Wenn Subunternehmerketten die Löhne drücken

Laut einem Bericht des Seco halten sich die Verletzungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Schweiz in Grenzen. Bei ausländischen Firmen sei das Lohndumping aber dennoch ein grosses Problem, sagt der Berner Arbeitsmarktkontrolleur.

Halten hiesige Betriebe und ausländische Firmen die Schweizer Lohn- und Arbeitsbedingungen ein? Die Antwort: Ja, mehrheitlich sei das der Fall erklärt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in seinem jüngsten Bericht. Doch trotz vermehrter Kontrollen geht die Zahl der Verstösse insgesamt nicht zurück.

Zusatzinhalt überspringen

Stefan Hirt

Hirt über den Laptop gebeugt, zwei Männer neben ihm.

swissinfo

Stefan Hirt (Mitte) ist Chefinspektor der Arbeitsmarktkontrolle Bern. An zwei bis drei Tagen in der Woche arbeitet er an der Front, kontrolliert mit seinen Leuten Betriebe und Selbständige vor Ort.

SRF News: Ist Lohndumping das grösste Vergehen, auf das sie bei Ihren Kontrollen stossen?

Stefan Hirt: Ja, bei den ausländischen Firmen ist es tatsächlich das Lohndumping.

Wie stellen Sie das fest?

Wir machen eine Befragung der angetroffenen Arbeitnehmer. Das geht von den Personalien bis zu den Lohn- und Arbeitsbedingungen: Wir wollen den Lohn erfahren, ob es einen 13. Monatslohn gibt, wie viele Ferien oder Feiertagsentschädigungen die Leute erhalten. Und auch ob die Spesen – Übernachtungen und so weiter – nach dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geregelt sind.

Wie können Sie sicher sein, dass die Leute Ihnen auch die Wahrheit sagen?

Am Platz können wir das nicht. Die Arbeitnehmer müssen zwar den Rapport vor Ort elektronisch unterschreiben. Im Nachgang werden wir aber die kontrollierten Firmen anschreiben und ergänzende Unterlagen einfordern.

Gibt es dabei Probleme mit ausländischen Firmen?

In der Regel kommen diese Unterlagen fast vollständig zu uns. Ich muss dazu aber sagen, dass wir als Arbeitsmarktkontrolle Bern einzig die Kontrollen durchführen. Die Beurteilung und eine eventuelle Sanktionierung nehmen unsere Partner vor.

Gibt es denn nicht auch Schlupflöcher für Firmen, die sich nicht an die Regeln halten?

Es gibt sicher welche, die es versuchen, etwa indem sie uns nicht die richtigen Unterlagen zusenden oder diese zum Teil gefälscht werden. Aber das ist nur eine Minderheit.

In der Baubranche gibt es viele Subunternehmer, die ihre Aufträge von Generalunternehmen erhalten. Herrscht da Transparenz, wer was macht?

Das wird immer schwieriger. Wir stellen fest, dass ein Generalunternehmen einen Auftrag bekommt. Es gibt ihn an den ersten Subunternehmer weiter, der einem nächsten, und so weiter und so fort. Wir haben Subunternehmerketten von drei, vier Firmen. Am Schluss weiss der Bauherr, der Auftraggeber, nicht mehr, wer auf dem Platz die Bauarbeiten durchführt. Jede Firma will einen gewissen Ansatz verdienen. Und der Druck auf die Arbeitsbedingungen wird so gross, dass vielerorts kriminelle Energien ins Spiel kommen. Das ist ein grosses und immer grösser werdendes Problem.

Fühlen Sie sich dabei manchmal machtlos?

Ja, das ist tatsächlich so. Wir fühlen uns vor allem von den Bauherrschaften und den Generalunternehmungen nicht ernst genommen, weil sie die geschilderten Vorgehensweisen bagatellisieren. Sie sagen, «das ist schon nicht so schlimm».

Das Gespräch führte Peter Maurer.