Zum Inhalt springen

Schweiz Wallis: Keine Stromleitung für neues Wasserkraftwerk?

Im Wallis wird eines der grössten Pumpspeicherkraftwerke Europas gebaut. Aber jetzt wird immer deutlicher: Wenn das Werk 2018 in Betrieb gehen soll, werden die nötigen Leitungen für den Abtransport des Stroms kaum stehen.

Wasserkraftwerk nach Schneefall
Legende: Das Kraftwerk im März 2014. Jetzt läuft die Bevölkerung Sturm gegen geplante Hochspannungsleitungen. Keystone

Vor allem im Winter, wenn wir viel Strom brauchen, soll das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance ab 2018 auf vollen Touren laufen. Aber die nötigen Hochspannungsleitungen im Wallis stossen bei der Bevölkerung auf grossen Widerstand. Das hat handfeste Auswirkungen, sagt Yves Zumwald, CEO der Netzgesellschaft Swissgrid: «Wenn die Leitung 2018 nicht steht, dann kann Nant de Drance seinen Strom nicht abtransportieren».

Das nagelneue Kraftwerk kann also gar nicht – oder nur beschränkt – ans Stromnetz. Und auch die anderen Kraftwerke in der Region werden darunter leiden. Ein Drittel des im Wallis produzierten Stroms könnte nicht mehr abgeführt werden. Und das etwa drei Jahre lang, wenn die Einsprachen – wie erwartet – bis vor Bundesgericht weitergezogen werden.

Schlechte Nachrichten für Hauptaktionäre

Das sind schlechte Nachrichten für Alpiq, für die SBB und für die Industriellen Werke Basel, die drei Hauptaktionäre des neuen Walliser Wasserkraftwerks, das 1,8 Milliarden Franken kostet.

Es werde zu finanziellen Streitereien kommen, prognostiziert der Direktor des Bundesamtes für Energie, Walter Steinmann. Denn die Betreiber würden sich zu Recht sagen: «Wenn ich hier einen Verlust erleide, muss mich dafür jemand entschädigen.»

Einsprachemöglichkeiten fraglich

Mit der Energiestrategie 2050 wollen Bundesrat und Parlament die Einsprachemöglichkeiten beschränken. Anwohner sollen den Streit um Hochspannungsleitungen nicht mehr bis vor das Bundesgericht tragen können.

Aber ob dieses neue Recht, so es denn durchkommt, auch für die alten Leitungsprojekte gilt, wie im Fall von Nant de Drance, ist juristisch noch eine offene Frage.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Das Kraftwerk wurde 2008 für 600MW Leistung bewilligt. Im April 2011 wurde die Konzession auf 900MW erhöht. Man weiss also mindestens seit 5 Jahren von der Problematik, sehr wahrscheinlich aber noch wesentlich länger. Auch wurde die Erhöhung der Leistung sicher nicht im Wissen um die Energiewende beantragt, denn die Bewilligung erfolgte nur 1 Monat nach der Katastrophe bei Fukushima. Diese gigantische Anlage ist also ganz klar noch ein Kind der nuklearen Zeit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jean-Phillippe Ducrey (Jean-Phillippe Ducrey)
      Das ist so und sie hätte im Verbund mit den Kernkraftwerken auch Sinn gemacht. Dank unsinniger Subventionen, gerade in Deutschland, sind die Kosten der sauberen Wasserkraft in der Schweiz nun nicht mehr zu tragen. Milliardenlöcher sondergleichen. Doch Doris Leuthard macht bei diesem Unsinn fleissig mit. Wer keine KKW will muss auf Gas/Kohle zurückgreifen. Kein Problem damit. Aber dann einfach nicht über den Klimawandel jammern. Alles andere ist in der Schweiz schlichtweg kostenintensiver Unsinn.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Phillippe Ducrey (Jean-Phillippe Ducrey)
    Die DDR baute im Rahmen der sozialistischen Bruderschaftshilfe in der Mongolei ein Holzsägewerk, welches den gesamten Baumbestand der Mongolei binnen einem Jahr hätte verarbeiten können. Das Werk ging nie in Betrieb, weil es erstens 300km vom nächsten Waldbestand entfernt war und es weder Strasse noch Lastwagen für den Transport des Holzes gab und auch kein Geld dafür. Planwirtschaft vom Feinsten, nicht wahr, Doris Leuthard?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Phillippe Ducrey (Jean-Phillippe Ducrey)
    Leute, das hat man bereits vor dem Bau des Kraftwerks gesagt! Was typisch ist für die Vertreter der Energiewende: Man begreift nicht, dass die Energiewende nicht funktioniert. Und jetzt will man auch noch die Grundrechte der Bevölkerung kappen. Wie in der DDR. Als Ende der 50er Jahre den DDR-Machern das Volk weglief, weil das System nicht funktionierte, änderte man nicht das System, nein, man baute eine Mauer und schoss auf das eigene Volk. Bis der Laden 1989 endgültig an die Wand gefahren war.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Was die ewigen Stänkerer wie Hr. Ducrey nicht begreifen ist dass solche Probleme mit der Energiewende überhaupt nichts zu tun haben. Für diese Sicht habe ich Argumente: 1. Das Nant de Drance Kraftwerk wurde entworfen mit Blick auf die Veredelung von Nuklear erzeugtem Strom. Erst seit wenigen Jahren denkt man an die Nutzung zur Überbrückung von Solaren Lücken 2.Dass Kraftwerk und Leitungen nicht zusammen als Paket bewilligt werden ist eine CH-demokratische Besonderheit, müsste nicht sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jean-Phillippe Ducrey (Jean-Phillippe Ducrey)
      @Reuteler: Grundsätzlich hatte die Schweiz vor der Energiewende wohl die wirtschaftlichste, sauberste und sicherste Energieversorgung der Welt. Nun, wer an einem recht optimierten System schraubt, der zahlt drauf. Limmern wie auch Nant de Drance machten als sinnvolle Ergänzung zum bisherigen "System" durchaus Sinn. Doch die Energiewende hat hier zwei weitere Milliardenlöcher produziert, notta bene bei der sauberen Wasserenergie.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Jean-Phillippe Ducrey (Jean-Phillippe Ducrey)
      @Reuteler: Was die Leitungen anbelangt: Geplant ist das Nant de Drance bereits seit Ende der 80er Jahre, wie weitere Werke mit der Dixence und Mauvoisin. Das damals geplante Leitungsnetz durchs Wallis war völlig ausreichend, wenn im Chablais auch mit einem Murren akzeptiert. Mit dem vorgesehenen Wegfall der KKWs vor Ort muss der Strom nun von weiter her angeliefert werden und dafür sind zusätzliche Leitungen notwendig. Genau um diese zusätzlichen Leitungen geht es.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen