Der Verkauf von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz ist seit Jahren am Sinken, um 36 Prozent zwischen 2008 und 2024. So zeigt es die entsprechende Grafik des Bundesamtes für Landwirtschaft. Die Risiken der Pflanzenschutzmittel seien am Abnehmen, so die offizielle Botschaft des Bundesamtes.
Wir schauen uns nicht nur die Menge der verkauften Pestizide in Tonnen an, wir rechnen auch die Toxizität der Produkte mit rein.
Der Bundesrat will die Pestizidbelastung in den Gewässern und in der Umwelt generell reduzieren. Deshalb hat er 2017 den Aktionsplan zur Risikoreduktion bei Pflanzenschutzmitteln verabschiedet. Man sei auf gutem Weg, heisst es ein wenig vorsichtiger auch auf der Homepage des Bundesamtes für Umwelt.
Insektizide zum Teil sehr stark toxisch
Eine neu publizierte Studie im Fachmagazin Science kommt nun aber zum gegenteiligen Schluss: Die schädliche Wirkung der Pestizide steige weltweit an, auch in der Schweiz, so der Befund. Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Einschätzungen? «Wir schauen uns nicht nur die Menge der verkauften Pestizide in Tonnen an», sagt Ralf Schulz, einer der Autoren von der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, «wir rechnen auch die Toxizität der Produkte mit rein». Und da gebe es sehr grosse Unterschiede.
Es gibt darunter Wirkstoffe, die sind um viele Zehnerpotenzen toxischer als andere Insektizide.
Während Herbizide zur Unkrautbekämpfung zum Beispiel zwar in grossen Mengen angewendet würden, so seien diese Mittel für andere Organismen eher wenig schädlich. Insektizide hingegen, die etwa gegen Milben, schädliche Käfer oder Fliegen eingesetzt werden, hätten oft starke schädliche Auswirkungen auch auf andere Tierarten.
«Es gibt darunter Wirkstoffe, die sind um viele Zehnerpotenzen toxischer als andere Insektizide.» Von bestimmten Wirkstoffen, wie zum Beispiel Fipronil, das wir bei Haustieren gegen Zecken und Läuse anwenden, braucht es nur wenige Tropfen um einen ganzen Bach zu vergiften, wie Schweizer Forschende kürzlich herausgefunden haben.
Globales Ziel zur Reduktion der Pestizide
Im Jahr 2022 einigten sich rund 200 Staaten an der UN-Biodiversitätskonferenz darauf, die Risiken, welche Pestizide mit sich bringen, bis 2030 zu halbieren. Auch die Schweiz hat dieses Ziel unterschrieben. Angesichts der bisherigen Entwicklung hält Pestizid-Experte Ralf Schulz dieses Ziel aber für «ziemlich ambitioniert».
Ihre neue Studie könnte jedoch hilfreich sein, bei der Erreichung des Ziels, denn sie weist für jedes Land aus, welche Organismengruppen am stärksten bedroht sind. «Man weiss also, bei welchen Pestiziden man als erstes ansetzen müsste, um möglichst viel Schaden zu vermeiden», sagt Schulz.
Es gibt also ziemlich viel zu tun, wenn die Schweiz die gesetzten Ziele bis 2030 noch erreichen will. Und die beteiligten Bundesämter sollten ihre Berechnung zu den Risiken der Pflanzenschutzmittel nochmals genau analysieren. Dies zumindest legt die Studie der deutschen Forschergruppe nahe.