Rund 20 Bierfreude sitzen an einem Sommerabend im August in einem Zürcher Bierlokal. Alle haben ein kühles Blondes vor sich auf dem hölzernen Tisch. Vorne stehen die vier besten Bier-Sommeliers der Schweiz im schwarzen Jackett, ready to start.
Feinporige Biere und fassgereifte Säure
Es sind – wie beim Wein – Botschafter, die sich mit der Vielfalt und der Geschichte des Bieres auskennen und den Gast optimal beraten. Sie sind zusammengekommen, um für die Weltmeisterschaft am 27. September in Rimini zu trainieren. Heute steht die Paradedisziplin auf dem Probeplan, die Bierpräsentation.
Die Sommeliers müssen das Kultgetränk unter anderem richtig einschenken, geschmacklich beschreiben oder gutes Essen dazu empfehlen – eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn die Sommeliers müssen spontan reagieren, das Bier erhalten sie kurze Zeit vor ihrem Auftritt. Jeder Sommelier hat sieben Minuten Zeit für seine Präsentation. Die Kandidaten sprechen etwa über die «fassgereifte Säure» eines Biers oder beschreiben es als «feinporig».
An der WM müssen die Schweizer Meister die Biere zudem auch richtig zuordnen und Bierstile erkennen. Es bleibe noch viel zu tun bis Ende September, so der aktuelle Schweizer Meister Martin Droeser aus dem Baselbiet. «Natürlich geht es auch um Theorie. Wir müssen Fachliteratur lesen und Statistiken studieren, das gehört auch dazu.»
Erkältungen sind an der WM ungünstig
Bis jetzt hat noch keine Schweizer Nationalmannschaft an einer WM die Qualifikationsrunde überstanden. Aktuell trägt Deutschland den Weltmeister-Titel. Droeser hofft, dass es heuer besser läuft an der WM als bisher.
Wenn man verschnupft ist, ist das sehr ungünstig.
Wichtig sei, dass alle Sinne geschärft sind. «Wenn man verschnupft ist, ist das sehr ungünstig», so Droeser. «Jeder Sommelier wird schauen, dass er sich vorher schont.» Biere zu trinken und abzustürzen können sich die Schweizer Bier-Sommeliers an der WM also sicher nicht leisten – zumindest nicht vor ihrem Auftritt.