Welt gedenkt der Opfer des Holocausts

Auf Veranstaltungen haben Tausende Menschen der ermordeten Juden des Naziregimes gedacht. Bundespräsident Ueli Maurer würdigte die Rolle der Schweiz als rettende Insel für viele Juden. Doch nicht alle teilen diese unkritische Sicht.

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Selbstlob statt Selbstkritik – Ueli Maurers Worte zum Holocaust.

1:17 min, aus Tagesschau vom 27.1.2013

In seiner Botschaft erinnerte Ueli Maurer an das unfassbare Leid der Juden. Die Schweiz sieht er als leuchtendes Beispiel, welche vielen Menschen das Leben gerettet hat.

Kritische Worte fehlen dagegen. «Bei so viel Selbstlob hätte man auch ein Wort der Selbstkritik und der Trauer erwartet – über die Flüchtlingspolitik und deren Opfer», so Hanspeter Forster. Ein wenig souveräner Umgang mit der eigenen Geschichte sei das, findet der Bundeshaus-Redaktor.

Auschwitz als Symbol für Völkermord

Auch in zahlreichen Ländern ist der Millionen Opfer des Holocausts gedacht worden. Im polnischen Auschwitz, dem seinerzeit grössten der nationalsozialistischen Vernichtungslager, versammelten sich Überlebende, Politiker und Jugendliche.

«Auschwitz ist der schrecklichste Ort in der Geschichte», sagte der israelische Botschafter in Polen, Zvi Raf-Ner, vor der sogenannten Todeswand. Hier waren Tausende Häftlinge erschossen worden. Er rief dazu auf, nicht nur der Ermordeten zu gedenken, sondern auch der Helfer, die oft unter Einsatz des eigenen Lebens Juden gerettet hatten.

Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Soldaten der Roten Armee hatten das Lager am 27. Januar 1945 befreit.

«Jeder kann einen Beitrag gegen Antisemitismus leisten»

Schätzungen zufolge wurden allein dort etwa 1,3 Millionen Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden aus Polen und aus den von Deutschland besetzten Staaten Europas.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel betonte die «immerwährende Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus». «Mit Mut, Zivilcourage kann auch jeder Einzelne einen Beitrag dazu leisten, dass Rassismus und Antisemitismus keine Chance haben», sagte sie in einer Videobotschaft.

Stilles Gedenken und Kranzniederlegung

In Berlin gab es am Nachmittag ein stilles Gedenken am Holocaust-Mahnmal sowie an der Gedenkstätte für die ermordeten Sinti und Roma. Zuvor war bei einer Veranstaltung des Lesben- und Schwulenverbandes bereits der im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gedacht worden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit betonte, dem «unmenschlichen Vernichtungswillen» der Nationalsozialisten seien viele Millionen Menschen zum Opfer gefallen. «Indem Berlin in diesem Jahr der Zerstörung der Vielfalt gedenkt, widmen wir uns ganz besonders diesen Menschen.»

Ungarn: Ministerpräsident mit klaren Worten

In Ungarn, von wo aus im Frühjahr 1944 rund 600'000 Juden nach Auschwitz deportiert worden waren, überraschte der rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orban mit einer Botschaft. In seinem Land solle es niemals mehr vorkommen, dass jemand wegen seiner Herkunft oder Religion benachteiligt oder gedemütigt werde, sagte er.

«Die Regierung schützt jeden Bürger des Landes und verurteilt jede Form von Antisemitismus.» Ungarn war zuletzt mehrfach in Verruf geraten, weil Politiker der rechtsextremen Parlamentspartei Jobbik (Die Besseren) sich offen antisemitisch geäussert hatten.