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Schweiz Zuwanderungsinitiative: «Bünzlis haben Ja gestimmt»

Die Befürworter der Zuwanderungsinitiative toben: Ein Jahr nach der Abstimmung sei der Volkswille noch immer nicht umgesetzt. Zornig sind aber auch die Gegner: Der Entscheid schade der Schweiz. Bünzlis hätten den falschen Entscheid gefällt.

Abstimmungsplakat der SVP zur Masseneinwanderungsinitiative.
Legende: Den Entscheid hat das Schweizer Stimmvolk am 9.Februar 2014 gefällt. Keystone

Am 9. Februar 2014 sagte eine Mehrheit des Schweizer Stimmvolkes Ja zur Masseneinwanderungsinitiative der SVP. Das Resultat war zwar hauchdünn, löste aber ein politisches Erdbeben aus. Weder die Politik noch die Wirtschaft hatten damit gerechnet; dementsprechend fehlten Konzepte. Ein ganzes Jahr nach dieser Abstimmung kochen die Emotionen immer noch hoch.

«Das war ein Eigentor»

Immer noch kein Verständnis für den Volksentscheid hat der Diplomat Luzius Wasescha. Für ihn sind die Wählerinnen und Wähler, die Ja gesagt haben zur Beschränkung der Einwanderung, Bünzlis. Im «Tagesgespräch» führte er seine Meinung zu den «Bünzlis» aus: «Es war ein Eigentor, das wir geschossen haben. Ich sage immer, Schweizer lieben Fussball, aber sie sind etwas faul, und darum schiessen sie Eigentore.»

Für den in Genf lebenden Ex-Diplomaten ist die Schweiz gegenüber der EU seit letztem Februar in einer denkbar schwachen Verhandlungsposition. «Man hat den Bundesrat in die Position des Prügelknaben hinein manövriert.»

Immer noch kein Umsetzungsrezept

Auch ein Jahr nach der Volksabstimmung ist noch nicht klar, wie die Zuwanderung beschränkt werden soll. Gefragt sind jetzt Antworten. Der Wahlkampfleiter der SVP, Nationalrat Albert Rösti, findet, man habe seine Partei ausgelassen und den SVP-Vorschlag nicht umgesetzt. Im heutigen Tagesgespräch distanzierte er sich auch von den Vorwürfen des früheren Diplomaten Luzius Wasescha. Er sei kein Bünzli.

Grundsätzlich müsse die Schweiz mit einheitlicher Stimme in Brüssel vorsprechen und verhandeln. Die EU selbst habe viele Vorteile durch die Schweiz; nach den USA sei die Schweiz der zweitwichtigste Handelspartner für die Europäische Union. Diese Trümpfe gelte es auszuspielen.

Tagesgespräch vom Montag

Tagesgespräch vom Montag

Das Gespräch mit Ex-Botschafter Luzius Wasescha im gestrigen Tagesgespräch finden Sie hier.

212 Kommentare

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  • Kommentar von H. Frühling, Bern / Zürich
    Herrlich, wie es dem Diplomaten gelang, mit einer leicht provokativen Bezeichnung aufzuzeigen, wie es um gewisse Leute tatsächlich steht. Die Kommentare hier hätten die Darstellung von Herrn Wasescha nicht besser als richtig bestätigen können. 50.3% bilden die Mehrheit und deren Willen ist 1:1 umzusetzen > passt denen aber ein Abstimmungsergebnis nicht, dann wurden sie im Vorfeld der Abstimmung angelogen! Alles besser Wissen, aber dann doch das Gefühl haben, falsch informiert zu sein.
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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 Tenniken
    Fazit aus dem Lesestudium der Kommentare. Wenn Blocher und seine Gesellen das Maul aufreissen, wird das als demokratisches Grundrecht verstanden. Widerspruch wird reflexartig diffarmiert und erhält den Stempel "unschweizerisch/undemokratisch". Auf die selbe Art und Weise wurde in der alten Sowjetunion Widerstand als "psychisch krank" abgetan. Unser Land befindet sich auf einem gefährlichen Weg! Die Gefahr kommt weniger vom Ausland und ist vielmehr in der eigenen Verbortheit zu suchen.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @M.Hunziker. Geistreich ausgedrückt, was der weltoffene Elitebürger vom Pöbel - oder eben vom Bünzli - hält :)
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    2. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Hunziker: Eines haben sie richtig erkannt. Die Gefahr kommt von innen und zwar eben von all den satten, profitgeilen, heimatmüden EU- und USA- hörigen Grölis.
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    3. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      M. Hunziker Mir ist Ihr Kommentar zu einseitig. Könnten Sie mir stichhaltige Argumente liefern was der Vorteil wäre, wenn wir in der EU wären. Eine Insel waren wir vor der PFZ auch nicht, wir hatten auch Global funktioniert,wieso glauben Sie jetzt plötzlich, an eine Abschottung, oder Insel da sein, wenn man die Einwanderung selber steuern möchte. Es ist ja nicht so,dass niemand mehr in unser Land darf,einfach nur begrenzt.Dieses verhalten, auch seitens EU finde ich sehr seltsam. Wissen Sie mehr?
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    4. Antwort von H. Frühling, Bern / Zürich
      Genau diesen Reflex hat Herr Hunziker angesprochen ...... (Recht hat er, wie die drei Antworten bestätigen)
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    5. Antwort von Niklaus Bächler, Winterthur
      Besten Dank M. Hunziker! Die Antworten geben ihnen zu 100 % recht! Sofort haben die «Angeschossenen» so reagiert, wie man sich dies gewohnt ist.
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  • Kommentar von Hans Haller, im Ausland
    Die MEI lässt sich nicht mit den Bilateralen vereinbaren. Man hätte dies schon vor der Abstimmung thematisieren müssen.
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    1. Antwort von S. Krähenbühl, Bern
      Hat man. Der Bundesrat hat es thematisiert, die Gegner, Wirtschaftsverbände etc. Aber manche haben es bewusst ignoriert und weggehört, manche haben darüber hinweggesehen, manche haben es abgestritten, und manche haben diese Konflikte banalisisert. Nun haben wir sie, die hausgemachten Probleme.
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