Weniger Antibiotika für gesündere Tiere und Menschen

Erhalten Tiere Antibiotika, können Rückstände in Fleisch und Milch auftreten und durch deren Konsum auch Menschen gefährden. Zudem sind Krankheitserreger immer häufiger gegen Antibiotika resistent. Der Bund setzt deshalb auf Impfungen, damit die Tiere gar nicht erst erkranken.

ein Tierarzt bereitet eine Spritze für eine Kuh vor Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gewisse Keime sind schon gegen Antibiotika ressistent. Keystone/Archiv

Der Zuchtlachs im hohen Norden zeige es: Impfen nütze, sagt Markus Hardegger vom Bundesamt für Landwirtschaft. «Bei der Lachsproduktion werden die jungen Tiere geimpft und das führt zu einer Reduktion des Antibiotikaverbrauchs von über 90 Prozent.»

50 Tonnen Antibiotika

In der Schweiz wurden 2013 mehr als 50 Tonnen Antibiotika Tieren verabreicht. Das sei zu viel, findet man beim Bund. Nicht zuletzt, weil Antibiotika-resistente Keime durch das Essen von Fleisch in den menschlichen Körper gelangen könnten. Deshalb schlägt der Bund in seiner kürzlich veröffentlichten Strategie gegen Antibiotika-Resistenzen vor, Tiere vermehrt zu impfen.

Derzeit sei dies erst eine Absicht, denn es stellten sich noch viele Fragen, sagt Markus Hardegger. Zum Beispiel welche Impfungen für welches Tier gut sei. Und: «Wie kann man diese Impfungen umsetzen? Es stelle sich auch die Frage, ob man Impfungen für Tiere über Anreize förden müsste, um die Bauern von den Vorteilen des Impfens zu überzeugen.

Legehennen werden geimpft

Beim Bauernverband gibt man sich auf Anfrage offen. Die Strategie des Bundes gegen Antibiotika-Resistenzen unterstütze man im Grundsatz. Sollten konkrete Impfweisungen erteilt werden, würde man dann dazu Stellung beziehen. Schon jetzt sind viele Bauern bereit, ihre Tiere impfen zu lassen.

Dagmar Heim vom Bundesamt für Veterinärwesen sagt dazu: «Bei den Nutztieren wird vor allem bei den Legehennen viel geimpft. Auch Schweine und Pferde werden geimpft, und Kälber.»

Gerade bei den Kälbern kann es ohne Impfung Probleme geben: So wechseln Mastkälber nach der Geburt den Stall. Dort, im Mastbetrieb, treffen Tiere aus verschiedensten Ställen mit verschiedenen Keimen aufeinander. Die Tiere können erkranken. Man müsste deshalb bereits die trächtige Mutterkuh impfen, sagt Dagmar Heim.

Nicht teurer als Behandlung

Die Impfungen werden von Tierärzten vorgenommen. Einer von ihnen ist Christoph Kiefer. Der Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen- und Tierärzte sagt, oft höre er von den Bauern, Impfen sei halt teuer. Doch: «Wenn wir die Gesamtrechnung machen, ist eine Impfung sicher nicht teurer als eine eventuelle Behandlung kranker Tiere.»

Viele Tierärzte und Bauern hätten das Problem erkannt. So werde seit 2008 in der Tiermedizin ein Viertel weniger Antibiotika verbraucht.

Die nationale Strategie gegen Antibiotika-Resistenzen, zu der auch alle Fragen rund um Impfungen gehören, ist nun in der Anhörung. Kantonsvertreter und interessierte Kreise wie Tierärzte und Bauern können dem Bund bis Mitte März ihre Meinung dazu mitteilen. Bis Ende Jahr soll dann die definitive, vom Bundesrat verabschiedete Fassung vorliegen.