«Wir sollten Migranten zu Arbeit verpflichten»

Migranten sollen im Umgang mit westlichen Frauen besser geschult und über hier geltende Werte und Normen aufgeklärt werden – so lautet die Forderung nach den sexuellen Übergriffen in Köln. Noch wirkungsvoller aber wäre eine schnelle Einbindung in den Arbeitsmarkt, sagt eine Integrationsfachfrau.

Mit Rechen pflegen drei Flüchtlinge ein Grab auf einem Friedhof Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Arbeit als Integrationsmassnahme: Flüchtlinge bei der Grabpflege auf einem Friedhof in Lausanne. Keystone

Wer Chukwunyere heisst, macht in der Schweiz zuweilen seltsame Erfahrungen: «Du sprechen Deutsch?», werde sie oft am Telefon gefragt. Dabei hiess Francesca Chukwunyere früher Müller. Die Leiterin der Berner Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen (ISA) ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Der fremdländische Name ihres aus Nigeria stammenden Mannes reicht aber bereits für manch eine herablassende Behandlung.

Migranten bleiben oft unter sich

Francesca Chukwunyere nimmt das meistens locker. Doch wer wirklich dunkelhäutig ist und tatsächlich Sprachprobleme hat, komme hierzulande nur schwer mit Einheimischen in guten Kontakt. So blieben Migranten oft unter sich oder verkehrten in Randgruppen, die selber Mühe haben, sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Das erschwere einerseits die Integration, sagt sie, «und führt zudem dazu, dass sie ein ganz seltsames Bild von der Schweiz mit sich herumtragen». Häufig auch ein seltsames Frauenbild – gelernt bei lauten Machogruppen, wie es sie überall gebe.

Gerade die jungen, alleinstehenden Migranten bräuchten bessere Rollenmodelle. «Nötig wären Schweizer Männer, die hinstehen und sich gegenüber Frauen so verhalten, wie es hier angezeigt ist.»

Selbstverständlich seien auch Kurse wichtig, Aufklärungskampagnen, Informationen über Werte und Normen in unserer Gesellschaft – so wie das auch die ISA anbiete. In solchen Integrationskursen werde immer auch das Verhältnis von Mann und Frau thematisiert. Aber ohne Praxisbezug bleibe das toter Buchstabe.

Kontakte passieren bei der Arbeit

Nichts könne den Kontakt von Migranten mit ganz gewöhnlichen, anständigen Einheimischen ersetzen – und den finde man am besten bei der Arbeit.

Könnte die Integrationsfachfrau Chukwunyere eine Eingliederungsmassnahme befehlen, sie würde eine Arbeitspflicht für Migranten einführen: «Sofort arbeiten lassen und alles aus dem Erlös der Arbeit selber bezahlen lassen». Nichts fördere die Integration besser.

Selbstverständlich weiss Francesca Chukwunyere um die objektiven Schwierigkeiten: etwa fehlende Stellen, traumatisierte Migranten, mangelnde Vorkenntnisse. Doch manchmal müsse man das Unmögliche wollen und in eine ganz neue Richtung denken. «Derzeit zäumen wir den Esel am Schwanz auf», ist sie überzeugt.

«  Der Job müsste ganz am Anfang des Eingliederungsprozesses stehen. »

Francesca Chukwunyere
Geschäftsleiterin der Berner Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen

Unsere Gesellschaft betrachte den Arbeitsplatz als Belohnung für eine erfolgreiche Integration, dabei sei der Job die Voraussetzung dafür und müsste ganz am Anfang des Eingliederungsprozesses stehen.

Denn wer Teil des Arbeitslebens sei, zähle sich selbstverständlicher zu einer Gesellschaft und übernehme leichter deren Werte – zum Beispiel wie man sich gegenüber Frauen zu verhalten hat.

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