Wo die Schweiz im Stau steht

Die Infrastruktur auf Schweizer Strassen stösst an Grenzen. Eine Studie zeigt, wer wo besonders lange im Stau steht – und welche Massnahmen Abhilfe schaffen könnten.

Vor der Stadt wartet der Stau

Die Strassen der Schweiz sind zu Pendlerzeiten überlastet. Die Staustunden auf dem Nationalstrassennetz haben sich seit 2008 verdoppelt. Dies zeigt eine Studie der Credit Suisse. Gemäss der Studie gäbe es aber Massnahmen zur Abhilfe.

Interview mit Fabian Hürzeler, Co-Autor der Staustudie

3:23 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.03.2014

Der Ökonom Fabian Hürzeler ist Mitautor der Studie. Für den Anstieg des Staus gibt es seiner Erkenntnis nach drei Gründe: Das Bevölkerungswachstum, mehr Geld, das den Haushalten für Mobilität zu Verfügung steht, und die räumliche Zweiteilung zwischen dem Bevölkerungs- und dem Beschäftigungswachstum, die zunimmt.

«Das heisst, die Pendelwege werden immer länger», sagt Hürzeler gegenüber SRF. Die Menschen arbeiten nicht mehr dort, wo sie wohnen. Wenn die Infrastruktur einmal an der Belastungsgrenze sei, dann nehme der Stau auch überproportional zu.

Die grössten Stauzentren

In der Agglomeration Zürich steht der Pendler am längstem im Stau, sagt Hürzeler. Mit diesem Ergebnis habe man gerechnet. Aber auch Baden, Winterthur und Zug hätten hohe Stauzeiten. Der andere Stauschwerpunkt liegt gemäss der Studie am Genfersee. Insbesondere in der Stadt Genf selber sind die Stauzeiten pro Pendler sehr hoch – und nur um vier Prozent geringer als in Zürich.

Ausnahme: Basel

Tendenziell gibt es also in und um die Grossstädte am meisten Stau. Eine Ausnahme sei die Stadt Basel, sagt Hürzeler. Basel liege auf dem zehnten Rang aller Agglomerationen und habe die tiefste Belastung der Grosszentren. Gemäss Hürzeler habe dies hauptsächlich damit zu tun, dass viele Beschäftigte in Basel auch in Basel selber wohnen. Ausserdem würden die Basler häufig den öffentlichen Verkehr oder das Velo benützen.

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Was ist Roadpricing?

Besonders belastete Verkehrswege werden zu Hauptverkehrszeiten kostenpflichtig gemacht. Damit soll das Verkehrsaufkommen über den Tag gleichmässiger verteilt werden. Als Vorbilder gelten Grossstädte wie Stockholm, London oder Singapur. Dort wird Roadpricing seit Jahren erfolgreich eingesetzt.

«Infrastruktur ausbauen bedeutet mehr Verkehr»

Um den stark betroffenen Agglomerationen Abhilfe zu schaffen, sieht Hürzeler drei Ansätze: Man könne die Situation so belassen, wie sie ist. Das bedeute, der Stau reguliere die Lage. «Das ist natürlich nicht optimal.» Die zweite Lösung wäre, dass man die Infrastruktur entsprechend ausbauen würde.

Das sei jedoch sehr teuer und ein Fass ohne Boden. «Denn wenn man mehr Infrastruktur baut, dann gibt es schlussendlich auch mehr Verkehr.» Die dritte Option wäre die Mobilität mit einem sogenannten Roadpricing zu besteuern. «Wir halten das für die beste Lösung», sagt Hürzeler.

Bezahlen mit App

Beim Roadpricing müssten Fahrzeuglenker auf dem Weg in die Innenstadt oder in die Agglomeration an gewissen Stellen zahlen. Dies könnte etwa mit einer App auf den Smartphones geschehen. Die Herausforderung besteht beim Roadpricing gemäss Hürzeler darin, die Anreize so zu setzen, dass die bestehende Infrastruktur optimaler ausgelastet wird.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der Blechschlangen-Vergleich

    Aus 10vor10 vom 18.3.2014

    Im Jahr 2012 standen Autofahrer auf Schweizer Autobahnen knapp 20'000 Stunden lang im Stau. Die Staustunden haben sich zwischen 2008 und 2012 verdoppelt. Erstaunlich ist, dass der Stau äusserst ungleich verteilt ist. In Zürich und Basel rollt der Verkehr höchst unterschiedlich.