzisstischen,selbstgerechten Wesen mutiert,sobald er sich in seinem Besitzstand bedroht fühlt.Dabei ist es ein Lotto-6-er,in der CH geboren zu sein.Nur wenigen bleibt dieses Glück vorbehalten.Die Lebenserwartung ist z.T.doppelt so hoch,die soziale Absicherung gewährleistet.Und trotzdem urteilen wir herzlos gegen Ausländer,wollen nichts vom Glück & Reichtum abgeben!Trauriger goldener Käfig!
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Und jetzt? Kennen Sie jemand, der seinen 6er im Lotto-Gewinn mit der ganzen Welt geteilt hat? Kein Schweizer muss sich ein schlechtes Gewissen einreden lassen, nur weil er sein Land noch als solches erkennen und nicht von 100.000en von Afrikanern und Arabern überrannt werden will. Bis anhin hat die Schweiz mehr als 95% aller Asylanträge abgelehnt - aus gutem Grund. Auf der arabischen Halbinsel hat es Platz wie Heu für Millionen von Menschen (und Religion passt meistens auch) - bis uns nicht!
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    2. Antwort von G. Niedermann, Zürich
      P. Bürger, tagtäglich lese ich Ihre Beiträge, welche regelmässig den Schweizer Bürger als selbstgerecht, egoistisch und in Wohlstand frönend darstellt! Gehen Sie eigentlich mit offenen Augen durch's Leben? Wissen Sie überhaupt, wieviel Elend wir hier in der Schweiz haben, abgesehen von einer steigenden Armut, auch Krankheiten, Hoffnungslosigkeit? Eine Regierung ist zuerst gegenüber der eigenen Bevölkerung verpflichtet und nicht gegenüber dem Ausland und den unzähligen Migranten!
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    3. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Stimmt, Herr Bürger, ich kann nichts dafür dass ich in der Schweiz geboren wurde, und damit einen Lotto-Sechser gezogen habe. Ich kann aber auch nichts dafür, dass jemand anderer beispielsweise in Syrien geboren wurde, ich bin daran ganz und gar unschuldig. Und daraus folgt messerscharf dass ich auch keine Verpflichtungen habe diesen Menschen gegenüber. Ich habe übrigens nichts gegen Ausländer und behandle sie gleich wie Schweizer, ich unterstütze nämlich weder Schweizer noch Ausländer.
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    4. Antwort von Peter Escher, Varen / Wallis
      P. Bürger, Schaffhausen / .. ein Lotto-6-er,in der CH geboren zu sein... - NUR wird er nicht allen "ausbezahlt" !!!!
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    5. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Welche und wie viele hier abgegebene Kommentare und Meinungen in unüberbietbarer Weise arrogant und selbstherrlich daherkommen, darf man hier offenbar nicht thematisieren! Darum überlassen wir den Mitschreiber(innen), bzw. den Leser(innen), die Auswahl und Wertung! Uebrigens dürfen offenbar die ewigen Verunglimpfer immer und immer wieder schulmeistern, im Gegensatz zu denen, die sich ab und zu dagegen wehren möchten: Sie werden laufend zensuriert (nicht aufgeschaltet!)! Einfach unglaublich!
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    6. Antwort von M. Steiner, Winterthur
      Was für eine (typisch linke) Arroganz, von uns Schweizern, deren Durchschnitt je länger je mehr schlecht als recht über Wasser halten kann, zu erwarten, dass wir immer mehr mit irgendwelchen Leuten teilen. Mit der EU, mir Osteuropa, mit Flüchtlingen aus Afrika, und nicht zu vergessen mit unserer freundlichen Wirtschaft. Diese Haltung ist ASOZIAL, und zwar gegenüber UNS!!!
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    7. Antwort von P. Bürger, Schaffhausen
      Besten Dank für all die Kommentare.Sie bestätigen mich in meiner Wahrnehmung. Viele hier haben nicht die geringste Ahnung, was Armut bedeutet.Aber eben, selbstherrlich und sehr eigennützig daher reden ist die Stärke vieler CH! Ich habe eine sehr lange Zeit in Entwicklungsländern verbracht, erzählen sie mir also nicht, was Armut bedeutet. Vom Liegestuhl des Holiday Inn sehen sie dies jedoch nicht!
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