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Inländervorrang light Wirte, Hoteliers, Baumeister und Gemüsebauern sorgen sich

Der Inländervorrang der Masseneinwanderungs-Initiative soll Arbeitslosen einen Vorsprung geben – und sorgt für Kritik.

Legende: Video Inländervorrang – Die Problem-Branchen abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.09.2017.

Gemüsebauern, Wirte, Hoteliers und Bauunternehmer schauen misstrauisch auf das Jahr 2018: Dann dürfte die Masseneinwanderungs-Initiative umgesetzt werden mit dem «Inländervorrang light»: Hat eine Branche eine Arbeitslosenquote von über fünf Prozent und gleichzeitig überdurchschnittlich viele Ausländer, müssen offene Stellen zuerst den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet werden. So bekommen Arbeitslose fünf Tage Vorsprung vor anderen Bewerbern aus dem In- und Ausland. Mehrere Branchen haben grosse Mühe mit dieser Umsetzung.

Die Gastronomie

Sie ist mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent betroffen vom Inländervorrang. Ausländer sind hier gleichzeitig sehr willkommen, erklärt Gastro-Suisse-Präsident Casimir Platzer. «Zimmermädchen, Tellerwäscher, Pfannenputzer: Da findet man hier kaum Mitarbeiter. Schweizer sind verwöhnt, ihnen geht es gut. Zimmermädchen, Tellerwäscher, Casseroliers aus der Schweiz gibt es keine. Darum sind wir auf ausländische Mitarbeiter angewiesen.»

Die Branche brauche ausserdem flexible Mitarbeiter, die gerne arbeiten. Solche Leute seien im RAV «Mangelware», so Platzer. Man müsse auf dem freien Markt Mitarbeiter rekrutieren. Dies, obwohl mancher Wirt lieber Schweizer hätte: «Er kann sie für ein Vorstellungsgespräch einladen oder auf Probe arbeiten lassen.»

Gastro Suisse hat weitere Vorbehalte zur geplanten Umsetzung des Inländervorrangs. «Mit den Feiertagen, zum Beispiel über Weihnachten und Neujahr, könnte das heissen, dass ein Wirt oder Hotelier neun Tage warten muss, bis er jemandem auf dem freien Markt anstellen darf. Und dann ist die Hochsaison vorbei.»

Zwei Männer stehen bei Abpackanlagen, im Vordergrund sind zwei Salatköpfe, im Hintergrund leere, gestapelte Kisten.
Legende: Patrick Forster (links) bei der Arbeit im Gewächshaus in Oftringen, zusammen mit Erntehelfer Bartlomiej Jarzynkaein. Bähram Alagheband/SRF

Die Landwirtschaft

Gemüsebauern beschäftigen viele landwirtschaftliche Gehilfen: Sie arbeiten auf dem Feld oder in der Verarbeitung. Diese Berufsgattung war zuletzt ebenfalls stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Patrick Forster ist Geschäftsführer der A. Trachsel Fruchtimport AG im luzernischen Pfaffnau. Er hat früher freie Stellen dem RAV gemeldet. Heute tut er das nicht mehr.

«Wir haben damit sehr durchzogene Erfahrungen gemacht. Von allen Leuten die kamen, ist einzig und allein ein Mitarbeiter geblieben. Und das deckt niemals den Aufwand, den man hat. Deshalb haben wir auch entschieden, dass wir unsere Stellen gar nicht mehr im RAV ausschreiben.»

Die Baubranche

Auch diese Branche ist wegen der Arbeitslosenquote und des überdurchschnittlich hohen Ausländeranteils betroffen. Beim Baumeisterverband schaut man besorgt auf die geplante Umsetzung des Inländervorrangs. Grundsätzlich ist man zwar einverstanden mit der Stossrichtung, so der stellvertretende Direktor Martin A. Senn.

Bemängelt wird aber, was auch die anderen zwei Branchen erwähnen: Suche man beispielsweise einen Maurer, dann würden sich auch solche melden, die kurz als Maurer gearbeitet haben, aber keine Berufslehre abgeschlossen haben. Die Befürchtung: Viele Bewerbungen, viel Aufwand – wenig Ertrag.

Die Reaktionen

Guido Pfister ist im Aargau zuständig für die RAV und spricht einzig für seinen Kanton. Der Kontakt mit den Arbeitgebern sei aus seiner Sicht gut. Er lässt denn auch die Kritik nicht gelten, es gebe zu wenig brauchbare RAV-Bewerbungen. Es komme aber vor, dass die falschen Leute sich am falschen Ort bewerben.
«Das eine ist, dass arbeitgeberseitig die Stellenmeldungen sehr unscharf sind. Wenn man nicht Zeit hat, um genau nachzufragen, kann es dazu kommen, dass Leute zugewiesen werden, die nicht ganz passen», so Guido Pfister.

Auf der anderen Seite sei es aber auch eine Tatsache, dass all diese Stellen öffentlich zugänglich sind, auf diversen Plattformen, erklärt der Aargauer RAV-Zuständige. «Da gibt es Leute die sich bewerben, von denen wissen wir nichts. Die sind beim RAV angemeldet, aber nicht offiziell zugewiesen.»

Was die fünf Tage betrifft, welche die RAV brauchen dürfen, um den Arbeitslosen einen Vorsprung zu verschaffen: Hier glaubt und hofft Pfister, dass die RAV nicht so lange brauchen werden und schneller arbeiten können, «wenn nicht gleich Fluten von Bewerbungen kommen». Seiner Meinung nach müsse man nun erst mal abwarten, wie sich der Inländervorrang bewähre.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco will zu diesem Thema noch nichts sagen, bis die Vernehmlassung zur Umsetzung des «Inländervorrangs light» vorbei ist und der Bericht dazu vorliegt. Voraussichtlich wird der Inländervorrang Anfang 2018 umgesetzt, heisst es auf Anfrage beim Bund.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Die Bauern und Gastronomen haben Angst, ihre billigsten Arbeitskräfte zu verlieren. Das ist alles.
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Kein Schweizer möchte diese Jobs machen, also bleiben die stellen einfach unbesetzt. So ist's richtig.
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  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    Naja was haben die jungen Leute gedacht als sie damals in die Gastro sind als Lehrlinge? Bürojob Mo-Fr und 7-16 Uhr? Ich möchte auch nicht in der Gastro arbeiten müssen... Aber wenn die Arbeitgeber den "Gerechten" Lohn an die Kunden weitergeben, bleiben diese weg und gehen nach Österreich oder in Schwarzwald.
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  • Kommentar von Willi Geissbühler (tagesschau)
    Man bezahlt in den Rest. für einen Kaffee mind. Fr. 5.00, im Bhf Zürich habe ich für 2 Kaffees sogar Fr. 15.00 bezahlt, normales Restaurant. Die gleichen Hoteliergangster bezahlen ihren Angestellten einen Lohn von Fr. 3,417.00, Mindestlohn gemäss GAV, ohne jemals eine Lohnerhöhung zu bezahlen, obwohl die Krankenkassenprämien jedes Jahr steigen. Keine Teuerung. Willst du einen Fortbilungskurs Progresso machen, so lehnen sie diesen aus fadenscheinigen Gründen ab. Bekannte Rest- u. Hotelkette.
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