«Wir hinken im Cyberkrieg hinterher»

Die USA erklären dem IS offiziell den Krieg – im Cyberspace – und rüsten im virtuellen Raum massiv auf. Bei uns in der Schweiz gibt stattdessen der millionenteure Ausbau von Duro-Transportern zu reden. Welches ist die richtige Strategie? Ein Sicherheitsexperte gibt Antwort.

Ein Computerbildschirm mit Programmierzahlen, davor Hände auf einer Tastatur. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die virtuelle Kriegsführung wird immer wichtiger im Kampf gegen den Terror. Reuters

SRF News: Die USA attackieren den IS offiziell auch Im Netz, die Schweiz rüstet Transporter nach. Ist unsere Strategie nicht falsch?

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Bruno Lezzi

Bruno Lezzi in der Sendung «Arena» 2014

Der Schweizer Militärhistoriker und Generalstabsoffizier arbeitete im Eidg. Militärdepartement und später als Sicherheitsexperte für die «Neue Zürcher Zeitung». Er war Mitglied der Ausserparlamentarischen Kommission für militärische Einsätze der Schweiz zur internationalen Friedensförderung. Er doziert zu Sicherheitspolitik an der Uni Zürich.

Bruno Lezzi: Auf den ersten Blick mag das so erscheinen. Aber die Armee ist ein System und man kann nicht einzelne Komponenten herausbrechen. Es braucht beides – die Anstrengungen im Cybersektor aber auch die Erneuerung der Armee.

Wie gut ist denn die Schweizer Armee, wenn es um Kriegsführung im Netz geht?

Die Schweizer Armee muss nicht wie die USA offensiven Cyberkrieg führen. Für die Schweizer Armee geht es darum, ihre Kommunikationssysteme gegenüber Cyberattacken zu schützen. Wir haben eine neue nationale Cyberstrategie. Auch im neuen Sicherheits- und Armeebericht 2016 wird die Cyberfrage behandelt. Nun kommt es darauf, an wie diese Absichtserklärung umgesetzt wird.

Wie schützt man die eigenen Infrastrukturen im Netz konkret?

Im Moment ist ein Projekt für die Schweiz aufgegleist. Das ist aber erst am Anlaufen. Wir sind dran, aber noch nicht so weit wie die Amerikaner, die ein eigenes Cybercommand geschaffen haben. Da hinken wir hinterher.

Aber Sie würden nicht sagen, dass es ein Missverhältnis in der Aufstellung der Schweizer Armee gibt: Dass man immer noch zu viel Geld in die klassische Verteidigungsarmee steckt und zu wenig in den Krieg der Zukunft?

Im Moment ist das sicher so. Aber es ist der Umbau der gesamten Kommunikationsstruktur der Armee geplant. Im Moment liegt das Schwergewicht im konventionellen Bereich. Das hat auch mit unserer Milizarmee zu tun. Wir sind aufgrund unserer aussenpolitischen Maxime der Neutralität gezwungen, das Meiste alleine zu machen. In diesem Sinne kann natürlich auch die klassische Landesverteidigung nicht vernachlässigt werden.

Aber das heisst auch, dass man künftig nicht unbedingt die Kampfmaschine ausheben, sondern den Computernerd suchen muss?

Das ist natürlich richtig. Das moderne Kriegsbild wird durch solche Systeme bestimmt werden. Wobei Cyber auch nur ein Instrument im Rahmen einer Gesamtstrategie ist. Es gibt nicht Cyber allein. Cyberangriffe werden häufig in Kombination mit anderen Möglichkeiten der Gewaltanwendung eingesetzt.

Das Gespräch führte Simon Leu.