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Schweiz «Wir befürchten einen Streit zwischen den Landesteilen»

Der Bundesrat hat eine Vernehmlassung über die Harmonisierung des Unterrichts von Fremdsprachen in der Primarschule eröffnet. Die Direktion der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) will, dass in dieser Frage die Kantone das Heft in der Hand behalten.

Legende: Video «Streit um zweite Landessprache» abspielen. Laufzeit 5:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.07.2016.

Eine Bundesintervention in der Sprachenfrage berge erhebliche Risiken. Namentlich könnte eine diesbezügliche Volksabstimmung zu einer nationalen Zerreissprobe werden, hält der Präsident der kantonalen Erziehungsdirektoren Christoph Eymann fest. «Wenn der Bundesrat ein Gesetz bringen sollte, befürchten wir einen Streit zwischen den Landesteilen und das gilt es zu vermeiden», so Eymann.

Christoph Eymann.
Legende: Christoph Eymann will eine Abstimmung über den Fremdsprachenunterricht verhindern. Keystone

Der EDK-Präsident ist der Ansicht, «dass die Verhältnismässigkeit für eine Bundesregelung nicht gegeben ist». Die EDK habe vor einem Jahr Bilanz gezogen und dabei festgestellt, dass die Harmonisierung bereits sehr weit fortgeschritten sei.

Im Thurgau ist man «enttäuscht»

Auch im Kanton Thurgau, wo die Vorgaben nicht erfüllt werden, ist man nicht zufrieden mit dem Entscheid des Bundesrates. «Wir sind sehr enttäuscht, dass der Bundesrat nun zu diesem Vorgehen greift», sagt Bildungsdirektorin Monika Knill.

Viele Farbstifte nach Farben geordnet in Bechern stehend.
Legende: Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren zeigt sich enttäuscht über den Bundesratsentscheid. Keystone

Mit diesem Schritt greife der Bund unverhältnismässig in die Bildungshoheit der Kantone ein. Allerdings sei mit der Eröffnung der Vernehmlassung noch nichts entschieden. Es sei zu hoffen, dass sich die Kantone und die EDK «vehement gegen den Eingriff des Bundes in die Bildungshoheit der Kantone und in unser föderalistisches Staatssystem wehren werden», heisst es in einem Communiqué des Thurgauer Regierungsrates.

Am umstrittenen Vorhaben, den Französisch-Unterricht ab Sommer 2017 sukzessive in die Oberstufe zu verlegen, ändert die Thurgauer Regierung vorerst nichts. «Fremdsprachenunterricht ist ein langsamer Dampfer. Die Umstellung ist ein jahrelanger Prozess», sagte Knill gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Wer kennt das Kinderlied "Frère Jacques..." resp. "Bruder Jakob"? - Wir lernten dieses im Kindergarten in beiden Sprachen und hatten damit nicht nur ersten Kontakt mit einer anderen Landessprache, sondern auch ein erstes Bewusstsein dafür, dass es andere als unsere eigene Sprache gibt. Geschadet hat uns das nicht, und das Lied hat erst recht Spass gemacht: Die deutsch Singenden versuchten die gleichzeitig französisch Singenden zu übertönen und umgekehrt. Noch heute kenne ich beide Texte.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ist das Problem nicht das zu viele Sprachen dazu führen dass man am Schluss von Allem etwas und Nichts gut kann. Eigentlich steht das Französisch in Konkurenz zum Englisch und generell zuviel Sprachwirrwar in Konkurenz mit Mathe und Handwerk. Die soziale Komponente in Konkurenz mit der Kariere und Wirschaftsqualität. Es braucht aber unbedingt von beidem und ich finde die soziale Komponete ist zu sehr ausgebaut worden. 1 Landessprache genügt, Deutsch.
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Manche sind sogar mit einer Sprache überfordert.
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    2. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Jede Sprache ist eine Erweiterung seiner Wahrnehmung und Kultur. Eine Erweiterung hat niemand geschadet, im Gegenteil. Es fördert sein Verständnis und damit die Toleranz, im negativen Sinne der 'Gutmensch'. Wie kann man auf Deutsch eingeschworen sein, vor allem wie Sie meinen ein Dialekt: Schweizerdeutsch......Die Schweiz hat noch anderes zu bieten.
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pur l'art)
    jeder weiss, dass im Vorschulalter der Spracherwerb anders und viel effektiver verläuft, als in späteren Lebensjahren, weshalb es eigentlich angesagt wäre, Sprachunterricht gezielt und massiv im Kindergarten zu unterrichten. Sprachunterricht in der Schule, dann noch mit nicht muttersprachlichen Lerhrpersonen ist dann recht unbefriedigend und bescheiden. Diejenigen welche hier von Überforderung der Kinder sprechen, sollen nicht von sich auf lernfähige Kinder schliessen!
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Im Kindergarten wollte ich noch spielen. Und nicht ständig von Erwachsenenfantasien attackiert werden.
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Meine jüngste Tochter geht auch in den Kindergarten Frau Schüpbach. Leider wird sie seit Geburt von Erwachsenenfantasien attackiert, weil ich mit ihr Schweizerdeutsch spreche und ihre Mutter mit ihr portugiesisch. So weit ich bis anhin feststellen konnte ist sie weder überfordert noch sonstwie eingeschränkt in ihrem Spieldrang.
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    3. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Sprachen können auch spielerisch vermittelt werden und nicht nur in den Schulbänken sitzend und in Bücher und Vokabulare vergraben. Spielerische Methoden sind für das Sprachgefühl durchaus positiv und dürfen m.E. durchgängig bis anfangs Mittelstufe eingesetzt werden; dieses anschliessend in Grammatik und Syntax zu packen, ist Aufgabe der Schule. Sinnvoll ist m.E. aber, immer einen kurzen zeitlichen Abstand auf die schulische Vermittlung der Hauptsprache einzuhalten.
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