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Asylsuchende aus Afghanistan Trotz Anschlag: Kein Ausschaffungs-Stopp der Schweiz

Anders als Deutschland erlässt die Schweiz keinen Ausschaffungsstopp nach Afghanistan.

Das zerstörte Botschafterviertel
Legende: Der Bombenanschlag kostete 90 Menschen das Leben. Keystone
  • Nach dem verheerenden Anschlag im Diplomatenviertel in Kabul hat Deutschland Ausschaffungen nach Afghanistan vorläufig gestoppt.
  • Das Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM) hingegen erlässt keinen solchen Stopp.
  • Das SEM teilt mit, man analysiere die Lage laufend.

90 Menschen starben am Mittwoch bei einem Bombenanschlag in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Die Lastwagenbombe, die im Diplomatenviertel detonierte, beschädigte unter anderem die Botschaftsgebäude Deutschlands und Frankreichs.

Legende: Video Folgenschwerer Selbstmordanschlag in Kabul abspielen. Laufzeit 2:12 Minuten.
Aus Tagesschau vom 31.05.2017.

Für die Schweiz ändert das vorläufig nichts an ihrer Rückführungspraxis von afghanischen Asylsuchenden, teilt das Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Anfrage von SRF mit: «Das SEM analysiert die Lage in Afghanistan laufend im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf den Wegweisungsvollzug.»

Deutschland verzichtet vorläufig

Anders Deutschland: Gestern hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mitgeteilt, dass Deutschland Abschiebungen nach Afghanistan vorläufig sistieren würde. Bis die Sicherheitslage neu bewertet ist und die deutsche Botschaft in Kabul wieder voll funktionsfähig sei, solle es Abschiebungen nur in bestimmten Fällen geben.

Zurückgeschickt werden sollen derzeit Straftäter und Gefährder – also Menschen, denen die Sicherheitsbehörden einen Terrorakt zutrauen.

Fünf Afghaner zurückgeschafft

Ansonsten bleibe es bis zur Neubewertung der Sicherheitslage bei der «Förderung der freiwilligen Rückkehr» und bei der Abschiebung von Straftätern und Gefährdern «auf Basis einer Einzelfallprüfung».

Die Schweiz hat in diesem Jahr bis Ende April fünf Asylsuchende aus Afghanistan zurückgeführt. 25 gingen freiwillig. Im ganzen letzten Jahr führte die Schweiz fünf Afghanen zurück, während 199 die Schweiz freiwillig verlassen haben.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Herr Alex Bauert Ihr Kommentar ist nur die halbe Wahrheit ! Nach der militärischen Ausbildung werden diese jungen Leute für die öffentlichen Dienste (Soziale Arbeiten, Tourismus, Gastgewerbe etc.) aufgeboten. Das Land braucht dringend diese Kräfte ! Wohin führt diese unglaubliche Verblendung !
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  • Kommentar von Joel Benz (J.Benz)
    Jedes Jahr sterben 10'000e Menschen durch Terrorangiffe im Irak und in Afghanistan (in den Medien liest man selten davon). Davor fliehen Millionen, und die Schweiz nimmt weiterhin tausende "Flüchtlinge" aus Eritrea etc. auf. Wo ist da die Logik?! Positiv ist, dass vorwiegend Freiwillige in diese Krisenregion zurückkehren, sie also nicht gezwungen werden und potentielle Terroristen nicht hier bleiben dürfen.
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    1. Antwort von Alex Bauert (A. Bauert)
      In Eritrea werden junge Menschen in den Militärdienst aufgeboten wie bei uns. Allerdings nicht für 17 Wochen oder ein Jahr, sondern für eine unbekannte Dauer. Deshalb sind es Flüchtlinge. Die Schweiz nimmt auch Menschen aus dem Irak, aus Afghanistan und Syrien auf. Das ist logisch.
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    In vielen Gebieten von Afghanistan ist es sicher, wie auch z.B. in Syrien. Aber da gibt es einen anderen Aspekt, ich habe dazu einen hoch interessanten Aufsatz auf der Homepage vom deutschen Arbeitgeberverband gefunden unter: "Solange Afghanistan instabil ist, bleibt Europa stabil" Einfach ungeheuerlich!
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