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Wenn eine Person verschwindet Von vermisst zu verschollen – für Angehörige eine Herausforderung

Aus rechtlichen Gründen müssen Angehörige zuweilen eine Person für verschollen erklären lassen, von der sie eigentlich hoffen, dass sie noch lebt.

Edith Trittenbass aus Gass-Wetzikon TG gilt seit 2019 als verschollen – das Bezirksgericht Frauenfeld bestätigt das auf Anfrage. Von der damals Achtjährigen fehlt seit 1986 jede Spur.

Vermisst seit 1986: Der Cold Case Edith Trittenbass

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Am 3. Mai 1986 verschwindet die achtjährige Edith Trittenbass auf dem Schulweg im thurgauischen Wetzikon. Eine Nachbarin sieht sie zuletzt kurz nach acht Uhr in Richtung Schulhaus gehen – dort kommt sie nie an.

Die Suche läuft sofort auf Hochtouren: Über 100 Polizisten und private Helfer durchkämmen die Gegend, das Mädchen wird international ausgeschrieben, eine Belohnung ausgesetzt und der Fall in «Aktenzeichen XY ungelöst» behandelt. Ohne Ergebnis.

Im Zuge der Ermittlungen rückt auch der bekannte Sexualstraftäter Werner Ferrari in den Fokus. Er wird befragt, kann jedoch ein (wenn auch unsicheres) Alibi angeben und wird wieder freigelassen. Weitere vertiefte Abklärungen unterbleiben.

Edith Trittenbass bleibt spurlos verschwunden – bis heute.

Auch Erwachsene verschwinden manchmal, ohne dass ihr Schicksal geklärt wird. Sie kehren von einer Wanderung nicht zurück, schreiben einen Abschiedsbrief und tauchen nicht mehr auf, oder verlassen heimlich die Demenzstation und finden nicht zurück.

Gerade bei möglichen Verbrechen und Unfällen ist es vielen Angehörigen ein Anliegen, dass die Polizei nicht aufgibt und weiter nach den Vermissten sucht. Für Hinweise zur Klärung des Vermisstenfalls Edith sind noch immer 20'000 Franken Belohnung ausgesetzt.

Tote erben nicht – Vermisste schon

Nach der Vermissten suchen und gleichzeitig ein Ver­schollen­heits­erklärungs­gesuch stellen – ein Widerspruch? Nein. Die Angehörigen haben in gewissen Situationen kaum eine andere Wahl.

Kind lächelt in die Kamera, trägt ein bedrucktes T-Shirt und steht vor einem Gebäude mit Blumen.
Legende: Edith Trittenbass wuchs auf einem Bauernhof im Kanton Thurgau auf. KEYSTONE/Str

2018 ist Ediths Vater verstorben. Auch eine vermisste Tochter ist grundsätzlich erbberechtigt. Das stellt andere Erben – etwa die Mutter oder Geschwister – vor Probleme. Manchmal gehören zu einer Erbmasse auch Immobilien oder Betriebe.

Die Behörden teilten Edith, «deren Aufenthaltsort nicht bestimmt werden konnte», das Testament öffentlich mit. Gleichzeitig forderten sie die Bevölkerung dazu auf, sich zu melden, wenn sie etwas über Ediths Verbleib wüssten.

Nachdem ein Jahr lang nichts passierte, wurde Edith als verschollen erklärt. Seitdem können Verwandte Rechte geltend machen, wie wenn ihr Tod bewiesen wäre.

Verschollen erklären bringt keine Aufklärung

Rechtlich gibt es also einen Schlusspunkt. Nicht aber psychologisch. Eine Verschollenheitserklärung beantwortet nicht, was passiert ist. Doch genau das möchten viele Angehörige gerne wissen.

Cornelia Müller hat vor drei Jahren einen Verein gegründet, der mit Hunden nach Vermissten sucht. Aus Erfahrung sagt sie: «Bei Angehörigen bleibt häufig noch ein Fünkchen Hoffnung, die Person könne noch am Leben sein – auch dann, wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist.»

Spürhunde im Einsatz: So arbeitet SOS Vermisstensuche

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Zwei Personen in gelben Westen mit einem Hund neben einem Warnschild im Freien.
Legende: zVg

Cornelia Müller gründete den Verein 2023 zusammen mit einer Freundin. Ziel ist es, mit Freiwilligen und ihren Spürhunden nach Vermissten zu suchen.

Aufgeboten werden kann der Verein von allen – von Privatpersonen bis zu Institutionen wie Altersheimen –, die eine Person vermissen. Die Einsätze sind kostenlos; finanziert wird die Arbeit durch Spenden sowie das Engagement der Freiwilligen.

Entscheidend ist die Zeit: Wird jemand vermisst, sollten der Verein und die Polizei möglichst schnell informiert werden. Denn je früher die Hunde eingesetzt werden, desto grösser ist die Chance, die Person lebend zu finden.

Quelle: SOS-VERMISSTENSUCHE.CH

Deshalb rückt der Verein auch dann aus, wenn davon auszugehen ist, dass eine Person nicht mehr lebt. «Für Angehörige ist es wichtig, Abschied nehmen zu können», erklärt Müller. «Dass es eine Endgültigkeit gibt – so schmerzhaft es ist –, aber einen Punkt, an dem man Gewissheit hat.»

Person in gelber Weste führt einen Hund an der Leine zu einer geschlossenen Tür.
Legende: Spürhunde können nachverfolgen, welchen Weg eine Person gegangen ist. zVg

Meistens treffen Müller und ihr Team auf Verstorbene. Zwei Fälle nahmen jedoch einen anderen Verlauf: «Aufgrund des Verhaltens unserer Hunde konnten wir davon ausgehen, dass die Personen jeweils an einer bestimmten Stelle in ein öffentliches Verkehrsmittel eingestiegen waren», sagt Müller. «Die eine wurde in Deutschland gefunden, die andere in Frankreich – lebend!»

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