Zum Inhalt springen

Header

Video
Frauenorganisationen in Parteien vor dem Aus?
Aus Tagesschau vom 24.01.2016.
abspielen. Laufzeit 1 Minute 55 Sekunden.
Inhalt

Schweiz «Wenn Frauen Frauenthemen nicht selber angehen, tut es niemand»

Die Frauenparteien von FDP, CVP und SP denken nicht daran, sich selber abzuschaffen. Genau das plant hingegen die SVP Frauenorganisation auf nationaler Ebene: Frauen müssten mit den Männern diskutieren und nicht separat. Laut einer neuen historischen Untersuchung dürfte das aber kaum funktionieren.

Frauenparteien seien nicht mehr zeitgemäss – das findet zumindest die SVP. Und dies, obwohl es auch aus Sicht der SVP-Frauen noch viel zu tun gibt: «Die Frauenthemen sind überhaupt noch nicht gelöst», sagt Judith Uebersax, Präsidentin der SVP Frauen. Trotzdem war sie es, die der Partei vorgeschlagen hatte: Entweder die nationale Frauengruppe mit finanziellen Mitteln stärken – oder sie abschaffen. Die Parteispitze entschied sich für letzteres.

Uebersax engagiert sich nun für eine Stelle für Familien- und Gesellschaftspolitik innerhalb der Parteileitung. Sie sieht es positiv: «Auf Parteiebene werden die Frauen mehr Einfluss haben und werden auch stärker getragen, weil die Diskussionen in der Gesamtpartei passieren, gemeinsam mit den Männern – und nicht in einem separaten Gremium, wo die Frauen unter sich sind. Ich bin überzeugt, dass auch die anderen Parteien zu diesem Schluss kommen werden.»

Versuch gescheitert

Tatsächlich haben auch schon die anderen Regierungsparteien ihre Frauenorganisationen hinterfragt, wie Fabienne Amlinger, Historikerin und Geschlechterforscherin an der Universität Bern erklärt. «Sowohl in der CVP wie in der SP gab es Versuche, dass sich Frauen und Männer gemeinsam um sogenannte Frauenthemen kümmern, etwa in gemischten Gleichstellungskommissionen.»

Bei CVP wie SP habe dies aber schlicht nicht funktioniert. «Es hat sich in beiden Parteien gezeigt, dass Männer, die anfänglich teilgenommen haben, dann relativ rasch das Interesse verloren haben.» Und dies eben sogar bei der SP, die sich Frauenanliegen selber auf die Fahne schreiben. «Die Quintessenz ist: Wenn sich Frauen nicht darum kümmerten, dann kümmert sich niemand darum», meint Amlinger.

Starke Stimme

Die Frauenorganisationen der anderen Regierungsparteien hingegen denken nicht daran, sich selber abzuschaffen. «Natürlich, man kann über die richtige Form diskutieren», sagt etwa Yvonne Feri, Präsidentin der SP Frauen. Aber der Eindruck bei den Regierungsparteien ist mehrheitlich: Mit einer Frauenpartei im Rücken hat auch die nationale Mutterpartei die stärkere Stimme.

Mehrere Frauen sitzen bei einem Podium vor Mikrofonen, im Vordergrund Babette Sigg von der CVP Frauenpartei
Legende: Frauen werden gehört: Die CVP Frauenpartei hat offenbar schon mehrfach die Parolen der Mutterpartei beeinflusst. SRF

CVP und FDP betonen, dass sie als Frauenparteien ein breiteres Spektrum von potentiellen Mitgliedern ansprechen könnten. «Es melden sich gar Männer, die bei uns mitmachen wollen», sagt FDP-Frauen-Generalsekretärin Claudine Esseiva. Die Präsidentin der CVP Frauen, Babette Sigg, kam selber via die Frauenpartei zur CVP, wie viele andere Frauen. Die CVP-Frauenpartei sei ein wichtiges Einstiegsportal. Frauen würden etwa geschult, vor Publikum aufzutreten. Und sie hätten Erfolg.

Tatsächlich haben gerade die CVP-Frauen wiederholt die Parolen ihrer Mutterpartei beeinflusst. «Die Partei hört auf uns und weiss, dass wir einen Teil der Bevölkerung repräsentieren», so Sigg.

Frauen untervertreten

Dass es auch heute noch sogenannte Frauenthemen gibt, davon ist Historikerin Fabienne Amlinger überzeugt. Sie nennt die Lohnungleichheit oder die Gewalt an Frauen als Beispiele – Themen, die Frauen von links bis rechts beträfen.

Wichtig seien Frauenorganisationen auch zur Förderung der Frauen in der Politik: «Der Frauenanteil im Nationalrat stagniert bei etwa 30 Prozent. Und gerade bei der SVP muss man sehen: Es ist diejenige Regierungspartei mit dem kleinsten Frauenanteil.» Die Abschaffung der nationalen Frauenorganisation der SVP sei darum eine schlechte Nachricht für die vielen SVP-Wählerinnen im Land.

Ob die SVP für ihre Frauen überhaupt eine Vertreterin oder einen Vertreter bestimmen, der oder die in der Parteileitung Frauenpolitik im Rahmen eines Dossiers wie Familien- und Gesellschaftspolitik vertritt, dürfte sich im April zeigen, wenn die neue Parteileitung gewählt wird.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen
  • Kommentar von Tobias Hofer  (Tobias Hofer)
    Gleichstellungspolitik soweit das Auge reicht. Nur nicht in politischen Parteien. Ausser in der Partei, die sich Gleichstellung als einzige nicht riesengross auf die Fahne schreibt... interessant!
  • Kommentar von Benito Boari  (Antoine)
    Zauberformel erneuern: wenn Parteien die 2 Minister stellen, 1 davon weiblich.
    1. Antwort von Tobias Hofer  (Tobias Hofer)
      Super Idee, dazu habe ich einen tollen Ergänzungsvorschlag: Wenn 6 BR-Sitze durch andere Personen als mich besetzt sind fällt der 7. automatisch mir zu. Damit endlich auch die Regierungsbeteiligung für die Minderheit der Unqualifizierten gesichert ist.
    2. Antwort von Benito Boari  (Antoine)
      Sie würde ich auch ohne Ergänzungsvorschlag wählen: Hofer for President!
  • Kommentar von W. Helfer  (W. Helfer)
    Selbstbewusste Frauen u Männer, welche sich für EIN THEMA einsetzen haben auch kein Problem sich an den selben Tisch zu setzen und zu diskutieren (streiten). Es gibt NUR Probleme, wenn man das eigene EGO, statt das eigentliche Thema in den Vordergrund stellt. Das hat nichts mit Mann od. Frau zu tun, sondern mit Charakter.