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Nachfolge Didier Burkhalter Wer früh ins Spiel kommt, ist oft schnell wieder raus

Wer Bundesrat werden will, sollte sein Interesse nicht zu früh anmelden – und sich schon gar nicht selber ins Spiel bringen. Die ungeschriebenen Spielregeln der Bundesratswahl.

Bundesrat Burkhalter schwört bei seiner Vereidigung mit erhobener Hand
Legende: Wer es bis zum Bundesrats-Schwur schaffen will, muss andere für sich weibeln lassen. Keystone
  • Wer sich früh als Kandidat outet, läuft eher Gefahr, von den Medien gescannt zu werden.
  • Frühe Kandidaturen in Eigenregie werden in den Parteien ungern gesehen.
  • Werbung in eigener Sache ist tabu – dies ist Sache der Parteikollegen.

Mehr als drei Monate dauert es noch, bis der Nachfolger von Bundesrat Didier Burkhalter gewählt wird. Eine lange Zeit, in der noch so mancher Bewerber auf das Kandidatenkarussell aufspringen oder von diesem herunter geschleudert werden kann.

Wer als erster durch die Medien geschleppt wird, wird von diesen genauer auf Leichen im Keller geprüft.
Autor: Silvano MoeckliPolitikwissenschaftler

Wer zu früh aufsitzt, läuft eher Gefahr, abgeworfen zu werden: Dies sagt Silvano Moeckli, emeritierter Politikwissenschafts-Professor. Er kommentierte von 2003 bis 2015 die Bundesratswahlen für Radio SRF.

Vorsicht vor dem Sommerloch

«Wer als erster durch die Medien geschleppt wird, wird von diesen genauer auf Leichen im Keller geprüft als jene Kandidaten, die später ins Rennen einsteigen.» In der Zeit bis zur Ersatzwahl am 20. September liege das Sommerloch, welches die Medien gerne mit Eigenrecherchen füllen. Diese hätten in der Geschichte der Bundesratswahlen immer wieder eine entscheidende Rolle gespielt, sagt Moeckli. Jüngstes Beispiel sei Bruno Zuppiger, der 2011 als Kandidat scheiterte. Die Presse machte bekannt, dass er Geld veruntreut hatte.

Andere müssen nominieren

Empirische Untersuchungen, was eine erfolgreiche Bundesrats-Kandidatur ausmacht, gibt es nicht. Eine Regel gilt aber mit grosser Sicherheit: Es ist nicht gut, sich selber als Kandidat ins Spiel zu bringen.

Wer über die Medien vorprescht, macht sich unbeliebt.
Autor: Silvano MoeckliPolitikwissenschaftler

In der Schweiz sei es ein ungeschriebenes Gesetz, dass Dritte einen Kandidaten als solchen benennen müssen, so Silvano Moeckli. «Wer über die Medien vorprescht, macht sich innerhalb der Partei unbeliebt.» Sich selber zu inszenieren, werde in der Schweiz als rüpelhaft und angeberisch interpretiert. «Wer seinen Kopf zu hoch heraus streckt, verliert ihn.»

Viele Wege führen zum Wahlsieg

Für die aktuelle Ersatzwahl wird von Beginn an der Tessiner Ignazio Cassis als grosser Favorit gehandelt. Wird dies für ihn zum Nachteil? «Es gibt auch Beispiele, in denen frühe Favoriten bis in den Bundesrat durchmarschiert sind. Etwa Doris Leuthard», erklärt Silvano Moeckli. Andere Wahlgewinner seien erst sehr spät eingestiegen. «So hat Ueli Maurer lange gesagt, er stehe nicht zur Verfügung – und ist dann doch Bundesrat geworden.»

Kollegen machen den Wahlkampf

Politikwissenschafts-Professor Georg Lutz von der Universität Lausanne bezeichnet eine Bundesratswahl als leicht grotesk: «Man bewirbt sich fürs höchste Amt im Land, darf aber keinen Wahlkampf machen.» Eine wichtige Regel sei, sich ans Prozedere zu halten und nicht über die Medien seine Parteikollegen mit Ankündigungen zu überraschen.

Es ist leicht grotesk: Man bewirbt sich fürs höchste Amt im Land, darf aber keinen Wahlkampf machen.
Autor: Georg LutzPolitikwissenschaftler Uni Lausanne

Alle Kandidaten müssen erst die Nominierung durch die Kantonalpartei schaffen, danach dasselbe durch die Partei-Fraktion auf nationaler Ebene. In einer dritten Phase gilt es, auch bei den Parlamentariern der anderen Partien ins Gespräch zu kommen. Und dies gelingt nur über gute Beziehungen zu den eigenen Parteikollegen. «Denn es sind die Kollegen, die für einen Kandidaten im Bundeshaus weibeln gehen.»

Einsames Abwarten

Laut Lutz braucht ein Kandidat vor allem viel Geduld. In der Phase vor der Bundesratswahl fühlten sich die Kandidaten oft seltsam alleine. «Die anderen Parlamentarier gehen eher auf Distanz und es gibt viel leere Wartezeit.» Wichtig sei, anstehende Interview-Termine souverän zu meistern und sich gezielt auf die Hearings der anderen Parteien vorzubereiten. «Denn gewählt wird der Bundesrat am Ende nicht vom Volk oder von den Medien. Gewählt wird er von den 246 Parlamentariern.»

Es gibt viel leere Wartezeit.
Autor: Georg LutzPolitikwissenschaftler Uni Lausanne

Letztendlich können auch die Profis keinen Ausgang prognostizieren. Silvano Moeckli: «Eine Bundesratswahl ist ein Prozess, den niemand alleine lenken kann.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Und warum eigentlich zu 80% aktive Parlementarier? Die machen die Gesetze, haben also in der Ausführung keine Erfahrung, was sich an unserem aktuellen Bundesrat sehr schön zeigt. Nicht wirklich gewandt in der Exekutive.
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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    und gierig ergreift die heutige SRF- Arena das Thema, obwohl noch viel zu früh und ohne jede Bedeutung. Aber aufgeregt und ungefragt wird man sich gegenseitig stereotype Meinungen um die Ohren hauen. Fernsehen macht "Lebendige Demokratie" erlebbar...
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  • Kommentar von Werner Meyer (HaWe)
    Zu diesen Kommentaren passt der alte Ausdruck : wer als Papst in die Klausur geht, kommt als Kardinal heraus! und wer ein wenig in den "Bundesratswahlgeschichten" stöbert, oder sich erinnert, kann das nur beststätigen.
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