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Gürtelrose – Den besten Schutz gibt’s nicht in der Schweiz
Aus Puls vom 02.12.2019.
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Vermeidbares Seniorenleiden Bleibt der Schmerz, schwindet die Freude am Leben

«Dieser Schmerz ist unerträglich, und niemand will mir helfen!» Die Gürtelrose hat Edith Jeggis Leben von einem Tag auf den anderen brutal verändert. Vor einem Jahr. Ausgerechnet an Weihnachten.

«Als ich am Morgen aufwachte, fühlte sich der Rücken komisch an.» Ein Kontrollblick zeigte: knallrot und voller Bläschen.

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Und plötzlich war die Gürtelrose da.
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Edith Jeggi reagierte richtig und suchte sofort medizinische Hilfe. «Der Doktor meinte ‹ja, das ist Gürtelrose›.» Das gehe nach fünf, sechs Wochen wieder vorbei. «Aber es ist eben nicht mehr gut geworden!»

Stattdessen ist der Schmerz geblieben, der sich auf der rechten Seite den ganzen Rücken hinunterzieht.

Auch die Rötung am Rücken ist nicht verschwunden. Edith Jeggi war bei mehreren Spezialisten, sogar drei Wochen im Spital – nichts half, bis heute.

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«Der Doktor meinte, das sei in ein paar Wochen wieder vorbei. Aber das war es nicht!»
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Die Wurzel des Übels: Das Varizella-Zoster-Virus.

Bei Kindern verursacht es Windpocken und bleibt fortan ein stiller Begleiter. Schlummert in den Nervengängen nahe der Wirbelsäule und wartet auf seine nächste Chance.

Die kriegt es in den meisten Fällen nicht, denn die überstandenen Windpocken machen uns gegen das Virus immun. Doch mit steigendem Alter oder einem geschwächten Immunsystem lässt dieser Schutz nach. Bis die Viren den Nervengängen entlang zur Haut wandern und dort ein plötzliches Comeback feiern. Mit Herpes Zoster, der Gürtelrose.

Und nicht immer verschwinden die Beschwerden nach ein paar Wochen: Je älter die Erkrankten, desto grösser das Risiko für länger andauernde Schmerzen. Dann spricht man von einer postherpetischen Neuralgie. Sie trifft ab 65 ungefähr einen von fünf Gürtelrose-Erkrankten.

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«Die Schmerzen fahren dann so durch. Wie ein Stromstoss. Man weiss sich dann fast nicht zu helfen.»
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Heilung ist schwierig. Das weiss Gottfried Schmid aus leidiger Erfahrung.

Sein hinkender Gang stammt von einem Schlaganfall vor 20 Jahren. Damit hat er sich mit der Zeit arrangiert. Doch vor zwei Jahren erwischte auch ihn eine Gürtelrose, und seither heitern ihn nicht einmal seine Tiere mehr richtig auf.

«Das Leben vorher war sicher nicht das angenehmste. Daran habe ich mich gewöhnt, die Einschränkung hat halt dazugehört.» Anders bei diesen Schmerzen: «Die fahren so durch. Wie ein Stromstoss, brennend, stechend. Man weiss sich dann fast nicht zu helfen.»

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Gottfried Schmid beim Schmerzspezialisten: Schon die Berührung mit einem Wattestäbchen schmerzt.
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Hilfe suchte er schon bei mehreren Ärzten, auch in der Sprechstunde von Reto Agosti. Eine einfache Untersuchung zeigt eindrücklich, wie empfindlich Gottfried Schmids Körper ist: Kaum berührt das Wattestäbchen die sensiblen Bereiche auf dem Rücken, im Nacken, im Gesicht, zuckt Schmid heftig zusammen.

Mit solchen Patienten hat Schmerzspezialist Agosti immer wieder zu tun. Und er weiss, wie beschränkt die Möglichkeiten zur Behandlung sind. «Das sind immer schwierige Fälle. Die Medikamente, die uns zur Verfügung stehen, sind noch nicht sehr wirksam und auch nicht immer gut verträglich.»

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«Gürtelrose mit bleibendem Schmerz. Das sind immer schwierige Fälle. Denn die Medikamente, die wir haben sind noch nicht sehr wirksam und oft eingeschränkt in der Verträglichkeit.»
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Heilen? Selbst der Spezialist kann höchstens lindern – ganz zum Verstummen wird er die geschädigten Nerven kaum mehr bringen.

