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Das Corona-Management von Bern und Zürich im Vergleich
Aus Schweiz aktuell vom 27.01.2021.
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Zwei Ansätze Wie Zürich und Bern unterschiedlich durch die Krise regieren

In beiden Kantonen steht jemand aus der SVP an der Spitze der Gesundheitsdirektion – mit unterschiedlichem Erfolg.

Beispiel 1: Natalie Rickli in Zürich

Sie war bereits vor ihrer Regierungszeit als harte Parteipolitikerin der SVP bekannt. Stets äusserte sich Natalie Rickli pointiert und deutlich, eckte manchmal an.

Natalie Rickli

Natalie Rickli

Gesundheitsdirektorin des Kantons Zürich (SVP)

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Natalie Rickli war von 2007 bis 2019 Mitglied des Nationalrats. Im März 2019 wurde die SVP-Politikerin in den Zürcher Regierungsrat gewählt und übernahm die Gesundheitsdirektion. Natalie Rickli wuchs in Riet bei Neftenbach auf, heute lebt die 44-Jährige in Winterthur.

Viel Zeit blieb Natalie Rickli nicht, sich nach der Wahl Mitte 2019 in den Regierungsrat und in die Gesundheitsdirektion einzuarbeiten. Die Corona-Pandemie zwang Rickli dazu, rasch Führung zu übernehmen.

Natalie Rickli mit Maske.
Legende: Natalie Rickli ist seit 2019 im Regierungsrat und aktuell das Zürcher Gesicht bei der Bekämpfung der Pandemie. Keystone

Beispiel 2: Pierre Alain Schnegg in Bern

Auch er polarisiert mit seiner Politik, auch er ist SVP-Regierungsrat und Vorsteher der Gesundheitsdirektion: Pierre Alain Schnegg. Sein Plan, die Sozialhilfe in Bern zu kürzen, löste heftigste Reaktionen aus. Gezielt wurden Demonstrationen gegen den SVP-Politiker organisiert. «Schnegg muss weg», hiess es auf Plakaten.

Pierre Alain Schnegg

Pierre Alain Schnegg

Regierungsrat Kanton Bern

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Der SVP-Politiker ist seit Juli 2016 in der Berner Kantonsregierung. Er leitet die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion. Schnegg hat Jahrgang 1962, ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Die Kritik gegen ihn ist mittlerweile fast vollständig verstummt. Pierre Alain Schnegg gibt nicht nur im Kanton Bern, sondern auch auf nationaler Ebene den Takt an. So hat Schnegg bereits im Oktober Grossveranstaltungen im Kanton Bern verboten.

Pierre Alain Schnegg mit Maske.
Legende: Pierre Alain Schnegg ist seit 2016 im Regierungsrat und aktuell das Berner Gesicht zur Bekämpfung der Pandemie. Keystone

Die Unterschiede

Der Berner SVP-Mann Schnegg wurde von seiner eigenen Partei scharf kritisiert, was seine Corona-Massnahmen betrifft. Linke Politiker und Politikerinnen hingegen lobten ihn für einmal. Er mache seinen Job in der Krise grösstenteils gut, heisst es.

Man muss rasch und entschlossen handeln. Das kommt Schnegg entgegen.
Autor: Adrian VatterProfessor für Politikwissenschaft an der Universität Bern

«Es braucht Leadership-Fähigkeiten in der Krise», analysiert Adrian Vatter, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bern. Diese Fähigkeiten besitze Schnegg aus seiner Zeit als Unternehmer. «Dafür hat er in normalen Zeiten, eher Mühe – wenn nicht schnelle, sondern breit abgestützte Entscheide gefragt sind.»

Adrian Vatter

Adrian Vatter

Professor für Politikwissenschaft, Universität Bern

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Adrian Vatter unterrichtet an der Universität Bern. Er ist seit August 2009 Direktor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern und Inhaber der Professur für Schweizer Politik.

Die Zürcher SVP-Frau Rickli hingegen fährt einen anderen Kurs. Sie wird nicht von ihrer Partei, dafür aber von ihren Kolleginnen und Kollegen im Regierungsrat kritisiert, beziehungsweise ausgeschlossen. Bereits zu Beginn der Pandemie gab es einen Pandemie-Ausschuss – ohne die Gesundheitsdirektorin. Auch aktuell hat Rickli nicht viel zu sagen. Sie fühlt sich übergangen und kommuniziert das auch gegenüber Medien.

Rickli wird von ihrem Regierungskollegium nicht getragen.
Autor: Adrian VatterProfessor für Politikwissenschaft an der Universität Bern

«Rickli ist zwar eine erfahrene Politikerin, aber fast ohne Erfahrung im Gesundheitswesen», so Adrian Vatter. «Ihr sind handwerkliche Fehler unterlaufen, beispielsweise beim Contact-Tracing.» Grundsätzlich verfüge sie zwar über Krisenmanagements-Fähigkeiten. Der Unterschied zu Schnegg liege darin, dass sie von der restlichen Regierung nicht mitgetragen werde.

Die Bilanz

Bern zeigt sich laut Vatter geeint. Schnegg betont, man führe eine sehr engagierte Debatte im Regierungsrat. Er trage zwar die Meinung nach aussen, es sei aber eine Konsensmeinung, die vom gesamten Regierungsrat gefällt werde. In Krisensituationen müssten alle an einem Strick ziehen. «Schnegg hat eine Führungsrolle im Regierungsrat und er wird von seinen Kolleginnen und Kollegen getragen», so Vatter.

Bildvergleich

Regler nach links verschieben Regler nach rechts verschieben
Legende:Das sind die Regierungen Während sich die Zürcher Regierung links voneinander distanziert, tritt die Berner Regierung geschlossen auf.Béatrice Devènes / Staatskanzlei des Kantons Bern

In Zürich bleiben laut Vatter nach einem Jahr Corona Einzelkämpferinnen und -kämpfer in Erinnerung. Der Regierungsrat trete nicht als Einheit gegen aussen auf. «Es gibt verschiedene Beispiele, die zeigen, dass die Zürcher Regierung nicht als Team funktioniert», so Vatter.

Kein Kommentar

Kommentieren will die Zürcher Regierung diese Kritik gegenüber SRF nicht. Es sei zu früh für eine Bilanz, der Fokus liege auf der Bekämpfung der Pandemie.

Schweiz aktuell, 27.01.2021, 19:00 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Maier  (MaTo)
    bin stolzer Zürcher, doch muss ich zugeben dass wir in der Corona-Krise äusserst lächerlich dastehen. Wie viel dies an Rickli, an der Gesamtregierung oder am System der FöderalitisAkutis hängt ist zum heutigen Zeitpunkt schwer nach zu vollziehen.
    Alleine dass es aber Kantone gibt die trotz des föderalistischen Chaos gute Arbeit leisteten lässt unseren Kanton nicht sehr helle leuchten.
    Peinlich.
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Da scheint RR Natalie Rickli einfach zu gut beim Volk anzukommen mit ihrer offenen und zupackenden Art, ohne erst auf Einheitsmeinung lange zu warten, hinter der es sich so bequem vor Verantwortung verstecken lässt.
  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.E. unbedachtes SVP- gewuschel betreffend Ladenöffnungen etc. Ganz einfach ignorieren, am einfachsten bei den kommenden Wahlen und Abstimmungen.