TTIP für Schweizer Bauern: Fluch oder Segen?

Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA scheiterte 2006 am Widerstand der Bauern. Jetzt verhandeln EU und Vereinigte Staaten über den Abbau der Zollschranken. Sollte TTIP kommen, würde das auch indirekt Schweizer Bauern treffen. Doch der Aufschrei bleibt weitgehend aus.

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TTIP und die Schweizer Bauern

1:51 min, aus Tagesschau vom 30.7.2016

Die EU und die USA sind die zwei wichtigsten Handelspartner der Schweiz. In die Europäische Union gehen 55 Prozent aller Exporte, in die Vereinigten Staaten 12 Prozent. Sollten demnächst europäische Unternehmen dank TTIP zollfrei in die USA liefern können, hätten viele Schweizer Unternehmen das Nachsehen.

Gute Lösung für Schweizer Bauern denkbar

Der grösste Bedenkenträger gegen TTIP war bisher die Landwirtschaft. Am Widerstand der Bauern sind bereits 2006 Verhandlungen zwischen der Schweiz und den USA über ein Freihandelsabkommen gescheitert.

Doch die Ausgangslage von damals ist mit der heutigen nicht mehr zu vergleichen. «Vor zehn Jahren hatten wir von Seiten der USA Forderungen, die sehr hoch waren», sagt Beat Röösli vom Schweizer Bauernverband. Jetzt sei aber durch die EU schon eine grosse Vorarbeit geleistet worden. «Gewisse Bedingungen, die auch uns wichtig sind, werden aktuell ausgehandelt.»

Das werde es vermutlich auch für die Schweizer Bauern einfacher machen, eine gute Lösung zu finden. Ob TTIP mehr Chance oder Gefahr ist, könne der Verband aber erst entscheiden, wenn er die Details kenne.

Käsebranche sieht vor allem die Chance

Insbesondere die Käse- und Fleischbranche wäre von einem schrankenlosen Handel zwischen der EU und den USA betroffen. «Das Schlimmste wäre dann, dass die Türen ins Inland aufgehen, also vermehrt Importe reinkommen, die Türen für die Exporte aber verschlossen bleiben und wir nicht exportieren könnten», sagt Heinrich Bucher vom Verband der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande.

Die exportorientierte Käsebranche sieht hingegen vor allem Chancen. Bestehende Marktzutrittsschranken in die USA könnten wegfallen. «Wir hoffen natürlich, dass wir unsere geschützte Käsebezeichnungen wie Emmentaler, Gruyere oder Tête de Moine ins Abkommen integrieren und so den Schutz auch in den USA erlangen können.»

Doch so oder so: Bei einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA muss die Schweizer Landwirtschaft eine Lösung finden, um auch künftig erfolgreich mit Schweizer Fleisch- und Käseprodukten zu handeln – da sind sich alle verantwortlichen Akteure einig.