Wirtschaft hält AHV-Reform für zu teuer

Die Wirtschaft hält die Pläne des Bundesrats für die Altersvorsorge für nicht mehrheitsfähig und zu teuer. Economiesuisse und der Arbeitgeberverband wollen die Reform «in verdaubare Portionen» aufteilen. Zunächst sollen die Renten für die nächsten zehn Jahre gesichert werden.

Rentner auf einer Bank. Daneben ein Baby. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ohne Re­­form-Massnah­men wird die AHV laut Economiesuisse bald nicht mehr finanzierbar sein. Keystone/SYMBOLBILD

Die angestrebte Reform der 1. und 2. Säule ist für die Wirtschaft überladen, zu teuer und sie droht aus ihrer Sicht wie frühere Vorlagen im Parlament oder vor dem Volk zu scheitern. Economiesuisse und Arbeitgeberverband möchten die Reform aufteilen und Schritt für Schritt – «in verdaulichen Portionen» – vorgehen.

Mehrwertsteuer erhöhen

Es brauche «Kompromissbereitschaft von allen Seiten», sagte Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. Einen solchen Kompromiss stellen sich die Verbände folgendermassen vor: Ab 2018 soll das Frauenrentenalter in vier Schritten bis 2021 auf 65 Jahre steigen.

Zum Deal würde auch gehören, dass der Mindestumwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge – wie auch vom Bundesrat vorgeschlagen – von 6,8 auf 6,0 Prozent sinken soll. Der Satz legt fest, wie das Altersguthaben in eine Rente umgerechnet wird: Ein tieferer Satz bedeutet eine tiefere Rente. Um die Rente dennoch gleich hoch zu halten, soll die Beitragspflicht früher einsetzen und höher liegen.

Der Vorschlag der Verbände unterscheidet sich von jenem des Bundesrates vor allem darin, dass die Massnahmen einzeln beschlossen werden sollen und dass die Mehrwertsteuer weniger stark erhöht wird. Der Bundesrat plant eine Erhöhung um bis zu zwei Prozentpunkte. Das Rentenalter angleichen und den Umwandlungssatz senken will er auch.

Schuldenbremse mit anderem Mechanismus

Die Wirtschaft bekenne sich zu «unangetasteten Renten», so Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt. Dieses Versprechen löse aber der Bundesrat mit seinem Vorschlag nicht ein, wenn er eine Schuldenbremse vorschlage, bei der die Teuerung teilweise ausgesetzt würde.

Bei der Schuldenbremse nach den Vorstellungen der Verbände soll deshalb das Rentenalter bei einer finanziellen Schieflage der AHV automatisch um weitere zwei Jahre und die Mehrwertsteuer um weitere 0,4 Prozentpunkte erhöht werden.

Dank dieser Vorschläge können laut den beiden Verbänden «die Renten für die nächsten 10 Jahre garantiert» werden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die andere Sicht auf AHV und Zuwanderer

    Aus ECO vom 24.3.2014

    Ohne Zuwanderung stosse die AHV schneller an ihre Grenzen – diese Warnung ist nach dem «Ja» zur Initiative «Gegen Masseneinwanderung» mancherorts zu hören. Sie trifft kurzfristig zu, ist aber nicht zu Ende gedacht. Denn jede zusätzliche Person in der AHV, ob Schweizer oder Ausländer, hat später Anspruch auf eine Rente und wird die AHV in der Zukunft belasten. «ECO» mit einer Sicht auf die staatliche Rentenversicherung, die viele gerne ausblenden.