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Schweiz Untaugliche im Militär – eine Erfolgsbilanz

Auch Menschen mit körperlichen und psychischen Problemen müssen Dienst leisten dürfen, wenn sie keinen Militärpflichtersatz zahlen wollen. So will es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Erstmals gibt es dazu in der Schweiz nun Zahlen: Neun von zehn Gesuchen konnten bewilligt werden.

Dienstbüchlein
Legende: Auch Behinderte leisten jetzt Dienst. Sie haben sich das Recht erstritten. Reuters

Das Recht auf Militärdienst mussten sich die Menschen mit körperlichen und psychischen Problemen in der Schweiz regelrecht erkämpfen. Ein Diabetes-Kranker zog schliesslich bis vor den Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg und erhielt 2008 Recht: Auch «Untaugliche» sollten eine Chance haben.

Vor wenigen Wochen sind nun die ersten rund zehn Männer in die neue Form von Militärdienst eingerückt. Mit einer Rekrutenschule oder einem WK sei das nicht vergleichbar, erklärt Armeesprecher Christoph Brunner gegenüber SRF: «Alle leisten waffenlosen Dienst, jede Person wird separat begutachtet und betreut.»

«Motivierte Leute»

Die meisten leisten Dienst im Büro. In Frage kommen auch Handwerksarbeiten in einem Logistik-Zentrum. Monat für Monat bewerben sich nun über 10 Männer, die ursprünglich untauglich erklärt wurden: Die meisten leiden unter Rückenproblemen oder psychischen Krankheiten. «Es sind motivierte Leute, die Dienst leisten wollen. Das ist sicher auch ein Grund für den reibungslosen Ablauf», stellt Brunner fest.

Neun von zehn Gesuchen bewilligt

Bei der Armee sind bisher rund 170 Gesuche eingegangen. Davon konnten bis heute 90 Prozent bewilligt werden. Über diese Bilanz freut sich Georges Pestalozzi, Leiter des Rechtsdienstes des Behindertenverbands «Intégration Handicap». Er erinnert an die skeptischen Stimmen, ob die Tätigkeit dieser Dienstwilligen überhaupt verwertbar sei. «Die Anerkennungsquote spricht dafür, dass diese Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden können», sagt Pestalozzi.

Er hat in den letzten Jahren viele Männer beraten, die sich mit dem Etikett «untauglich» nicht abfinden wollten und sich ungerecht behandelt fühlten. Nach seiner Erfahrung sind es Menschen, die sehr stark zur Schweiz stehen und einen Beitrag leisten wollen.

Kein Wehrpflichtersatz erst ab 40 Prozent Invalidität

Vom Wehrpflicht-Ersatz befreit sind dienstuntaugliche Männer erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent. Das sind die wenigsten. Statt zu zahlen, können sie sich nun für diese neue Form von Militärdienst bewerben.

15 Kommentare

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  • Kommentar von David Siems, Dübendorf
    Es wurde auch höchste Zeit für diese Änderung. Der Wehrersatz beträgt immerhin 3% des Einkommens – ohne irgend einen Abzug. Schade, dass auch hier wieder zuerst Druck von Aussen gemacht werden musste.
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  • Kommentar von Peter Stuber, Schaffhausen
    Dabei gäbe es doch so viel diensttaugliche Frauen, die sonst auch zu jedem Thema so viel zu sagen haben glauben?
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Wie bitte ? "Auch Menschen mit "körperlichen und psychischen Problemen" müssen Dienst leisten dürfen, wenn sie keinen Militärpflichtersatz zahlen wollen. So will es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs." - Wenn einer untauglich ist, ist er eben untauglich. Das ist doch eigentlich eine normale Regulierung oder wollen wir eine Armee mit Kranken, Lahmen und Schwachen, die rasch mal hoffnungslos überfordert sind? Und warum geht denn das auch noch an den Europäischen Gerichtshof ?????
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    1. Antwort von Markus Schneider, Bergen
      Auch wenn einer untauglich ist darf er eben nicht diskriminiert werden. Warum das an den Gerichtshof geht? Das ist halt die nächsthöhere Instanz.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Markus Schneider, Bergen : Das hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun, wenn einer zu schwach ist, zu kränklich, oder gar stark körperlich Behindert. (zB. Sehschwäche zu gross, fehlende Arme oder Beine, Herz- oder Lungen-Probleme, schwere psychische Störungen usw.) - Solche Leute (sicher auch bedauernswerte) können leider einfach nicht ordentlich Militärdienst leisten. - Was soll also dieser "Rechtsanspruch" also ??????? - Wenn's nicht geht, geht es einfach nicht !!!!
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    3. Antwort von David Siems, Dübendorf
      Wer behinderungsbedingt Dienstuntauglich ist, aber keine IV-Rente hat, muss 3% seines Einkommens (ohne Abzug) als Wehrersatz bezahlen. Darin bestand die Diskriminierung. Jetzt können Dienstuntaugliche aber z.B. in der Verwaltung aushelfen und müssen den Wehrersatz dann nicht mehr bezahlen. Der Artikel geht leider völlig am Thema vorbei.
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