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Schweiz Versuche an psychisch Kranken sollen aufgearbeitet werden

Wie wirkt ein neues Medikament? Welche Nebenwirkungen treten auf? Pharmafirmen fanden es heraus, indem sie bis in die 1970-er Jahre staatlich tolerierte Versuche an Menschen durchführten, die sich nicht wehren konnten: Patienten in psychiatrischen Anstalten. Offene Fragen sollen nun geklärt werden.

Das dunkle Kapitel der Verdingkinder und Weggesperrten soll weiter aufgearbeitet werden. Das haben Betroffene und Behörden an einem runden Tisch entschieden. Nun geht es insbesondere um Menschen, die in psychiatrischen Anstalten sassen und dort als Versuchskaninchen dienten, um Medikamente zu testen.

Dass solche Medikamentenversuche noch bis in die 70er Jahre durchgeführt wurden, ist unbestritten. Wenig bekannt ist aber über die Betroffenen und über die Häufigkeit solcher Versuche. Auch stellt sich die Frage, wer sie angeordnet hat.

«Man weiss sicher noch viel zu wenig darüber», sagt Luzius Mader, Vizedirektor des Bundesamts für Justiz. Deshalb tue Aufarbeitung dringend Not. Der Bundesrat hat Mader an den runden Tisch für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen delegiert.

Da wird also ein weiteres unrühmliches Kapitel Schweizer Geschichte aufgeschlagen. Es soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Und man wolle überlegen, ob Betroffenen solcher Versuche zusätzliche Beratung und Unterstützung zukommen soll, sagt Mader.

Fall Münsterlingen wird untersucht

Erst kürzlich kündigte die Thurgauer Regierung an, solche Pharma-Experimente an der Klinik Münsterlingen untersuchen zu lassen. Der Thurgauer Volkswirtschaftsdirektor verstieg sich dann zu der heftig kritisierten Aussage, dass solche Tests zwar tragisch für die Opfer, aber doch auch nützlich für die Forschung gewesen seien.

Damit war für die Betroffenen am runden Tisch des Bundes erst recht klar: Dieses Thema gehört dort mit auf den Tisch.

(amka;brut)

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Schweinemäster, Kreuzlingen
    Mir ist bewusst, das dies nur ein kleines info Portal des srf ist, und die Nachricht ist nur eine Depesche, Weiterleitung. Von interesse wäre zu erfahren, was dagegen getan wurde, oder werden wird. Wurde eine Weisung herausgegeben 1999, was normal ist, also kein Gesetz, oder ist das ein Memorandum of understanding? So quasi wir halten uns daran, aber Gesetzlich ist alles noch möglich? Sicher erwas für eine Sendung... Denn über das alte Münsterlingen hört man, wahre Schaudergeschichten.
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Als ich 1988 auf der Intensivstation lag, bekam ich ein Viereck mit Nadeln auf den Unterarm gedrückt und bekam etliche Medis. Als ich nachfragte, was das soll, sagte man mir lediglich, man wolle wissen welche Medis ich vertrage und welche nicht. Eine einzige Schwester sagte mir dann, dass lediglich neue Medis getestet werden. Ich konnte mich zum Glück noch wehren und habe die Übung abgebrochen und konnte auch noch Andere warnen. Ohne Wissen der Betroffenen, ist es eine riesen Sauerei!
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Was, noch 1988???? Das ist ja unerhört! Glücklicherweise gelang es Ihnen, sich und andere Patienten (Versuchsmenschen) "aus der Schlinge" zu ziehen. Ich wünsche Ihnen alles Gute.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Unglaublich, dass Menschenversuche aus der Nazizeit bis in die 70er Jahre praktiziert wurden. Es ist einfach unterste Schublade, dass immer die Schwächsten, die sich nicht wehren konnten herhalten mussten. Heute ist dies zum Glück verboten. Aber wie steht es mit den Versuchstieren? Leiden diese nicht auch unter Angst und Schmerzen? Doch von Tierversuchen für neue Medikamente berichten die Medien als ob es die normalste Sache der Welt wäre.
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    1. Antwort von Marie-Luise Reck, Turbenthal
      Tja verboten ist es aber woher wollen die Patienten die Gewissheit haben wen sie Medikamente bekommen und Ihnen gesagt wird es sei das richtige das nehmen nicht auch ein Test ist. Mein Freund hat nach einem Schädelbruch ein Medikament bekommen das verhindern sollte das er Eptileptisch Anfälle kriegt das Mittel hat er 1 1/2 Jahr genommen er hat drei kurze krampfartige Anfälle wo er einfach umgefallen ist. Ohne hat er seit 5 Jahren keinen Anfall mehr gehabt und es geht im gut auch geistig.
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