«Wenn der Bund mehr Medizin-Studienplätze will, muss er zahlen»

Wenn der Bundesrat mehr Studienplätze für Medizinstudierende will, muss jetzt der Bund bezahlen. Das sagt Antonio Loprieno, der Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten und Rektor der Universität Basel. Die Kantone hätten ihre Arbeit getan.

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Bildlegende: Neue Ärztinnen und Ärzte braucht das Land. Keystone/Archiv

In der Schweiz sollen mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Das ist aus Sicht der Bundesrates eines der Mittel, um dem Ärztemangel in der Schweiz zu begegnen. Nach Ansicht der Bundesrates dürfte sich dieser Mangel verschärfen, wenn die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt wird.

Positives Signal der Universitäten

Für den Präsidenten der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten und Rektor der Universität Basel, Antonio Loprieno, spricht einiges für die Idee des Bundesrates: «Mehr Mediziner in der Schweiz auszubilden, kann durchaus Sinn machen.»

Gleichzeitig betont Loprieno, dass die Universitäten schon jetzt die Zahl der Studienplätze von sich aus erhöht hätten, und zwar um 20 bis 30 Prozent. Allein im Kanton Zürich seien im vergangenen Jahr 100 zusätzliche Studienplätze für Medizin geschaffen worden.

«Diese zusätzlichen Stellen haben die Universitäten autonom, das heisst mit kantonalen Geldern geschaffen», erklärt Antonio Loprieno, der als Rektor der Universität Basel direkt bei seinem Kanton involviert war. «Die Kantone haben ihre Aufgabe gemacht».

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Bildlegende: Die Universitäten seien auf gutem Weg, sagt Antonio Loprieno. Keystone/Archiv

Der Bund ist gefordert

Um die medizinische Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung langfristig sicherzustellen, sind laut Experten rund 1300 Abschlüsse pro Jahr notwendig. Diesem Wert hätten sich die Universitäten angenähert, erreicht sei er noch nicht.

Nachdem die Kantone ihren finanziellen Beitrag geleistet haben, ist für den Präsidenten der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten daher klar: «Wenn noch mehr Mediziner ausgebildet werden sollen, dann muss jetzt der Bund bezahlen.»

Gespannt ist Universitätsprofessor Loprieno konkret auf die Bildungsbotschaft 2017 des Bundes. In diesem Dokument sollten zusätzliche Gelder gesprochen werden für die Schaffung von zusätzlichen Medizinstudienplätzen. Die Kantone ihrerseits zeigten sich im Bezug auf diese Ankündigung in früheren Stellungnahmen jedoch skeptisch.

«  Der Ball liegt nun beim Bund »

Antonio Loprieno
Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten

Numerus clausus bleibt

Nicht rütteln wollen die Deutschschweizer Universitäten am Numerus clausus. Es handle sich dabei um einen Eignungstest, bei dem die erfolgversprechendsten Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. «Wenn mehr Studienstellen geschaffen werden, dann kommen einfach mehr Studienanwärter durch.» Die Zahlen gäben den Universitäten recht, so Loprieno. Wer den Numerus clausus schaffe, habe eine 80prozentige Wahrscheinlichkeit, das Medizinstudium erfolgreich abzuschliessen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative

    Aus Tagesschau vom 11.2.2015

    Der Bundesrat hat seine Vorschläge für die Umsetzung der Masseneinwanderungs-initiative präsentiert: Sie halten sich an die bereits bekannt gegebenen Eckwerte: Kontingentierung, Inländervorrang und Massnahmen zur Aktivierung des inländischen Arbeitskräftepotenzials. Einschätzungen von Christoph Nufer in Bern.