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Schweiz Vier Festnahmen nach Mordaufruf in Winterthurer Moschee

Die Zürcher Justiz hat am Morgen eine Razzia in der An' Nur-Moschee durchgeführt. Dabei und bei weiteren Hausdurchsuchungen wurden drei Beschuldigte sowie ein äthiopischer Imam verhaftet. Die Moschee steht seit längerem wegen angeblicher Radikalisierung junger Muslime in den Schlagzeilen.

Legende: Video «Imam in Winterthurer Moschee rief zu Mord auf» abspielen. Laufzeit 3:59 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.11.2016.
  • Razzia in der wegen angeblicher Radikalisierung Jugendlicher umstrittenen An' Nur-Moschee in Winterthur
  • Vier Personen verhaftet – darunter ein äthiopischer Imam
  • Imam soll an einer Predigt zum Mord aufgerufen haben
  • Expertin kritisiert Behörden und Verbände

Die Staatsanwaltschaft Winterthur hat ein Strafverfahren gegen einen Imam und drei Personen aus dem Umfeld der Winterthurer An' Nur Moschee eröffnet. Ihnen wird öffentliche Aufforderung zu Verbrechen und Gewalt vorgeworfen.

Legende: Video «Staatsanwaltschaft: Polizei hatte konkrete Hinweise» abspielen. Laufzeit 0:41 Minuten.
Vom 02.11.2016.

«Verschiedene Dinge» sichergestellt

Die öffentliche Predigt, welche den Anstoss zur heutigen Razzia gab, fand im vergangenen Oktober statt. Der äthiopische Imam soll zum Mord an Muslimen aufgerufen haben, die sich nicht an die Gebetszeiten halten. «Zudem wurden die Anwesenden aufgefordert, Muslime zu denunzieren, die sich nicht an die Regeln halten», sagte Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft.

Die Rolle der drei weiteren Beschuldigten aus dem näheren Umfeld der Moschee ist unklar und Gegenstand der laufenden Untersuchung. Ihre Wohnungen wurden am Morgen ebenfalls durchsucht. Dabei habe man «verschiedene Dinge» sichergestellt. Die zuständige Staatsanwältin werde am Donnerstag entscheiden, ob Untersuchungshaft beantragt werde.

Moschee radikalisierte Jugendliche

Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die An' Nur-Moschee wohl Ende Jahr schliessen muss. Die Vermieter lassen den Vertrag mit dem umstrittenen Gotteshaus auslaufen, und der Islamverein findet keine neuen Räume.

Die Moschee im Stadtteil Hegi geriet mehrmals wegen mutmasslicher Radikalisierung von Jugendlichen in die Schlagzeilen. Mehrere Jugendliche waren nach Syrien gereist und hatten sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Alle sollen in der An' Nur-Moschee (Arabisch für «das Licht») radikalisiert worden sein.

Im Zuge der Hausdurchsuchung in der Moschee hat die Polizei zudem vier Männer festgenommen, die dort übernachtet haben. Einer der Festgenommenen hält sich illegal in der Schweiz auf, den anderen wird Widerhandlung gegen das Ausländergesetz vorgeworfen. Die vier Männer sind zwischen 23 und 35 Jahre alt, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Drei Männer stammen aus Algerien und Tunesien, der vierte Mann weigerte sich, seine Nationalität anzugeben.

Legende: Video ««Verbände müssen bei Predigern genauer hinschauen»» abspielen. Laufzeit 3:22 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.11.2016.

Expertin: «Nur die Spitze des Eisbergs»

Der Winterthurer Stadtrat begrüsst die Razzia in der umstrittenen Moschee. Die Stadt wolle alles daran setzen, Radikalisierung und Extremismus in welcher Form auch immer vorzubeugen und zu bekämpfen.

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, kritisiert hingegen, dass die Behörden nicht früher reagiert haben: Es handle sich «nur um die Spitze des Eisbergs», sagte sie gegenüber Radio 24. In den vergangenen Jahren habe es in dieser Moschee eine ganze Reihe von radikalen Imamen gegeben.

Zudem existierten in der Schweiz auch zahlreiche andere Moscheen, die radikales Gedankengut verbreiteten, so Keller-Messahli in «10vor10» «Hier haben wir tatsächlich ein Problem.» Nun seien die Verbände in der Pflicht. «Sie müssen proaktiv sein und sich fragen: Woher kommt ein Prediger und was ist seine Hauptbotschaft?» Denn es sei leider Tatsache, dass in vielen hiesigen Moscheen potenziell gefährliche Imame ein- und ausgingen.

Der Dachverband der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), der fast alle Moscheen im Kanton vertritt, will in den kommenden Tagen prüfen, ob die An' Nur-Moschee ausgeschlossen werden soll, wie VIOZ-Sekretär Muris Begovic gegenüber verschiedenen Medien ankündigte.

46 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Es liegt nun an den Muslimen und zwar weltweit, etwas mutiges und erfolgversprechendes zu unternehmen. Andernfalls geht das Morden unvermindert weiter.
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Es hat (zu) lange gedauert, bis endlich mal etwas unternommen wurde. Doch vermutlich verläuft alles wieder im Sand - wir sind ja in CH so extrem grosszügig mit solchen Menschen, die nie in unserem Lande sein sollten.
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Warum? Naiv toleriert im Schutz der Religions-/Kultusfreiheit, Ignoranz unmissverständlicher, in Öffentlichkeit vorgetragener Botschaften diverser muslim.Politiker oder Funktionäre Europas und aus muslimischen Ländern von Erdogan über SP-Politiker Öger oder El-Zayat bis hin zu unseren Präsidenten des IZRS, KIOS, FIDS, die mit angeknipsten Lächeln in der Arena seit Jahren sämtlichen brisanten Fragen ausweichen. Sie alle haben ihr Ziel direkt oder indirekt klar definiert, die Islamisierung Europas
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    In einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft, geht der Polizei und der Gerichts-Justiz die Arbeit wirklich nie aus! Es sei denn, die Schweiz verzichte auf den Rechtsstaat und freiheitliche Selbstständigkeit und toleriere alles und jedes eingewanderte und damit entstandene "Problem" mit vollständiger Humanität und verbundenen Augen und Ohren! Ich bin (trotz Grossvater-Rolle von 3 Enkelkinder) froh, schon ein alter "Grufti" zu sein!
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    1. Antwort von Adrian Flükiger (Ädu)
      @Bolliger: Kein Wunder geht den Justizorganen die Büez nicht aus. Gar nicht möglich, wenn diese ihre Büez richtig machen. Sowohl in diesem Beispiel als auch bei den Neonazikonzerten der letzten Wochen plagte diese aber zu oft das Problem der Blindheit auf dem rechten Auge! Friedlich ist das alles nicht. Beide Gruppierungen rufen schliesslich zu Mord und Totschlag auf - da gehört eisern ausgemistet. Gerade auch Ihren Enkeln zu Liebe, Bolliger!
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