Schmerzen, möglicherweise bis ans Lebensende: Für die Betroffenen wie Edith Jeggli oder Gottfried Schmid ist dies nur schwer zu akzeptieren. Und wenn sie davon hören, dass es eine Möglichkeit gegeben hätte, dem Schicksal zu entgehen ist für sie klar: «Hätte ich gewusst, dass man davor etwas hätte machen können, hätte ich das sicher nicht ausgelassen!»

Empfehlung: Im Alter impfen

Eine Möglichkeit zur Vorbeugung gibt es tatsächlich. Seit zwei Jahren empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Impffragen allen 65- bis 79-Jährigen eine Impfung mit dem Mittel Zostavax.

Zostavax schützt in den ersten vier Jahren nach der Impfung etwa die Hälfte aller Patienten ab 60 vor einer Gürtelrose. Das ist besser als nichts, aber weit weniger wirksam als das Mittel eines anderen Herstellers: Shingrix verhindert Studien zufolge in neun von zehn Fällen eine Gürtelrose und bietet auch einen länger anhaltenden Imfpschutz als Zostavax.

Bloss ist Shingrix in der Schweiz nicht erhältlich.

Der Pharmakonzern Glaxo Smith Kline GSK produziert den Impfstoff in einem Werk in Belgien – aber bisher nur für die USA, Kanada und Deutschland.

In der Schweiz hat GSK bisher nicht einmal ein Gesuch für eine Zulassung gestellt. Vom Gesundheitsmagazin «Puls» nach den Gründen gefragt, will man sich dazu vor der Kamera nicht äussern. Schriftlich teilt GSK Schweiz mit:

GSK konzentriert sich auf die beispiellose Nachfrage, die Shingrix in den aktuellen Ländern mit einer Markteinführung gefunden hat.

Und:

Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir keinen genauen Zeitrahmen für Neueinführungen in weiteren Ländern.

Sprich: Es kann noch lange dauern. Nur schon das Zulassungsverfahren dauert im besten Fall bis zu einem Jahr.

Ein Problem speziell für immungeschwächte Patienten. Denn im Gegensatz zu Shingrix ist der in Schweiz zugelassene Impfstoff Zostavax für sie nicht geeignet.

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«Das Medikament kostet in Deutschland zweimal 250 Franken. Wenn es nicht lieferbar ist, bestellen wir es in den USA/Kanada. Dann sind es zweimal 350 Franken.»
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Ärzte und Spitäler behelfen sich mit der Beschaffung des Impfstoffs im Ausland. Dies ist laut Gesetz in kleinen Mengen und für bestimmte Patienten möglich. Zu entsprechenden Kosten:

«Wenn der Impfstoff in Deutschland verfügbar ist, kosten die beiden Dosen zweimal 250 Franken», weiss Felix Huber, ärztlicher Leiter von Medix Zürich. «Ist er dort aber nicht lieferbar, bestellen wir in Übersee.»

Dann steigt der Totalpreis von 500 auf 700 Franken.

Wer die Sache in die eigenen Hände nehmen will und die Kosten nicht scheut, kann sein Glück in Deutschland versuchen. Die Ärzte ennet der Grenze impfen auch Schweizer – wenn sie können. Denn das Interesse der Deutschen an der Gürtelrosen-Impfung ist so gross, dass Shingrix kaum lieferbar ist.

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«Zostavax ist besser als nichts.» Studiogespräch mit Christoph Berger, Präsident Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKI).
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16 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    wäre vermutlich weniger ansteckend, wenn nicht die "helden der arbeit" (wie bei anderen erkrankungen auch) alle kollegen anstecken würden. das scheint weniger verpönt, als erkrankungen auszukurieren.
    vielleicht scheuen kranke aber auch das mobbing, das sie erfahren, wenn sie krankheitsbedingt ausfallen. bei der diskussion um die kosten im gesundheitsunwesen ist das bashing von kranken ja auch sehr beliebt. keiner ist gerne krank, aber andere anstecken ist verantwortungslos. umdenken muss her!
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  • Kommentar von W. Pip  (W. Pip)
    Hauptsache, wir haben das teuerste Gesundheitssystem der Welt, das aber bei banalen Dingen versagt.
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  • Kommentar von Markus Breitschmid  (Markus in Washington)
    Bei uns in den USA ist das einfache Sache die zwei Impfungsdosen zu erhalten: einfach zur naechsten Apotheke fahren. Die zwei Impfung im Abstand von 6 Monaten werden gleich dort verabreicht. - zu 100% von der Krankenkasse uebernommen. Allen Personen ueber 50 wird empfohlen die Impfung zu machen. Ich bin froh in den USA zu leben.
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