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Schweiz Verdoppelung der Arztkosten bei «Aktenstudium»

In den letzten fünf Jahren haben die Kosten für Arztleistungen «in Abwesenheit der Patienten» um 108 Prozent zugenommen. Dies zeigt eine Auswertung von Santésuisse.

Legende: Video Kontroverse um Arztkosten abspielen. Laufzeit 3:20 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.07.2016.

Ärzte telefonieren, studieren Patientendossiers und stellen Rezepte aus. Es sind Leistungen, die sie ohne physischen Patientenkontakt erbringen und nach einheitlichem Tarif (Tarmed) verrechnen dürfen. Nun zeigen Auswertungen von Santésuisse, die «10vor10» vorliegen: Die Kosten für solche Leistungen haben sich seit 2010 mehr als verdoppelt.

Balkendiagramm zeigt Kosten-Entwicklung.
Legende: Innert fünf Jahren verdoppelten sich die verrechneten Leistungen, die Ärzte in Abwesenheit der Patienten erledigten. SRF

Sie sind von rund 199 auf 414 Millionen Franken gestiegen. «Tarmed ist ein Selbstbedienungsladen», kritisiert Santésuisse-Direktorin Verena Nold. Die Branchenorganisation der Schweizer Krankenversicherer kritisiert die fehlende Transparenz dieser Arztleistung seit längerem.

«Der Patient kann nicht kontrollieren, ob der Arzt diese Leistung tatsächlich erbracht hat», sagt Nold und fordert eine Pauschalabrechnung. Dies schlägt auch der stellvertretende Preisüberwacher Beat Niederhauser vor: «Ärzte haben ein Schlupfloch gefunden und dieses sollte geschlossen werden».

FMH weist Kritik zurück

Urs Stoffel, Chirurg in Zürich und Vorstandsmitglied im Ärzteverband FMH hält dagegen. Er sieht mehrere Gründe für die steigenden Kosten: Bevölkerungswachstum, die Zunahme ambulanter Kosten und der administrative Aufwand. Die Krankenkassen würden immer mehr Berichte verlangen, weshalb die kritisierte Arztleistung berechtigt sei.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Binder (Thomas Binder)
    Genau - die Krankenversicherungen überschwemmen uns seit 2010 mit immer noch mehr unnötigen seitenweisen Anfragen und Zeugnissen - der letzte Bürokraten-Schrei ist ein seitenlanges Formular bei der Verordnung von Inkontinenzwindeln - und wir Ärzte haben die Frechheit, diese uns von den Krankenkassen aufgezwungene unnötige Büromehrarbeit auch noch mit Fr. 15.81 für eine LAP zu verrechnen.
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  • Kommentar von Thomas Binder (Thomas Binder)
    Seit Jahren haben wir ambulant oft 70h/w tätigen Ärzte keine Lohnerhöhung und keinen Teuerungsausgleich mehr erhalten. Wir werden von Santésuisse mit einer grotesken Statistik geplagt, die nur die unseren Praxen generierten Kosten mit oft nicht existierenden Vergleichskollektiven vergleicht. Wer seine Patienten günstig in der Praxis behandelt anstatt sie teuer ins Spital zu schicken und nicht mit Rechnungen über Fr. 15.80 traktiert, wird von Santésuisse mit horrenden Rückforderungen bestraft.
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    1. Antwort von Thomas Binder (Thomas Binder)
      Wehren wir uns, tragen wir das Prozessrisiko und die Anwaltskosten selber, während dies bei den KK der Prämienzahler tut. Ich möchte wissen, welche andere Branche sich dies einfach gefallen lässt und nicht auf die Strasse geht. Und ich verstehe jeden jungen Arzt, der sich dies alles nicht mehr antun will und lieber im Spital bleibt. Santésuisse fördert das Aussterben der ambulanten Medizin. Im Spital wird es dann erst richtig teuer und weder qualitativ besser noch angenehmer für die Patienten.
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  • Kommentar von Kurt Meier (Kurt3)
    Dieser Beitrag ist eine journalistische Fehlleistung . Wie Herr Max Blatter richtig sagt , geht es nicht um eine Erhöhung der Gesamt kosten , sondern um die Steigerung des verrechneten Aufwandes in Abwesenheit des Patienten . Die Begründungen von Urs Stoffel beziehen sich aber auf allgemeine Kostensteigerungen . Es wäre interessant , zu wissen,welche Fragen an Urs Stoffel überhaupt gestellt wurden . Bitte sorgfältiger Arbeiten .
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