Zwei Tote nach Erdrutsch im Tessin – Regen hält bis Dienstag an

Zwei Frauen sind unweit von Lugano unter den Trümmern ihres Hauses ums Leben gekommen. Dieses war von einem Erdrutsch erfasst worden. Weil es vorerst weiter regnen wird, bleibt die Gefahr von Erdrutschen im Tessin hoch.

Bei einem Erdrutsch in der Nähe von Lugano sind in am Sonntagmorgen zwei Frauen ums Leben gekommen. Nach heftigen Regenfällen habe die Schlammlawine ein dreistöckiges Wohnhaus zerstört, teilte die Tessiner Kantonspolizei mit.

Zwei Frauen im Alter von 34 und 38 Jahren konnten nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Ein 44-jähriger Italiener wurde lebensgefährlich verletzt und ins Krankenhaus gebracht, drei Personen wurden leicht verletzt. Eine weitere Person hat sich inzwischen bei der Polizei gemeldet und angegeben, sie sei zum Unglückszeitpunkt nicht Zuhause gewesen.

Das Unglück wurde durch eine Kettenreaktion ausgelöst. Die Mauer oberhalb des zerstörten Gebäudes in Davesco-Soragno sei durch die starken Regenfälle instabil geworden und schliesslich den Hang hinunter gestürzt. Der Einsturz habe eine Art Kettenreaktion hervorgerufen, sagte der mit der Untersuchung beauftragte Geologe Urs Lüchinger.

«Dieser Erdrutsch hat mit Menschenhand zu tun»

Die Mauer riss zusätzlich Schlamm und Geröll mit sich. Diese brachten dann das gesamte Gebäude am Hang zum Einsturz, wie Lüchinger weiter sagte. Damit handle es sich nicht um einen gewöhnlichen Erdrutsch, der aus «rein natürlichen Gründen» herbeigeführt wurde, so Lüchinger.

«Dieser Erdrutsch hat mit der Menschenhand zu tun im Gegensatz zum Erdrutsch Anfang Woche, bei dem ein Mutter mit ihrem Kind ums Leben kam», berichtet Daniel Schäfer. «Deshalb muss man auch die Verantwortlichkeiten klären.» Die Tessiner Staatsanwaltschaft leitete inzwischen eine Untersuchung zum Unglück ein.

Seen haben Höchststände

Das Tessin ist seit Tagen von schweren Regenfällen betroffen. Nach einer kurzen Verschnaufpause hatte in der Nacht auf Samstag erneut anhaltender Regen eingesetzt.

«Die Gefahr von Erdrutschen bleibt hoch», sagte Korrespondent Daniel Schäfer. Der Boden sei vielerorts komplett gesättigt, und eigentlich wäre deshalb dringend trockeneres Wetter nötig. «Doch Morgen ist wieder Regen angesagt, die beiden Seen – der Lago Maggiore und der Lago di Lugano – haben Höchststände erreicht, es kommt wieder Regen und Schneefall in den oberen Lagen. Da spürt man die Anspannung, das ist kein gutes Gefühl, dass man hier hat», so Schäfer.

Eine Besserung der Lage ist laut SRF Meteo erst für Dienstag in Sicht. Dann soll es wieder grösstenteils trocken und sonnig sein. Auch von Mittwoch bis Freitag geht es im Süden sonnig und trocken weiter. Der Seepegel des Lago Maggiore sinkt dann allmählich und wird die Gefahrenstufe 5 voraussichtlich ab Donnerstag unterschreiten.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Tessiner-Tourismus leidet unter schlechtem Wetter

    Aus Tagesschau vom 15.11.2014

    Laut Meteo Schweiz gab es im Tessin so wenig Sonnenschein wie seit 150 Jahren nicht mehr. Das schlechte Wetter widerspiegelt sich nun auch in den Zahlen des örtlichen Tourismus.