Weiterentwicklung der Armee «Wenn Rebord über zu wenig Geld jammert, schadet das der Armee»

Ab nächstem Jahr erfindet sich die Schweizer Armee neu. Dafür hat sie drei Jahre Zeit. Reicht dies und macht die Umstellung Sinn? Der Militärexperte Bruno Lezzi nimmt Stellung.

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Bruno Lezzi

Bruno Lezzi in der Sendung «Arena» 2014

Der Schweizer Militärhistoriker und Generalstabsoffizier arbeitete im Eidg. Militärdepartement und später als Sicherheitsexperte für die «Neue Zürcher Zeitung».

Die Weiterführung der Armee (WEA) ist beschlossene Sache. Das Parlament hat das Budget abgesegnet und ein Referendum ist gescheitert. Das heisst, ab 2018 setzt die Armee die beschlossenen Massnahmen um, und bis im Jahr 2021 soll die Umstellung abgeschlossen sein. Der Militärexperte Bruno Lezzi ist «gedämpft optimistisch», dass nach diesen drei Jahren alles so funktioniert, wie es sollte. Für SRF News nimmt er zu den vier grössten Veränderungen Stellung.

Kleinerer Truppenbestand

Die Armee schrumpft. Der Truppenbestand halbiert sich von 200'000 auf 100'000 Armeeangehörige. Zusammen mit der Reserve stehen dem Oberbefehlshaber Guy Parmelin dann noch 140'000 Männer und Frauen zur Verfügung. Das Budget beträgt neu fünf Milliarden, drei für den Betrieb und zwei für Investitionen.

  • Bruno Lezzi: «Die 140'000 sind eine realistische Zahl, wenn man sich das Budget ansieht. Klar, das ist nicht mehr die Armee des Kalten Krieges. Die Territorialverteidigung steht aber auch nicht mehr im Vordergrund, heute geht es vor allem um die Unterstützung der zivilen Behörden in schwierigen Lagen.»

Schnellere Mobilmachung

Die Truppen sollen mit der WEA schneller einsatzbereit sein. Das Ziel: Im Krisenfall müssen innerhalb von einem bis drei Tagen 8000 Armeeangehörige voll ausgerüstet im Einsatz stehen. Nach zehn Tagen sollten es dann 35'000 sein.

  • Bruno Lezzi: «Dies ist natürlich ein ehrgeiziges Ziel. Mittlerweile ist viel Wissen über die schnelle Mobilmachung abhandengekommen. Während dem Kalten Krieg verfügte die Armee dafür über ein ausgefeiltes System. Das Know-How der ganzen Abläufe ging jedoch verloren. Nach dem Mauerfall war das nicht mehr nötig. Jetzt ist es aber wieder wichtiger geworden.»
Schweizer Soldaten auf einer Landstrasse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ab 2018 wird der Truppenbestand der Schweizer Armee halbiert. Keystone

Längere Kaderausbildung

Offiziere und Unteroffiziere durchlaufen wieder die gesamten 18 Wochen der Rekrutenschule. Ganz zurück zum ehemaligen Armee-61-System geht’s aber nicht, Offiziersschüler müssen nach der Rekrutenschule nur den letzten Dienstgrad der Ausbildung vollständig abverdienen. Ein angehender Leutnant erwirbt die Unteroffiziersränge nach wie vor in einem Schnelldurchlauf.

  • Bruno Lezzi: «Hier darf man nicht scheitern! Mit der reduzierten Kaderausbildung der Armee 21 hat man einfach keine führungserfahrenen Leute mehr. Deshalb ist bei der Ausbildung eine Anpassung dringend nötig. Es macht Sinn, dass die Offiziere und Unteroffiziere ihre Tage vollständig abverdienen. Wichtig ist auch, dass die Wiederholungskurse nicht mehr als Leerlauf angesehen werden.»

Komplette Ausrüstung

Die Ausrüstung wird modernisiert und ergänzt. Bis jetzt schiebt die Armee gewisses Material hin und her, da es nicht überall vollständig vorhanden ist. Das soll sich mit der Verkleinerung des Truppenbestands ändern. Neu soll jeder Verband vollständig ausgerüstet werden.

  • Bruno Lezzi: «Auch dies ist ein Punkt, der Sinn macht. Ob das Geld für die zusätzlichen Beschaffungen reicht, wird sich zeigen. Philippe Rebord, der Chef der Armee, muss den gegebenen Finanzrahmen jedoch akzeptieren. Es schadet dem Vertrauen in die Armee, wenn er jammert, dass das Geld nicht reicht