Zielkonflikt im Bahnverkehr: Klamme Bundeskasse, teures Netz

Ein immer grösseres Angebot bei gleichbleibender Qualität – das kostet, sagen die SBB und die Privatbahnen. Sie wollen deshalb satte 1,8 Milliarden Franken mehr für Betrieb und Unterhalt. Die Forderung ist ein heisses Eisen: Denn der Bund muss sparen.

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Milliarden für Unterhalt der Schienen

1:34 min, aus Tagesschau vom 9.8.2016

Eine Eisenbahn muss nicht nur gebaut, sie muss auch unterhalten werden. Der Ersatz von Gleisen, Brücken und Fahrleitungen kostet viel Geld. Im Ausbaufieber von Bahn 2000 und Gotthard-Basistunnel wurden diese Posten sträflich vernachlässigt. Das rächt sich jetzt. Es müsse unbedingt mehr getan werden, sagt der SBB-Infrastrukturchef Philippe Gauderon: «Es gibt Sachen, die wir aufschieben können. Aber bei der Fahrbahn ist das unmöglich.»

Die Geleise sind bereits in einem so lamentablen Zustand, dass sie an vielen Stellen ersetzt werden müssen. In den nächsten vier Jahren sollen die SBB und die Privatbahnen deshalb 1,8 Milliarden Franken mehr erhalten für Betrieb und Unterhalt – insgesamt sind es 13,2 Milliarden Franken.

Der Rückstand beim Unterhalt werde so aber noch nicht aufgefangen, sagt Gauderon: «Unser Ziel ist es, den Rückstand zu stabilisieren. Er ist stetig gewachsen und mittlerweile auf der Höhe von 2,8 Milliarden Franken.» Bis in vier Jahren wird er weiter gestiegen sein. Später braucht es also noch mehr Geld, das prognostizieren sowohl die Bahnen als auch externe Experten.

Mehr Leistung kostet

Diesen stark steigenden Kosten stünde auf der anderen Seite aber auch ein stark steigendes Angebot gegenüber, sagt der Direktor des Verbandes für öffentlichen Verkehr (VöV), Ueli Stückelberger: «Wir haben mehr Züge pro Gleis und entsprechend grösseren Verschleiss. Zudem haben wir ein grösseres Schienennetz.»

Die neue Durchmesserlinie in Zürich, der neue Gotthard-Basistunnel – all das koste halt auch im Unterhalt viel. Aber bleibt genügend Geld im Topf, um die Bahn wie vorgesehen in verschiedenen Landesteilen weiter auszubauen?

Der Unterhalt komme vor dem Ausbau, sagt Stückelberger. Er liefert die Beruhigungspille aber gleich mit: «Ich bin überzeugt, dass wir genügend Mittel haben, um das Netz, wo Bedarf besteht und wo es Sinn macht, sukzessive weiter ausbauen zu können.»

Setzt die Politik den Rotstift an?

1,8 Milliarden Franken mehr – das ist viel Geld. Schon nächste Woche wird sich die ständerätliche Kommission mit dem Anliegen befassen. Stückelberger gibt sich zuversichtlich: «Wenn wir aufzeigen können, was der volkswirtschaftlichen Nutzen ist – und die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit nicht nur den Zentren, sondern der ganzen Schweiz nutzt – bin ich von einer guten Mehrheit überzeugt.»

Fragt man bei Parlamentariern nach, tönt es allerdings ein wenig anders. Vielleicht wird der Finanzrahmen für den Bahnbetrieb und -unterhalt für die nächsten vier Jahre also doch noch ein wenig gekürzt.