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Neonazi-Konzerte Unterwasser war ein Test

Konzerte wie in Unterwasser werden sich wiederholen, dessen sind sich die Experten sicher. «Es ging den deutschen Neonazis darum, auszuloten, ob man die Rechtsrockszene exportieren kann», sagt der oberste thüringische Verfassungsschützer. Das Experiment sei geglückt.

Legende: Video Rock von Rechts abspielen. Laufzeit 12:35 Minuten.
Aus Rundschau vom 23.11.2016.

15. Oktober 2016: In Unterwasser (SG) fand nach Kenntnisstand der deutschen Verfassungsschützer das grösste Neonazi-Konzert in Europa statt. Es traten Bands auf wie Stahlgewitter, die die SA und SS verherrlichen. Stephan Kramer, Präsident des Verfassungsschutzes in Thüringen schätzt, dass rund 350‘000 Euro zusammenkamen. Geld, das aller Voraussicht nach dorthin fliesst, wo die Veranstalter herkommen – nach Thüringen. Neonazis, die dort wegen brutalen Schlägereien vor Gericht stehen, brauchen Geld für ihre Anwaltskosten.

Gefahr einer Blutschlacht: Dass die Kantonspolizei St. Gallen Polizei nicht eingegriffen hat, kann Kramer nachvollziehen. «Es waren fünftausend Leute im Saal», rechnet er vor. «Sie brauchen mindestens genauso viel Polizisten, um eine solche Menge in Schach zu halten. Schicken Sie zu wenig, dann gibt das eine Blutschlacht.»

Rechtsextreme gruppieren sich: Das rechtsextreme Netzwerk «Blood & Honour» oder die biedere deutsche Partei NPD finden auf einmal zueinander. Aus Sicht des deutschen Verfassungsschutzes dienen solche Konzerte dazu, die rechten Gruppen international zu vereinen. Kramer: «Wir haben es mit sehr gewalttätigen, sehr aggressiven Personen zu tun.»

Verbindung zwischen Schweiz und Deutschland: Dass die Verbindungen zwischen Schweizer und ostdeutschen Neonazis eng sind, bestätigt nicht nur der Verfassungsschutz, sondern auch die Rechtsextremen selbst. «Wir haben sehr gute Kontakte in die Schweiz», sagt Alexander Kurth, Neonazi aus Sachsen zur SRF-Rundschau. Er sass wegen gefährlicher Körperverletzung mehrere Jahre im Gefängnis. «Es könnte damit zusammenhängen, dass es Meinungsfreiheit in der BRD nur auf dem Papier gibt», meint der Neonazi sarkastisch, «deshalb geht man in die Schweiz». Dass es in der Schweiz ein Anti-Rassismusgesetz gibt, scheint der Ostdeutsche nicht zu wissen.

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