- Steigende Kosten und fehlende Arbeitskräfte beschäftigen Schweizer KMU derzeit am stärksten.
- Trotzdem blicken die Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft, wie die KMU-Arbeitsmarktstudie 2026 von Axa Schweiz, durchgeführt vom Forschungsinstitut Sotomo, zeigt.
Befragt wurden über 300 KMU in der Deutsch- und Westschweiz. 86 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Betrieb auch in zehn Jahren noch bestehen wird. Gleichzeitig beurteilen 43 Prozent die wirtschaftliche Lage in ihrer Branche als unsicher.
Kosten und Fachkräftemangel belasten Betriebe
Die grösste Sorge der Unternehmen sind die steigenden Kosten. 65 Prozent der KMU nennen sie als wichtigste Belastung der vergangenen zwei Jahre, noch vor dem Konkurrenzdruck in der Schweiz und der sinkenden Kundenloyalität.
Unternehmen, die stark auf ausländische Märkte ausgerichtet sind, sorgen sich häufiger über Konkurrenz aus dem Ausland, Wechselkurse und die Folgen der US-Zollpolitik. Vier von zehn stark international vernetzten KMU sehen die amerikanische Zollpolitik als bedeutenden Umbruch für ihr Geschäft.
Personal bleibt knapp
Auch die Suche nach Personal bleibt laut den Unternehmen schwierig. 41 Prozent der KMU nennen den Arbeitskräftemangel als eine der grössten Herausforderungen.
Besonders stark betroffen ist das produzierende Gewerbe. Der Anteil der Betriebe mit Rekrutierungsproblemen stieg dort seit 2022 von 45 auf 65 Prozent. Viele Unternehmen finden laut der Studie schlicht zu wenige Bewerberinnen und Bewerber. Im Dienstleistungssektor blieb der Anteil stabil. Dort fehlen den Betrieben vor allem Personen mit den passenden Qualifikationen. Die höhere Arbeitslosigkeit habe die Personalsuche bisher kaum erleichtert.
Berufslehre gewinnt an Gewicht
Für viele KMU bleibt die Berufslehre der wichtigste Weg in den Arbeitsmarkt. 63 Prozent der befragten Unternehmen würden Schulabgängerinnen und Schulabgängern heute eher eine Lehre als ein Studium empfehlen.
Auch der Bedarf an Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen dürfte aus Sicht vieler Betriebe sinken. Ein Drittel rechnet in den kommenden fünf Jahren mit weniger Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen, nur 15 Prozent mit einem höheren Bedarf.
Sorge über Abhängigkeit von US-Technologie
57 Prozent der KMU machen sich Sorgen darüber, von IT-Lösungen aus den USA abhängig zu sein. Konkrete Schritte haben bisher jedoch nur wenige eingeleitet. 13 Prozent sind auf europäische Alternativen umgestiegen, weitere 15 Prozent planen zu wechseln.
Künstliche Intelligenz ist in vielen Betrieben bereits angekommen. Fast drei Viertel der KMU nutzen oder testen KI-Anwendungen. Die Unternehmen erwarten vor allem Zeitersparnisse. Einen Stellenabbau aufgrund von KI erwarten jedoch lediglich 12 Prozent.
Psychische Belastungen nehmen zu
Auch Fehlzeiten beschäftigen die Unternehmen stärker. 42 Prozent der KMU berichten von höheren Kosten durch Personalausfälle in den vergangenen fünf Jahren. Bei grossen KMU sind es 62 Prozent.
Zudem sind psychisch bedingte Ausfälle häufiger geworden. Mehr als ein Drittel der Betriebe ist mittelmässig oder stark davon betroffen. Seit 2023 stieg dieser Anteil um zehn Prozentpunkte.
Zwei Drittel der KMU sehen die psychische Gesundheit als Führungsaufgabe. Gleichzeitig setzt nur ein Teil der Unternehmen konkrete Massnahmen um. Jeder vierte Betrieb ergreift keine spezifischen Schritte gegen psychisch bedingte Fehlzeiten.