Darum geht es: Bei Hitze suchen vermehrt Menschen Abkühlung unter schattenspendenden Bäumen. Davor warnen nun aber vermehrt Städte und Gemeinden. Äste oder Teile der Baumkrone könnten plötzlich und ohne scheinbare externe Einwirkung wie Wind abbrechen. Betroffen seien oft äusserlich gesund erscheinende Bäume, die voll belaubt sind, schreibt etwa die Stadt Aarau. Sie warnt deshalb vor erhöhter Gefahr von Astabbrüchen.
Der Auslöser: Trockenheit und Hitze setzen den Bäumen zu. Bei Temperaturen von über 30 Grad während mehrerer Tage sind sie gestresst. Zusammen mit zu wenig Wasser schadet dies der Festigkeit des Holzes. Selbst bei professionellen Kontrollen seien Astabbrüche wenig vorhersehbar, heisst es in einer Mitteilung der Stadt Bern, die ebenfalls vor spontan fallenden Ästen warnt. Er könne sich nicht erinnern, dass es je eine so lange Stressperiode für die Bäume gegeben habe, sagt Dominik Staub, Leiter Stadtgrün Aarau. Und zu den Astabbrüchen meint Staub: «Das kann bei knallgrünen, schönen, gesunden Bäumen passieren.»
Das Problem: Erst viel Regen und tiefere Temperaturen würden die Gefahr von Astabbrüchen mindern. In Aarau werden die städtischen Bäume gegossen, das hilft aber nur zum Teil. «Wir wässern, was wir können. Aber bei grossen Bäumen können wir gar nicht genug Wasser in den Boden bringen», so Staub. Es dauert Wochen, bis das Wasser die Wurzeln und danach die Äste erreicht hat.
Die Warnung: Man wolle nicht alle Grünanlagen absperren, heisst es von der Stadt Aarau. Sie rät deshalb zur Vorsicht. In der Mitteilung steht: «Von Aufenthalten unter grossen oder alten Bäumen wird abgeraten.» Vor allem bei Buchen und Eschen solle man aufpassen. «Man sollte vielleicht nicht mit kleinen Kindern einen ganzen Nachmittag unter einem Baum spielen. Ich würde auch nicht darunterliegen für ein Mittagsschläfchen», meint Dominik Staub von Stadtgrün Aarau. Man höre aber, wenn Äste brechen. Unter Bäumen hindurchlaufen könne man.
Die Absperrungen: Es sei nicht berechenbar, wann und wo Äste fallen, meint Staub. «Man müsste alles absperren oder nichts.» Abgesperrt ist im Aarauer Kasinopark aber die grosse Hängebuche, weil es dort vor ein paar Jahren einen Astabbruch gab. In Basel wurde kürzlich ein Park gesperrt, weil Äste heruntergefallen sind, berichtet die Basler Zeitung. Die Stadt Baden sperrt nun Teile des Kurparks und im Terrassenbad präventiv. «In der Badi mussten wir leider den schattigsten Bereich absperren», sagt Dario Schoch von der Badener Stadtgärtnerei. «Ein Ast ist vielleicht nicht nur drei Zentimeter im Durchmesser. Das können auch 20 bis 30 Zentimeter sein.» Nicht gesperrt in Baden ist aber beispielsweise die Limmatpromenade, wo ebenfalls viele Bäume stehen. «Diese Platanen haben ihre Wurzeln im Wasser.»