Unruhe in der türkischen Diaspora

Die Ereignisse in ihrer Heimat beschäftigen auch die 70'000 in der Schweiz lebenden Türkinnen und Türken. Sie glauben aber nicht, dass es hierzulande zu Auseinanderseztungen zwischen Erdogan-Anhängern und -Gegnern kommt.

Frauen mit Türkei-Fahnen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Türkinnen demonstrieren vor der türkischen Botschaft in Bern gegen den Militärputsch. Keystone

Der Zürcher Cebrail Terlemez ist Teil der Gülen-Bewegung. Er ist froh, dass der Putschversuch in der Türkei gescheitert ist. Die Ereignisse in der Türkei spürt er auch im Alltag. So hätten ihn Bekannte angerufen und gebeten, er möge in den Sozialen Medien keine kritischen Äusserungen gegen Präsident Erdogan mehr machen. «Ich solle auf meine Sicherheit achten», hätten sie ihm gesagt.

Türkische Gemeinschaft gespalten

Der Bruch zwischen dem Prediger Fethullah Gülen und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe schon vor drei Jahren die türkische Gemeinschaft in der Schweiz gespalten. Mit dem Resultat, dass Freunde plötzlich nicht mehr miteinander gesprochen hätten, erzählt Terlemez.

Der Historiker ist im Beirat des Dialog-Instituts in Zürich. Das Institut definiert sich als politisch neutral, ist aber Teil der Gülen-Bewegung. Wieviele Türkinnen und Türken in der Schweiz Anhänger von Gülen sind, weiss Terlemez nicht. Die Bewegung sei dezentral organisiert. Zu den insgesamt rund ein Dutzend Gülen-Institutionen im Land gehören Schulen, Kulturvereine und ein Unternehmerklub.

Kurden halten still

Nach dem Putschversuch in der Türkei sind auch die Kurden in der Schweiz aufgewühlt. Schon im letzten Herbst kam es in Bern zu Zusammenstössen zwischen Anhängern der kurdischen Arbeiterpartei und türkischen Nationalisten – damals wegen der wiederaufflammenden Gewalt zwischen PKK und türkischer Armee im Osten der Türkei.

Allerdings glaubt Edibe Gölgeli nicht, dass dies nun wieder passiere. Die Präsidentin der schweizerisch-kurdischen Gemeinschaft sagt, solche Auseinandersetzungen seien Einzelfälle, die Mehrheit der Türken und Kurden hätten damit nichts zu tun.

Ruhe in der Schweiz

In Deutschland wurde am Wochenende ein Lokal der Gülen-Bewegung angegriffen. In Belgien stehen Gülen-Anhänger unter Polizeischutz. Doch der Präsident der Türkischen Gemeinschaft Schweiz, Kahraman Tunaboylu, glaubt nicht, dass die Lage auch hierzulande eskalieren könnte.

Er verspüre keine Unruhe unter seinen Landsleuten in der Schweiz, sagt er. Zudem sei die Gülen-Bewegung hier praktisch nicht wahrnehmbar.

Polarisierung verstärkt sich

Gülen-Anhänger Terlemez seinerseits gesteht, dass man sich auf ähnliche Vorfälle, wie sie in Deutschland passiert seien, vorbereite: «Ich habe mit Freunden darüber nachgedacht, was wir vorkehren könnten.»

Das zeigt: Die Ereignisse in der Türkei beschäfigen türkische Staatsbürger in der Schweiz. Die Polarisierung nimmt zu – auch wenn alle erleichtert sind, dass der Putschversuch vorüber ist.