Im US-amerikanischen Minneapolis ist am Samstag ein Mann von Bundesbeamten erschossen worden. Der Tod des 37-jährigen Alex Pretti hat die Öffentlichkeit erschüttert und erfährt im Internet grosse Aufmerksamkeit. So kursieren online zahlreiche Videoaufnahmen zum Vorfall.
Im Rahmen der SRF-Themenwoche «Fakt oder Fake?» hat ein Zuschauer ein Foto eingereicht, das den Moment kurz vor den tödlichen Schüssen zeigen soll. Ist dieses Bild echt oder gefälscht? Um diese Frage soll es in diesem Faktencheck gehen.
Es ist plausibel, dass es sich bei dem Bild um einen Screenshot aus einem Augenzeugenvideo handelt, das in den Sozialen Medien vielfach geteilt wurde. Weil das ursprüngliche Video im Hochformat aufgenommen wurde und der Screenshot daraus zugeschnitten wurde, ist das Bild entsprechend unscharf.
Bei der Überprüfung von Screenshots aus Videos ist es unabdingbar, die Originalquelle zu finden. Das gelingt etwa mit einer Bild-Rückwärtssuche. Bei Social-Media-Posts lohnt sich aber auch der Blick in die Kommentare: Dort wird oft das ursprüngliche Video verlinkt. Der Nachrichtenagentur Reuters liegt das Originalvideo vor.
Das Reuters-Video zeigt den Vorfall ab dem Zeitpunkt, als sich das spätere Opfer mit erhobenen Händen zwischen einen Beamten und eine Demonstrantin stellt. Der Beamte setzt Pfefferspray ein. Nach einem Handgemenge mit mehreren Beamten wird Pretti gewaltsam auf den Boden gedrückt. Im Video ist zu sehen, wie ein Beamter seine Waffe zieht. Gleichzeitig sind Schüsse zu hören. Es ist der Moment, in dem der Screenshot gemacht wurde.
Irreführende KI-Versionen des Screenshots
Inzwischen gibt es vom plausiblen, unscharfen Screenshot weitere Versionen – und zwar solche, die schärfer sind und wo vermeintlich Details wie etwa Gesichter besser zu erkennen sind.
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Bild 1 von 3. Diese KI-manipulierte Aufnahme kursiert im Internet. Dem knienden Beamten rechts fehlt der Kopf. Bildquelle: Bluesky/evapunkt.bsky.social.
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Bild 2 von 3. In dieser Version hat das Opfer keinen Bart mehr. Auch die Kleidung ist verändert. Bildquelle: Facebook/Ohio Citizens Against Donald Trump.
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Bild 3 von 3. Ein ursprünglicher Screenshot der Videoaufnahmen aus Minneapolis. Bildquelle: Bluesky/Zentrum für Politische Schönheit.
Der Verdacht liegt nahe, dass hier jemand mit KI nachgeholfen hat. Und tatsächlich: Beim genaueren Hinsehen fallen typische KI-Fehler im Bild auf:
- Der kniende Beamte rechts im Bild hat keinen Kopf. Die KI hat dafür den Arm des stehenden Beamten ergänzt – sogar mit Details wie einem Ring am Finger.
- Je nach Version, die mit KI bearbeitet wurde, unterscheiden sich etwa die Farbe der Kleidung oder einzelne Merkmale wie Aufnäher. In einem Beispiel fehlt sogar der Bart des Opfers. Zudem trägt es keinen Pullover mehr, sondern eine Art Schutzweste.
- Beim Logo und Schriftzug des Ladens im Hintergrund halluziniert die KI komplett und erfindet einen Namen, der sich nur schwer entziffern lässt.
- Im Originalbild ist die aufgestützte Hand des Opfers gar nicht erkennbar. In einer Version mit KI-Überarbeitung sind die einzelnen Finger sichtbar.
Die Beispiele zeigen, wie problematisch Bildbearbeitung durch KI ist. Echte Bilder werden damit vermeintlich «schärfer gestellt», tatsächlich erfindet die KI Bildinhalte, die im Original nicht vorhanden sind. Deshalb ist bei Bildern im Internet grosse Vorsicht angebracht, und es ist wichtig, die Ursprungsquelle zu finden.