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Wasserversorger schlagen Alarm Ewiges Dilemma zwischen Pestizideinsatz und Trinkwasserqualität

Die Räte wollen Zulassung von Pestiziden aus der EU erleichtern. Das freut den Bauern und betrübt den Wasserversorger.

Vermehrt wird in der Schweiz versucht, den Gewässerschutz aufzuweichen. In der Frühjahrssession wurden gleich mehrere Vorstösse dazu eingereicht – beispielsweise jener von Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy.

Er fordert, dass Pflanzenschutzmittel, die von den Nachbarländern sowie den Niederlanden und Belgien bereits eingesetzt werden, hierzulande vereinfacht zugelassen werden. Zudem sollen die Behörden noch maximal ein Jahr Zeit für die Zulassung haben. Ist damit das Trinkwasser stärker bedroht?

Wasserversorger mahnt vor Rückschritten

Schon heute sei das Grundwasser an vielen Orten im Mittelland wegen Pestiziden belastet, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sagt Roman Wiget, Geschäftsführer Seeländische Wasserversorgung Worben BE.

Es gibt laut Wiget hauptsächlich zwei Sorgenkinder: Ewigkeitschemikalien wie PFAS, TFA, Chlorothanonyl-Metaboliten und Nährstoffüberschüsse, die beispielsweise zu Nitrat im Trinkwasser führten.

500 Gesuche beim Bund hängig – die Bauern warten

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Person in Schutzanzug besprüht Pflanzen im Garten.
Legende: KEYSTONE / Walter Bieri

Bäuerinnen und Bauern führen einen harten Kampf gegen diverse Schädlinge, die ihre Kulturen gefährden. Der Schädlingsdruck ist gestiegen – durch den Klimawandel, aber auch weil alten Pflanzenschutzmitteln die Zulassung entzogen wurde oder sie vom Markt genommen wurden. Gleichzeitig gibt es in der Schweiz einen Engpass bei der Zulassung von neuen Mitteln: Beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sind 500 Gesuche für Pflanzenschutzmittel hängig, das Amt kommt nicht nach mit der Bearbeitung. Das Problem ist erkannt, wie es gelöst werden soll, ist jedoch umstritten.

Livia Middendorp

Seit der Pestizid- und Trinkwasserinitiative, über die das Stimmvolk vor fünf Jahren abgestimmt hatte, konnten laut Wiget Verbesserungen erreicht werden. Aktuell würden diese aber wieder aufgeweicht oder rückgängig gemacht, klagt der Wasserversorger.

Landwirte fühlen sich alleingelassen

Auf der andere Seite der Diskussion stehen Landwirte, die immer mehr Mühe haben mit dem steigenden Schädlingsdruck. Auch auf dem Rapsfeld von David Brugger vom Bauernverband fliegen schon jetzt Stängelrüssler und Glanzkäfer. Für diese Schädlinge habe es nur je ein einziges Insektizid zur Verfügung, sagt er. «Das führt zu Resistenzen, zu höheren Dosierungen.»

Mensch hält gelbe Klebefalle mit Insekten nahe Pflanzen im Freien.
Legende: David Brugger zeigt auf seine Klebefalle, auf der Glanzkäfer und Stängelrüssler haften geblieben sind. SRF

Man müsse die Insektizide in kurzen Abständen ausbringen, weil sie nicht mehr richtig funktionierten. Mit neuen Produkten hätten die Landwirtinnen und -wirte eine Win-win-Situation: für die Umwelt und die Landwirtschaft. «Wir müssen schlussendlich weniger einsetzen.

Daniel Stüdi befindet sich zwischen den beiden Lagern. Er ist Landwirt und versuchte in einem mehrjährigen Projekt von Bund und Kantonen, weniger Pestizide einzusetzen.

Zwar sei die Auswahl an Pestiziden im Moment klein. Aber die Bäuerinnen könnten durchaus mit mengenmässig weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen, schätzt er – über alle Kulturen hinweg. «Rund 50 Prozent kann man in der Praxis reduzieren.»

Mann mit Brille und Pullover steht vor Berglandschaft.
Legende: Um selbst weniger Pflanzenschutzmittel einzusetzen, hat Daniel Stüdi die Aussaat von Raps vom 10. September auf den 15. August vorverschoben. Die Pflanzen seien so robuster, wenn beispielsweise der Erdfloh kommt. SRF

Zwar müsse man mit gewissen Ertragseinbussen rechnen. Bis zu zehn Prozent fände er akzeptabel. Doch er räumt ein: Beim Weizen sei das gut machbar, beim Raps weniger.

Laut David Brugger vom Bauernverband ist eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln möglich. «Wenn wir gut abbaubare Pflanzenschutzmittel mit einem guten Umweltprofil haben und gleichzeitig einen hohen Know-how-Transfer in der Landwirtschaft, dann würde das auf jeden Fall helfen, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.»

Neue Filteranlage löst nicht alle Probleme

Damit nicht noch mehr Pflanzenschutzmittel ins Trinkwasser gelangen, hat Roman Wiget in Worben eine neuartige Aktivkohle-Filteranlage eingebaut – ein Vorzeigeprojekt. Dank moderner Filtertechnik kann Wiget viele Ewigkeitschemikalien aus dem Wasser entfernen.

Doch die Anlage habe ihre Grenzen. «Jedes Filterverfahren kostet, braucht viel Energie und meistens sind die Probleme um Abwässer oder um die Abfälle nicht wirklich gelöst.» Der einzige Weg, das Problem der Pflanzenschutzmittel-Rückstände zu lösen, sei, bei der Landwirtschaft anzusetzen.

Bregys Vorstoss vom Ständerat angenommen

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Das Anliegen von Mitte-Nationalrat Bregy ist bei den Bürgerlichen im Ständerat auf offene Ohren gestossen und wurde am Donnerstag mit 31 zu 12 Stimmen angenommen – zur Bestürzung von SP, Grünen und GLP. Umweltverbände und Wasserversorger hatten davor gewarnt.

Rendez-vous, 05.03.2026, 12:30 Uhr;liea

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