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Schweiz Weniger Steuerabzüge: Kantone nehmen Pendler ins Visier

Immer mehr Kantone planen, die Pendler für ihre Auslagen nicht mehr so grosszügig zu entschädigen. Der Abzug soll maximal noch 3000 Franken betragen. Die Kantone wittern nach dem Ja zur Fabi-Vorlage neue Einnahmequellen.

Legende: Video «Widerstand gegen Pendlerabzug» abspielen. Laufzeit 1:32 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 01.11.2014.

Am 9. Februar hat das Stimmvolk der Bahn­finanzierungs-Vorlage Fabi zugestimmt. Im Wissen darum, dass damit der Pendlerabzug bei der direkten Bundessteuer auf 3000 Franken beschränkt werden soll – was 200 Millionen Franken in die Bundeskasse spült.

Legende: Video «Steuererklärung: So funktioniert die Reduktion» abspielen. Laufzeit 0:15 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 01.11.2014.

Für den Steuerzahler heisst das konkret: Bei den Berufsauslagen in der Steuererklärung werden die Fahrkosten gedeckelt. Bisher gab es keine Grenze nach oben. Wegkosten mit dem Auto oder der Bahn müssen ab 2016 auf einen Maximalbetrag von 3000 Franken reduziert werden (siehe Video links).

Kantone ziehen nach

Jetzt wittern auch viele Kantone eine neue Einnahmequelle. Die Regelung auf Bundesebene stellt es nämlich den Kantonen frei, den Pendlerabzug in ihrer Einkommensteuer ebenfalls zu begrenzen. Die Kantone Bern, Aargau, Luzern, St.Gallen Solothurn und zuletzt Zürich haben bereits erste Schritte eingeleitet.

Der erwartete Widerstand lässt nicht auf sich warten. «Es trifft die Falschen», sagt Alfred Heer vom Bund der Steuerzahler. «Das ist eine Steuererhöhung für den Mittelstand. Es ist nicht in Ordnung, dass diese jetzt massiv mehr zur Kasse gebeten werden.» Heer will in allen Kantonen, die eine Reduzierung der Pendlerabzüge vorsehen, Referenden ergreifen und Volksabstimmungen erzwingen.

Finanzdirektoren für Abzüge

Die Finanzdirektoren hingegen befürworten eine Prüfung der Pendlerabzüge. Durch den Ausbau der Eisenbahn werden die Kantonskassen belastet – die Finanzlage ist vielerorts schon arg angespannt. «Die Kantone sind über Fabi verpflichtet, einen Teil der Infrastruktur mitzufinanzieren», sagt Peter Hegglin, Präsident von der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren. «Deshalb ist es folgerichtig, dass sich die Kantone überlegen, die Pendlerabzüge zu beschränken.»

Aug Bundesebene tritt die Regelung 2016 in Kraft. In den meisten Kantonen wird der Pendlerabzug geprüft – bis zur konkreten Planung ist es aber noch ein weiter Weg.

34 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Das ist eine Verletzung von Treu + Glauben. Zuerst hat man die Schweizer gezwungen, wenn sie arbeitslos wurden, dass sie Reisezeiten von bis zu 2 Stunden in Kauf nehmen m ü s s e n um einen Job zu ergattern. Heute hat man sich damit abgefunden + sich so organisiert, dass das Leben trotzdem funktioniert. Man erledigt Telefon, Korrespondenz, Einzahlungen, Bücher lesen usw unterwegs, um sich nach der Heimkehr wieder Freunden +Familie widmen zu können. Jetzt dieser Hammer-wo sind wir eigentlich?
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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Es reicht. Diese Fabi Vorlage war nur Lug und Betrug. Wir werden von allen seiten immer mehr Verarscht. Tun können wir gar nichts dagegen. Ich fühle mich Belogen und Betrogen. Und wer hatte und davor gewarnt? Und wer hatte tortzdem Ja gesummen? Nun, Dank den Ja sagern sind nun alle betroffen. Ich hoffe ihr Ja sager werden schlauer beim nächsten mal und prüft vorher was euch eure Parteien das blaue vom Himmel versprechen.
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    1. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Wenn die Mehrheit etwas bestimmt, gilt das für alle. Das ist doch der Sinn der Demokratie. Und übrigens wäre es vernünftig, nicht auf Parteien zu hören...man kann auch selber nachdenken und abstimmen, da brauchts keine Parteien!!
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Um klar zu machen ich bin kein Pendler - Nun zum Thema gerne Partei ergreife für die Pendler. Jahrelang rief man nach Beweglichkeit - nun ist der Bürger beweglich geworden, schon langt die faule Hand in den Geldbeutel der Mehrfachsteuerzahler . Der Staat zockt von Pendler überall ab am Benzin , am Auto , an der Versicherung , am Lohn , am Haus ( Wohnung ) sofern er eines besitzt ,an den Gebühren Strom, Wasser, Lebensmittel etc. etc. Also ernährt der Büezer heute alle Staatsdiener ( jeder 4.).
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    1. Antwort von Toni Huber, Wil
      M.Kaiser, um eins klar zu stellen, ich bin KEIN Staatsdiener! Nun zu ihrem Pauschalanwurf. Jahrelang haben die Büezer den Rachen nicht voll bekommen und begannen für ein paar Fränkli mehr, zu pendeln. Ja, es gehörte auch zum guten Ton, sagen zu können: Ich arbeite in Zürich City. Falsche Steueranreize und die Gier führen zu dieser «Arbeitsplatznomadisierung». Jetzt beklagt man überfüllte Strassen und Züge. Arbeiten sie an ihrem Wohnort und sie tun noch etwas für die Umwelt, so einfach ist das!
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