Geschlechtskrankheiten Tripper, Syphilis und Chlamydien nehmen wieder zu

  • In der Schweiz treten wieder mehr Geschlechtskrankheiten auf.
  • Besonders stark stiegen im vergangenen Jahr die Fälle von Tripper. Auch bei Syphilis wurde nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen wieder ein Anstieg beobachtet.
  • Die Zahl der HIV-Infektionen blieb stabil.

Eigentlich wollte der Bund die Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten bis 2017 halbieren. Von diesem Ziel sind die Behörden weit entfernt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Infektionen mit vielen dieser Krankheiten sogar deutlich an.

Besonders stark angestiegen sind im vergangenen Jahr die Fälle von Gonorrhoe, landläufig auch als Tripper bekannt. Sie stiegen um über einen Viertel auf fast 2500 Fälle. Dabei war 2014 erstmals seit der Wiedereinführung der Meldepflicht 2006 noch ein Rückgang um vier Prozent festgestellt worden.

Mehr Syphilis-Fälle

Auch die Fälle von Syphilis nehmen zu. Hier wurde nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen 2016 sogar erstmals wieder ein Anstieg um gut elf Prozent beobachtet. Insgesamt wurden 1176 Fälle gemeldet.
Bei der in der Schweiz und auch in Europa am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Infektion, der Chlamydiose, betrug der Anstieg rund acht Prozent auf etwas über 11'000 Fälle. Die Zahl der Chlamydiose-Fälle steigt seit Jahren an.

Stabil geblieben ist die Zahl der Infektionen mit dem Aids-Virus HIV – der sexuell übertragbaren Infektion mit den schwerwiegendsten Folgen. Nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden vergangenes Jahr 556 neue Infektionen registriert – praktisch gleich viele wie im Jahr zuvor.

«Love Life» wird weitergeführt

Ausschnitt aus der «Love Life»-Kampagne des Bundes Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ausschnitt aus der «Love Life»-Kampagne des Bundes Keystone

Die Zahlen bei den HIV-Infektionen sind denn auch der Grund, warum der Bund seine grossangelegten Präventionsbemühungen nicht als gescheitert ansieht. Die «Love Life»-Kampagne des BAG soll weitergeführt werden.

Ungefähr zwei Millionen Franken werden pro Jahr in die Prävention gesteckt. Bei einer Person, die eine HIV-Diagnose erhält, gehen die Gesundheitsbehörden von Behandlungskosten im Laufe des Lebens von rund einer Million Franken zu Lasten der Krankenversicherung aus.

Botschaften auch für andere Krankheiten

In die «Love-Life»-Kampagne des BAG waren 2011 auch Schutzbotschaften für andere sexuell übertragbare Krankheiten integriert worden. Zusätzlich zu den bestehenden Safer-Sex-Regeln wurde eine dritte Regel formuliert: Bei Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder anderen Beschwerden im Genitalbereich sofort zum Arzt respektive zur Ärztin. So sollten Infektionen möglichst rasch entdeckt und behandelt werden können.

Um auch sexuell übertragbare Krankheiten ohne Symptome zu entdecken, wurde zudem die Information der Sexualpartner bei der Diagnose von Geschlechtskrankheiten thematisiert.