Verband Schweizer Medien: Führungswechsel an der Spitze

Der 75-jährige Hanspeter Lebrument tritt nach 13 Jahren als Präsident des Verbandes Schweizer Medien ab. Als Nachfolger vorgeschlagen wird Tamedia-Verleger Pietro Supino.

Supino und Lebrument Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Supino (links) soll die Nachfolge von Lebrument an der Spitze des Verbandes Schweizer Medien antreten. Keystone

Der Abgang von Hanspeter Lebrument ist keine Überraschung. Der langjährige Verbandspräsident und Verleger der «Südostschweiz» wurde vor kurzem 75-jährig.

Anderseits scheint man im Verband lange nach einer Nachfolgelösung gesucht zu haben. Nun wird mit Pietro Supino der Verwaltungsrats-Präsident des grössten privaten Schweizer Medienhauses Tamedia vorgeschlagen.

Balance zwischen grossen und kleineren Verlagshäusern

Verbandsintern war gelegentlich zu hören gewesen, dass Tamedia, der wirtschaftlich florierende und dominierende Medienkonzern hierzulande, oftmals andere Interessen habe als die kleinen und mittleren Verlagshäuser, die am Markt ganz andere Probleme hätten.

Um auch die Stellung der kleinen und mittleren Medienhäuser zu stärken, schlägt die Verbandsspitze vor, zwei Vertreter dieser Gruppe neu ins Präsidium zu wählen. Weiterhin aber bleibt die Spitze des Verlegerverbandes ein reines Männergremium.

Das schwierige Verhältnis zu Ringier

Der Verband Schweizer Medien steckt in einer turbulenten Phase. Erst vor wenigen Monaten verliess das wichtige Medienhaus Ringier den Verband, da es sich zusammen mit Swisscom und der SRG an der neuen Werbe-Vermarktungsplattform Admeira beteiligt, welche vom Medienverband scharf bekämpft wird. Und danach wechselte auch die Geschäftsführerin des Verbandes zu Ringier.

Der neue Präsident wird also den Verband gegen innen stabilisieren und gegen aussen das Verhältnis zu Ringier klären müssen. Denn ein Verband ohne Ringier kann nicht für die ganze Medienbranche sprechen.Zudem stehen wichtige medienpolitische Entscheide an, die die privaten Medienhäuser und die SRG betreffen. So muss sich das Parlament etwa mit der No-Billag-Initiative befassen. In dieser Debatte wird der SRG-kritische Pietro Supino als Präsident von Tamedia und des Medienverbandes künftig noch mehr Gewicht in die Waagschale werfen.

Zeit für Entspannung?

Anderseits könnte sich mit Supino an der Verbandsspitze das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Angestellten in der Medienbranche entspannen: Denn der bisherige Verbandspräsident Lebrument hatte sich stets gegen einen Gesamtarbeitsvertrag für Journalisten ausgesprochen. Erst in jüngster Zeit gab es eine neue Annäherung. Es wird interessant sein zu sehen, ob und wie Supino diese Annäherung weiter vorantreiben wird.