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Schweiz Weitere Verzögerung für neue SBB-Doppelstöcker

Die SBB bekommt vom Rollmaterialhersteller Bombardier drei Gratiszüge. Das Aktionsangebot 62 für 59 von Bombardier hat aber einen Haken. Die Lieferung verzögert sich.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Auslieferung der Züge verspätet sich um ein weiteres Jahr
  • Die ersten neuen Doppelstöcker-Züge sind ab 2017 unterwegs
  • Als Kompensation für die erneute Verzögerung liefert Bombardier drei Gratis-Züge

Die neuen Doppelstockzüge für den Fernverkehr werden erst ab 2017 zum Einsatz kommen, ein weiteres Jahr später als geplant. Dies gehe aus dem neuen Lieferplan hervor, den Bombardier der SBB vorgelegt habe, teilte die SBB am mit. Bombardier werde die SBB für die Verspätung entschädigen.

Bis 2020 soll der Lieferrückstand aufgeholt werden, teilte die SBB weiter mit. Der neue Lieferplan sei Teil eines Gesamtpakets, das die offenen Punkte zur bisher entstandenen Verzögerung kläre. Im Rahmen der Vereinbarung akzeptiere die SBB von Bombardier drei zusätzliche kostenlose Züge sowie Ersatzteile unter der Bedingung, dass die Qualität der Testzüge im Frühling 2015 die Anforderungen der SBB erfüllten.

Lieber später als schlecht

Die SBB habe den neu vorgelegten, verbindlichen Lieferplan zur Kenntnis genommen. Sie wolle qualitativ hochstehende Züge, deshalb müsse sie rund ein weiteres Jahr Verzögerung bis zum Einsatz der ersten Züge akzeptieren. Auf den künftigen Fahrplan habe die bisher entstandene Verzögerung aber keinen Einfluss.

Im April 2012 war bekannt geworden, dass das Projekt rund zwei Jahre verspätet ist – unter anderem aufgrund von Problemen bei der Konstruktion des Wagenkastens. Bombardier habe sich verpflichtet, den Rückstand von bisher insgesamt drei Jahren aufzuholen und die neu 62 Züge wie ursprünglich geplant bis 2020 abzuliefern. Im Dezember 2014 werde gemäss Bombardier im deutschen Henningsdorf der erste Zug zusammengestellt, im Februar 2015 folge der zweite Testzug in Villeneuve (VD).

Die SBB werde im Frühling 2015 die Qualität der Testzüge analysieren und erwarte eine erfolgreiche Inbetriebsetzung. Sofern die Produktion, die Tests und die Übernahme erfolgreich verliefen, könnten die ersten Züge ab 2017 eingesetzt werden. Die SBB werde keine Versuche mit noch nicht ausgereiften Fahrzeugen an Kundinnen und Kunden in Kauf nehmen, heisst es weiter.

Keine Angaben zur Höhe der Entschädigung

Die getroffene Vereinbarung gilt denn laut SBB auch unter der Bedingung, dass die Testzüge von Bombardier im Frühling 2015 die Qualitätskriterien der SBB erfüllen. Andernfalls würde die Einigung hinfällig. Die Entschädigungen für nicht termingerechte Lieferung seien Bestandteil des Verhandlungsergebnisses. Zu den Details der Vereinbarung sei Stillschweigen vereinbart worden.

Die Bestellung der ursprünglich 59 Doppelstockzüge für 1,9 Milliarden Franken wurde bei der Vergabe 2010 als grösster Auftrag in der Geschichte der SBB bezeichnet. Es geht um 436 Wagen mit über 36'000 Sitzplätzen. Der kanadische Konzern hatte sich gegen die Mitkonkurrenten Stadler Rail und die deutsche Siemens mit dem billigsten Angebot durchgesetzt.

Streit zwischen SBB und Bombardier

Für Aufsehen sorgte Anfang Jahr eine Forderung von 326 Millionen Franken von Bombardier an die SBB, die in einem Briefwechsel in Aussicht gestellt worden war. Bombardier schob damals der SBB die Schuld für die Verspätungen in die Schuhe. Die SBB habe durch Einmischen in das Projekt zu den Lieferverzögerungen beigetragen. Die SBB wies diese Darstellung zurück.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    "Lo barato sale caro." Etwa: "Das Billige kommt teuer.“ Eine hiesige Weisheit, welche partout selten befolgt wird. Qualität kostet, was aber nicht heisst, dass das Billigste immer das schlechteste und das Teuerste am besten ist. Gerade bei grossen Anschaffungen, macht jeder Ottonormalverbraucher (ausser Schnäppchenjäger) Evaluationen. Vergleicht Preis/Leistung, Hersteller und Verarbeitung. Hier wird es immer schwieriger, etwas mehr Geld für etwas besseres auszulegen. China dominiert zunehmend.
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  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    Nie mehr Bombardier! Gute Züge kauft man bei StadlerRail: Vielleicht etwas teurer, aber ehrlich gerechnet!
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  • Kommentar von Werner Suter, Bottmingen
    WTO! Schaut bitte nach was das ist. Hr. Spuhler kennt die WTO und zwar sehr gut! Aber nicht alle Leser hier. Keine Ahnung von nichts! Hauptsache gegen alles ausländische poltern ohne ansatzweise eine Ahnung über die Thematik zu haben! Traurig!
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Hehehe, nur nicht so hyperventilieren, Herr Suter!. Hierzulande herrscht immer noch die freie Meinungsäusserung. Deshalb MEINE ICH, dass staatliche Bauvorhaben auch im Land der Steuerzahlenden vergeben werden müssten. Es kann doch nicht sein, dass wir einen Bombardier finanzieren, dessen Einnahmen dann in die kanadische Kasse wandern. Das hat mit Ausländerfeindlichkeit nichts zu tun, wohl aber mit dem gesunden Menschenverstand.
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