US-Armee finanziert Schweizer Forschungsprojekte

Das amerikanische Verteidigungsministerium zahlte über eine Million Dollar an Schweizer Forschungsprojekte im Bereich Luftfahrt und Informatik. Die Hochschulen sehen hier kein Problem – Politiker schon.

US-Armee finanziert Schweizer Forschungsprojekte

2:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.12.2013

Das amerikanische Pentagon bezahlte in den letzten zwei Jahren über eine Million Dollar an Schweizer Hochschulen. Es finanzierte damit ein Dutzend Forschungsprojekte in Bern, Lausanne, Neuenburg und Zürich.

An der ETH zum Beispiel sponsert die US-Armee einen Doktoranden, der die Flugeigenschaften von Flugzeugen und Helikoptern verbessern will. Das berichtete die «Sonntagszeitung».

Roman Klingler, Sprecher der ETH, sieht darin kein Problem: «Sehr oft sind zivile und militärische Anwendungen denkbar. Entscheidend für uns ist, dass es hier um Grundlagenforschung geht, und dass das Resultat am Ende publiziert wird und damit für alle interessierten Kreise gleichermassen verfügbar sein wird.» Ausserdem würde die Fragestellung jeweils von den Wissenschatlern vorgegeben und nicht von den Sponsoren.

«  Ich halte das für hochproblematisch. »

Ursula Pia Jauch
Philosophieprofessorin

Gemäss Klingler gibt es an der ETH noch weitere Projekte, die von militärischen Organisationen unterstützt werden – ebenso an anderen Universitäten.

Ursula Pia Jauch, Philosophieprofessorin an der Uni Zürich und Mitverfasserin des «Zürcher Appell zur Wahrung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit», sieht dies allerdings anders.

«Ich halte das für hochproblematisch», sagt die Professorin. «Insbesondere dürfen wir auch nicht vergessen, dass die Schweiz eine Neutralitätsklausel hat und bei solchen Dingen Vorsicht geboten ist. Wir haben ja auch längst in der Politik eine Modalität, die den Waffenexport verbietet.» Insofern sei es nicht nachvollziehbar, dass die Hochschule tun und lassen könnte, was sie wolle.

«  Das geht gar nicht. »

Matthias Aebischer
Kommissionspräsident

Auch politisch sind die Forschungsprojekte umstritten. In der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates schütteln verschiedene Politiker ob der Nachricht den Kopf.

Kommissionspräsident Matthias Aebischer von der SP sagt: «Transparenz geht über alles. Wenn man sieht, dass fremde Armeen hinter solchen Aufträge stecken und das Geld geben, dann kann ich als Politiker sagen: Das geht gar nicht.» Er verlangt, dass die Hochschulen offener und transparenter über solche Forschungsprojekte informieren.