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Schweiz Zivildienst bald auch im Klassenzimmer?

Zivildienstleistende sollen künftig auch in Schulen eingesetzt werden können. Das klingt auf Anhieb wie eine Massnahme gegen den Lehrermangel, ist es aber nicht. Denn die Zivis dürfen Lehrkräfte nur unterstützen, nicht ersetzen.

Legende: Video «Zivis als billige Arbeitskräfte» abspielen. Laufzeit 4:49 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.08.2014.

Geht es nach dem Willen des Bundesrates, so soll der Zivildienst auch in der schulischen Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen absolviert werden können. Möglich wären Einsätze als Assistenten im Unterricht, in Lagern, in der Pausenaufsicht, in der Aufgabenhilfe, beim Mittagstisch oder im Hausdienst.

Der Bundesrat hält trotz Kritik in der Vernehmlassung an diesem Vorschlag fest und hat die Botschaft zur Revision des Zivildienstgesetzes verabschiedet.

Zivis sollen keine Lehrkräfte ersetzen

Wie in allen Tätigkeitsbereichen seien Zivis auch in Schulen arbeitsmarktneutral einzusetzen, schreibt das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Die Verantwortung für den Unterricht dürften sie nicht übernehmen.

Es bleibe den Kantonen und Gemeinden überlassen, ob sie Zivildienste an Schulen einführen wollen oder nicht. Die meisten Kantone hatten den Vorschlag in der Vernehmlassung begrüsst. Kritisch zeigten sich die bürgerlichen Parteien.

Die FDP und die SVP stellten sich gegen den Vorschlag des Bundesrates. Zivis an Schulen seien kein Rezept gegen den Lehrermangel, monierten sie. Über die Änderung soll nun das Parlament entscheiden.

Nicht genügend Einsatzplätze vorhanden

Da die Zahl der Zivildienstleistenden in den letzten Jahren zugenommen hat, mangelt es an Einsatzplätzen. Ende vergangenen Jahres gab es rund 13'400 Einsatzplätze. Bis 2018 rechnet der Bund mit einem Bedarf von über 17'000 Plätzen. Nebst den Einsätzen an Schulen sollen auch welche in der Spitex und in der Alpwirtschaft möglich sein.

Landwirtschaftseinsätze will der Bundesrat generell neu regeln. Zivildienstleistende kämen gemäss der Gesetzesrevision auch in Betrieben zum Einsatz, welche Biodiversitäts-, Kulturlandschafts- oder Landschaftsqualitätsbeiträge erhalten.

Dauer und Gewissensfrage bleiben gleich

Der Bundesrat will mit der Gesetzesänderung nicht nur die Einsatzmöglichkeiten für Zivis erweitern. Ziel sei es auch, sie mit obligatorischen Kursen besser auf ihre Einsätze vorzubereiten, schreibt er in einer Medienmitteilung. Gesuchsteller sollen zudem früher über ihre Pflichten während ihres Dienstes informiert werden.

Nicht rütteln will der Bundesrat indessen am Grundprinzip: Der Zivildienst dauert weiterhin anderthalb Mal so lange wie der Militärdienst. Und zugelassen wird nur, wer den Militärdienst nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Immer mehr 20-jährige in unserer "Spassgesellschaft" wollen sich vom Militärdienst drücken! Die Hasshetzen gegen die Armee im Allgemeinen und dessen Bundesrat im Speziellen (!), in den Schulstuben und in den Medien, hinterllassen immer deutlichere Spuren! Bevor man mit Steuergelder immer mehr für all diese "Drückeberger" investieren will, sollte wieder einmal auf die geltende Bundesverfassung, einen richtigen, unideologischen Staatsunterricht und Pflichten eines Schweizers hingewiesen werden!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Diese absurde Idee würde wahrscheinlich mittel- und langfristig der GSOA viele neue Mitglieder bescheren! Wer kein Militärdienst leisten will, würde als Zivildienstleister in den Schulhäusern oder in Schullagern kräftig die "Antimilitär" -Werbetrommel in Betrieb setzen! Bis jetzt waren es die (meisten) Lehrer, die diese Aufgabe übernahmen.....! Wieder einmal ein Beschluss, an dem der "Mitte-Links-Bundesrat" auf keinen Fall rütteln will! Wir werden ja sehen, wie das Parlament entscheiden wird!
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  • Kommentar von Marius Matter, Königsberg
    Gut, das dürfte auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern bei den Schulkräften (also halt Lehrer und drumrum) etwas weniger stark in Richtung Frauen pushen.
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