Hotellerie in der Schweiz Wider das Jammern: Neue Konzepte junger Hoteliers

Die Schweizer Hotellerie steht vor einem grossen Umbruch: starker Franken, Fachkräfte-Mangel und neue Konkurrenz durch Airbnb. All das treibt viele Betriebe in den Ruin, gerade in Bergregionen. Während ältere Hoteliers oft guten, alten Zeiten nachtrauern, sind ihre jungen Kollegen innovativ.

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Bildlegende: Es gebe zu viele Hotels hierzulande. Eine Flurbereinigung sei vonnöten, so ein Jung-Hotelier. Keystone

Viele junge Hoteliers in der Schweiz glänzen mit Innovationen und neuen Geschäftsideen.

«Konzepte oft nicht zeitgemäss»

Drei von ihnen sind: Die 28-jährige Maria Coli, der 32-jährige Bardhyl Coli und der 34-jährige Sebastian Schmid. Sie alle führen hierzulande Hotels und sie alle finden: «Ja, es gibt Hoteliers, die jammern. Ich denke schon, dass zuviel gejammert wird. Man kann nur Erfolg haben, wenn man hinter dem steht, was man macht. Wir haben gemerkt, dass wir nicht gut aufgestellt sind. Dass unsere Konzepte oft nicht zeitgemäss sind. Und deswegen wird natürlich gejammert.»

Aber die drei jammern nicht. Für das Ehepaar Coli etwa stellte sich die Frage, wie sie in Zeiten des Fachkräfte-Mangels ihre Angestellten halten können. Ihre Antwort: Sie betreiben gleich zwei Hotels. Eines, das im Winter gut läuft, im Skiort Davos und eines, das im Sommer beliebt ist, in Vitznau am Vierwaldstätter-See.

Im Wechsel zwei Hotel betreuen

Maria Coli erläutert es konkret: «Es funktioniert so, dass wir im Vitznauer Hof von Mai bis Oktober geöffnet haben. Und die Belegschaft dann Mitte Oktober mit uns nach Davos zieht, wo wir das Waldhotel Davos von November bis April führen.»

Für die Angestellten bedeutet das mehr Sicherheit dank Ganz-Jahresverträgen. Darum sei die Fluktuation deutlich gesunken. Und wie ist man auf diese Idee gekommen? Bardhyl Coli sagt: Wie die ganze Branche seien auch sie zur Innovation gezwungen worden – angetrieben durch all die Widerstände: «Ich bin überzeugt: Sobald wir wieder eine normale Situation haben, sind wir gerüstet. Und vielleicht ist eine kleine Strukturwandlung mit weniger Hotels auf dem Markt auch wichtig. Es gibt viel zu viele Hotels.» Deutliche Worte und klare Konzepte. Der Erfolg gibt ihnen bisher recht.

Mit regionalen Produkten locken

Ebenfalls erfolgreich ist Sebastian Schmid mit seinem Hotel Glocke im Goms. Sein Rezept ist eine klare Positionierung: «Wenn jemand in das Wallis in die Ferien kommt, soll er auch Wallisser Produkte geniessen können. Vom Wein bis zu den Limonaden, Säften, Käse. Und nicht von irgendwo her. Und damit können wir sicher auch den Preis rechtfertigen.» Einen Preis, der höher ist als derjenige von Airbnb-Angeboten. Sebastian Schmid steht so mit seinem Hotel aber nicht in einem direkten Konkurrenzverhältnis.

Diese Jung-Hoteliers zeigen, dass es geht. Entscheidend ist aber nicht das Alter, sondern die Bereitschaft, dynamisch zu bleiben – in einer überaus dynamischen Branche.