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Schweiz «Was nicht verkauft werden kann, ist ein Verlust»

Fondue Chinoise, Weihnachtsbraten, Weihnachtsschinken und Züpfe: Die Gestelle in den Läden sind voll mit Leckereien fürs grosse Weihnachtsfest. Am 24. Dezember schliessen die meisten Läden für zwei Tage die Tore. Was passiert dann mit all der Ware, die in den Regalen liegengeblieben ist?

Ein Regal mit vielen verschiedenen Brotsorten.
Legende: Die Regale sind prall gefüllt, obwohl die Läden für zwei Tage schliessen. Keystone

Frisches Brot und Züpfe: Eine Mitarbeiterin füllt das Brotgestell auf. Bis zum Ladenschluss sollen die Kunden frische Backwaren kaufen können. Die Gestelle in den Läden sind vor Weihnachten voller als sonst. Die Kundschaft soll sich für die Feiertage mit Lebensmitteln eindecken können.

Mehr Abfälle nach Ladenschluss gebe es deshalb aber nicht, sagt Nadja Ruch, Mediensprecherin von Coop: «Es wird deutlich mehr gekauft als zu anderen Zeiten. Wir setzten also viel mehr Ware um als üblicherweise. Produkte, die nur beschränkt haltbar sind, liegen entsprechend weniger lange im Laden.»

Ausserdem werden bei Coop und Migros Produkte nahe am Verfalldatum stark verbilligt verkauft. Und bei Ladenschluss können die Angestellten die Waren nochmals verbilligt kaufen. Auch arbeiten die beiden Detailhändler mit Hilfsorganisationen wie Tischlein Deck dich zusammen. Sie verteilen Lebensmittel an von Armut betroffene Menschen.

«Wir schauen, dass die Hilfsorganisationen immer dann kommen, wenn vor allem auch von ihrer Seite Bedarf da ist», sagt Andrea Bauer von der Migros. Das sei nicht jeden Tag der Fall. «Aber wir sprechen uns gut mit den Organisationen ab.»

Bei Denner hingegen heisst es, die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen lohne sich nicht. «Der Anteil der Waren, der am Schluss übrig bleibt, ist so gering, dass es sich für Hilfswerke gar nicht lohnen würde, diesen bei unseren Filialen abzuholen», sagt Mediensprecherin Paloma Martino. Bei Denner wird im Vergleich zu anderen Detailhändlern wenig Frischware wie Gemüse und Brot angeboten.

Weniger als 0,5 Prozent landen wirklich im Abfall

Auch wenn bei Migros und Coop mehr frische Lebensmittel übrig bleiben, dürfen sie den wohltätigen Organisationen nicht alles abgeben – wegen der Lebensmittelvorschriften. «Wir versuchen, so viel wie möglich zu verwerten», sagt Ruch von Coop. «Abgelaufene oder verdorbene Ware, die nicht mehr weitergegeben werden kann, wird zu Tierfutter oder Biogas weiterverwertet.»

Bei Coop würden deshalb weniger als 0,5 Prozent aller Lebensmittel wirklich im Abfall landen. Bei Migros seien es 0,2 Prozent, heisst es. Die Detailhändler heben auch wirtschaftliche Aspekte hervor.

«Für jeden Detailhändler ist das oberste Ziel, Ware zu verkaufen», sagt Bauer von der Migros. «Alles, was wir nicht verkaufen können, ist für uns ein Verlust.» Deshalb werde darauf geachtet, möglichst nichts wegwerfen zu müssen.

Auch die Konsumenten sollen ihren Teil beitragen

Dass sich die Detailhändler vermehrt Mühe geben, möglichst wenig wegzuwerfen, stellt auch der Geschäftsführer beim Verein Foodwaste.ch fest. Die Plattform setzt sich für weniger Lebensmittelverschwendung ein. Die Detailhändler müssten vermehrt Rechenschaft ablegen, was mit den Abfällen passiert, sagt Markus Hurschler. «Ich denke schon, dass das etwas bewirkt hat.» Das Bewusstsein sei geschärft.

Doch würden natürlich immer noch Abfälle anfallen. Und die könnten noch mehr reduziert werden. «Die Detailhändler könnten ihre Werbung so betreiben, dass sie weniger zu einem übermässigen Konsum anregt», sagt Hurschler. Doch seien selbstverständlich auch die Konsumenten gefordert. Denn gerade zu Weihnachten sei die Verlockung gross, zu viel für das grosse Fest einzukaufen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Munteler, Zürich
    Viele Lebensmittel verderben wohl schon bei der Produktion und beim Transport. Den mit Abstand grössten Anteil an "Foodwaste" tragen aber vermutlich die Privathaushalte bei, wegen Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit und unsachgemässer Lagerung. Der Anteil an weggeworfener Ware mag bei den Detailhändlern tatsächlich relativ gering sein, aber er ist wohl am augenfälligsten.
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  • Kommentar von E. Waeden, H
    "Was nicht verkauft werden kann, ist ein Verlust." Nun denn, liebe Detailhändler, dann kauft einfach weniger ein! Eure Einkäufer machen keinen guten Job, wenn immer viel Ware übrig bleibt! Und die Regale müssen gegen Ladenschluss nicht noch prall gefüllt sein! Das Brot am Morgen vom Bäcker ist auch am Abend noch frisch. Wer zuerst kommt, hat die grösste Auswahl, wer später kommt, nimmt mit was übrig geblieben ist! Denke, hier in der Schweiz muss deshalb keiner verhungern.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Sie haben den "Nagel auf den Kopf getroffen", geehrte(r) "E. Weaden aus der Anonymität ("H"), die Lebensmittelhändler müssten viele Produkte nicht "entsorgen", wenn sie ihre Warengestelle nicht dermassen überfüllen würden! Zum Glück muss bei uns (im reichsten Land Europas) tatsächlich niemand verhungern, nicht einmal jene, die noch nie einen Finger gekrümmt haben, sich das "täglich Brot" selber mit eigener Anstrengung zu verdienen!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Die Frage, was passiert eigentlich mit all der Ware in den vollen Regalen, wenn die Ladentüren abgeschlossen werden, stellt sich jeder pflichtbewusste Zeitgenosse immer wieder. Die Antwort der Grossverteiler, zu diesem Faktum, erscheint mir zu wenig aussagekräftig und ehrlich! Dass bloss 0.2 bis 0.5% wirklich auf dem Müll landet, ist kaum realistisch! So kann ich mein zerfallenes Gartengemüse, das auf der Grünabfuhr-Halde landet auch nicht als "Abfall" bezeichnen, sondern bloss als "Biomasse"!
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