Die Videos auf Social Media strahlen viel Ruhe aus: Ein älterer ostasiatischer Mönch sitzt mit gekreuzten Beinen in einem Garten oder in einem Tempel. Vor ihm liegt ein grosses aufgeschlagenes Buch. Und in all seinen Videos gibt er seinen Millionen von Followern einen Ratschlag oder eine Inspiration weiter.
So sagt er beispielsweise: «Ich sehe, wie müde du bist. Nicht nur körperlich, sondern auch dort, wo das Herz alles zusammenhält. Du trägst mehr mit dir herum, als du zeigst.» Manchmal spricht er die Zuschauer mit «mein Kind» an. Die Botschaften sind positiv und allgemein gehalten, basieren jedoch auf östlichen Traditionen – insbesondere dem Buddhismus, wie die Kleidung und Statuen im Hintergrund einiger Videos zeigen.
Yang Mun ist vor allem auf Instagram beliebt, wo zwei Profile 2.5 Millionen beziehungsweise 1 Million Follower haben. Auf Facebook hat eine Seite von Yang Mun 1.4 Millionen Follower.
Soweit scheint alles in Ordnung zu sein. Nur: Yang Mun ist nicht real. All seine Videos sind vollständig mit Künstlicher Intelligenz generiert und wurden mit Google-Software erstellt, wie Googles eigener KI-Detektor SynthID bestätigt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Personen mit medizinischer oder spiritueller Qualifikation etwas mit dem Projekt zu tun haben.
Die grosse Zahl an Followern, die die Marke Yang Mun angesammelt hat, und auch zahlreiche Kommentare lassen vermuten, dass viele seiner Anhänger nicht wissen, dass Yang Mun KI-generiert ist. Anderen ist das vielleicht egal. Seine Botschaften sind motivierend, inspirierend und relativ vage.
Gute Einnahmequelle für den Urheber
Aber diese irreführenden Inhalte stellen eine bedeutende Einnahmequelle für den Urheber dar: Neben den potenziellen Einnahmen aus den Aufrufen in den sozialen Medien werden auf der Website von Yang Mun auch eine Reihe von E-Books zum Kauf angeboten, die bisher laut Website bereits über 7000-mal verkauft worden sein sollen.
Auf der Website gibt es keine klaren Informationen darüber, wer hinter der Marke Yang Mun steht, aber Online-Recherchen liefern einige Hinweise. Am 9. Dezember 2025 wurde auf «Yahoo Finance» ein Artikel publiziert, der als «bezahlte Pressemitteilung» bezeichnet wird. Darin werden die Vorzüge dieser «Bewegung, die Millionen Menschen weltweit erreicht» gelobt, während die Leser dazu aufgefordert werden, ein Yang-Mun-Buch zu kaufen.
Urheber äussert sich nicht
Veröffentlicht wurde der Artikel von Shalev.H Marketing. Es scheint sich dabei um einen Verweis auf Shalev Hani zu handeln, der sich auf LinkedIn als «Digital Creator & AI Storyteller» mit Sitz in Israel beschreibt. Auf eine Anfrage von Eurovision News Spotlight wollte sich Shalev Hani nicht zur Figur Yang Mun äussern.
Künstliche Intelligenz ist mittlerweile in fast allen Bereichen der digitalen Welt zu finden, aber das Subgenre der KI, das spirituelle oder psychologische Beratung anbietet, wirft besondere ethische Fragen auf.