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Türken demonstrieren vor der Bortschaft in Zürich.
Legende: 200 Türken versammelten sich am 16. Juli vor der Botschaft in Zürich, um Erdogan ihre Unterstützung zuzusichern. Keystone
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Schweiz Türken in der Schweiz: Wenn plötzlich alles anders ist

Seit dem Putschversuch vor zwei Wochen kommt die Türkei nicht zur Ruhe: Verhaftungen und Säuberungen sind an der Tagesordnung. Wie wirkt sich dies auf die Türken in der Schweiz aus? Rund 120‘000 Menschen mit türkischer Herkunft wohnen hier – sie scheinen momentan in verschiedenen Welten zu leben.

Da gibt es auf der einen Seite die Wahrnehmung der Gülen-Anhänger in der Schweiz – also jener, die dem Prediger Fetullah Gülen nahestehen. Gülen wird vom türkischen Präsidenten Erdogan für den Putschversuch verantwortlich gemacht.

Angst als ständiger Begleiter

Für Gülen-Anhänger Eidar ist das Leben nicht mehr, wie es vor dem Putschversuch war. «Es ist manchmal erschreckend», erzählt Eidar. Er zittere am ganzen Körper, wenn er die Drohungen auf Facebook lese. Am stärksten litten seine Kinder unter der Situation, so der 45-jährige Kulturschaffende. Ständig würden sie ihm Fragen stellen, zum Beispiel: «Was ist, wenn auch wir plötzlich im Tram angegriffen werden?» Er sei derzeit hauptsächlich damit beschäftigt, seinen Kindern die Angst zu nehmen. «Und wir schauen auch keine türkischen Medien mehr. Wir versuchen, uns davon zu distanzieren.»

Ich treffe die Gülen-Anhänger im Anatolien-Kulturverein in Olten. Es ist ein kahles Sitzungszimmer im vierten Stock eines Bürogebäudes. Am Tisch sitzt auch der 28-jährige Serkan. Er arbeitet in der Versicherungsbranche. Auch er hat Familie. Wenn er aus dem Haus geht, begleitet ihn die Angst. «Wenn man mit jemandem redet, muss man aufpassen, was man sagt.» Der Gedanke der Gefahr sei allgegenwärtig.

«Wir leben weiter friedlich zusammen»

Gefahr? Dieses Wort klingt an einem anderen Ort wie ein Fremdwort: Wir sitzen in einem Büro der türkisch-islamischen Stiftung für die Schweiz in Zürich-Oerlikon. Frisch renoviert mit edlem Holz an den Wänden. Die 26-jährige Büsra Durmaz steht der türkischen Regierungspartei AKP nahe. Gefahr fühle sie keine, sagt sie. «Die Türken untereinander haben keine Probleme im Moment. Wir leben weiter friedlich zusammen.»

Das sieht auch Kahraman Tunaboylu so. Er ist Präsident der Türkischen Gemeinschaft Schweiz, der Dachorganisation der meisten türkischen Vereine in der Schweiz. Er bezeichnet sich als politisch neutral. Unruhe verspüre er hierzulande keine. Und sowieso: «Wir haben die Gülen-Anhänger schon früher gekannt, auch während des Ramadans mit ihnen gebetet.» Schwierigkeiten habe es nie gegeben.

Berichten die Medien einseitig?

Problematisch sei hingegen, dass die Schweizer Medien negativ über Präsident Erdogan berichten würden. Tunaboylu und Durmaz wünschten sich, es würde weniger einseitig berichtet. «Die Medien müssen neutral sein und auch mal die anderen Meinungen anhören», sagt Büsra Durmaz. «Und so gefährlich ist es jetzt in der Türkei gar nicht – aber es wird immer so dargestellt.»

Alles in bester Ordnung, sagen also die einen. Sie fühlten sich bedroht, sagen die anderen. Auch wenn das nicht alle so wahrnehmen - die tiefen Gräben in der türkischen Gesellschaft zeigen sich auch in der Schweiz.

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59 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Ich denke, viele Türken haben die Strategie von Erdogan noch nicht durchschaut und noch keine Ahnung was für Folgen es für das Türkische Volk es bringt, wenn sein Plan aufgeht.
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  • Kommentar von Michael Räumelt  (Wirtschaftskanzlei)
    Hier sieht man das Ergebnis von "nie stattgefundener Integration". Sie benutzen unsere Demokratie-Freiheit um "für" ein undemokratisches System mit "Einführung der Todesstrafe" zu demonstrieren. Toleranzromantiker merkt Ihr noch was? Setzt endlich eure rosa Brille ab. Integration hat zur 3. Generation bis heute nicht funktioniert, wie man auch in Köln gesehen hat.Weshalb? Weil Sie es nicht wollen!
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Sie leben momentan in zwei Welten.ich glaube nicht nur momentan. Die vielenT. die friedlich schon lange mit uns zusammen leben.sie haben sich angepasst,aber sie können und werden ihre Wurzeln immer zu einem grossen Teil in ihrer Heimat haben. Und das ist das Problem jetzt. Zu gross sind die kulturellen Unterschiede.Das wird auch in Zukunft so sein, es geht nur, wenn einer den anderen achtet ihn respektiert und im privaten Raum sein Leben leben lässt. Sie müssen sich anpassen oder zurückgehen.
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