Chat-Protokoll:
Wie kann man bei dieser Hitze sinnvoll Sport treiben, wenn bereits am Vormittag Temperaturen um die 30 °C erreicht werden?
Samuel Lüthi: Es macht Sinn, während Hitzewellen sportliche Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden zu verlegen, auch wenn wir darum unseren Alltag etwas anpassen müssen. Und man darf ja auch mal ein paar Tage Pause machen, um die Grenzen seines Körpers zu respektieren.
Gibt es Forschung zu der Wirkung der Hitze auf unser Gehirn und Denken?
Christine Blume: Sehr hohe Umgebungstemperaturen können auch die mentale Gesundheit negativ beeinflussen, ja. Studien zeigen, dass es beispielsweise einen Zusammenhang mit Depression aber auch Angststörungen gibt. Viele Studien zeigen auch einen Zusammenhang mit aggressivem Verhalten und Gewalt. Wir wissen ausserdem, dass schlechter Schlaf hier eine Rolle spielen kann.
Kann eine wiederholte Hitzebelastung langfristige gesundheitliche Folgen haben, auch ohne Hitzschlag?
Samuel Lüthi: Menschen, die regelmässig hoher Hitzebelastung ausgesetzt sind – zum Beispiel, weil sie auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeiten – haben vermehrt Nierenbeschwerden. Diese können sich auch erst Jahre später bemerkbar machen.
Bei Alkohol ist der Fall klar, aber sollte man auch bei Koffein etwas beachten?
Christine Blume: Das wäre mir nicht bekannt. Als Daumenregel empfehle ich jedoch, 6-8 Stunden vor dem Schlafengehen die letzte Tasse Kaffee, Tee oder die letzte Mate zu trinken, um den Schlaf nicht zu stören.
Auch wenn Menschen sich hinsichtlich der Empfindlichkeit gegenüber Koffein teils deutlich unterscheiden und manche auch vom Espresso nach dem Abendessen nichts merken, wäre ich bei Hitze eher vorsichtig, da die Hitze das Schlafen sowieso erschwert.
Denken Sie, dass wir in der Schweiz die Hitze noch viel zu stark unterschätzen? Ich sehe fast keine Verhaltensänderungen bei der Bevölkerung. Werden wir zu wenig sensibilisiert?
Samuel Lüthi: Ich denke, es hat sich viel bewegt in den letzten Jahren und es wurden viele Projekte angestossen, aber als Schweiz sind wir nicht gut gewappnet und viele Auswirkungen der Hitze sind nicht ausreichen verstanden.
Als Land sind wir deutlich besser darin, mit kalten Winter umzugehen, als mit heissen Sommer. Unsere Wohnungen, unsere Spitäler und unsere Schulen überhitzen relativ schnell. Viele Menschen sollten selbst während einer Hitzewelle ganz normal weiterarbeiten, obschon die Belastung einiges höher ist.
Von Senioren aus meinem Umfeld habe ich gehört, dass sie sich während Hitzewellen einfach zu Hause einschliessen, weil sie nicht wissen, wohin sie gehen können. Aus anderen Ländern wissen wir zudem, dass häusliche Gewalt und Kleinkriminalität während Hitzewellen zunehmen. Ich denke entsprechend, dass Ihre Besorgnis berechtigt ist.
Ich habe gelesen, dass die Schweiz zu den Ländern gehört, in denen die Temperaturen am schnellsten steigen. Warum ist das so, falls sie das beantworten können? Es bereitet mir etwas Sorgen
Isabel Baumann: Im Vergleich zum globalen Durchschnitt steigen die Temperaturen in Europa gesamthaft überdurchschnittlich schnell an. Laut Meteo Schweiz und der Broschüre «Klima CH2025» gibt es zwei Effekte, die die global überdurchschnittliche Zunahme der Temperaturen erklärt: Erstens, ist die Erwärmung über Land grösser als über den Ozeanen.
Zweitens nimmt die Erwärmung auf der Nordhalbkugel gegen den Pol hin zu. Dabei spielt der Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung eine wichtige Rolle. Als Teil der Landmasse der mittleren nördlichen Breiten wirkt sich dieser Effekt auf die Schweiz aus. Auch in Zukunft ist in der Schweiz ein stärkerer Temperaturanstieg als im globalen Mittel zu erwarten.
Hinzu kommt, dass die Flora und Fauna in den Alpen besonders vulnerabel auf den Klimawandel sind. Das bringt zusätzliche Herausforderungen.
Beim Gehen wird es mir schwindlig. Ich vermute schuldig ist die Hitze ist .Ich trinke circa 2 Liter im Tag. Was kann ich sonst noch machen? Besten Dank für die Antwort.
Christine Blume: Ich empfehle Ihnen, den Schwindel hausärztlich abklären zu lassen.
Ich habe lange in Spanien gelebt aber leide in der Schweiz viel mehr. Ist das die Luftfeuchtigkeit, der warme Wind oder einfach auch, weil ich älter geworden bin? Sonst habe ich in meinem Lebensstil nicht viel geändert. Ausser dass das Essen halt zu anderen Zeiten stattfindet
Christine Blume: Es ist bekannt, dass ältere Menschen stärker durch hohe Umgebungstemperaturen beeinträchtigt werden.
Auch die anderen Faktoren, die Sie nennen, können jedoch eine Rolle spielen, ebenso wie der gesellschaftliche Rhythmus: das Leben verlagert sich auf später am Tag, eine Siesta ist möglicherweise akzeptierter und verbreiteter.
Ich (w, 31) habe bei Hitze schnell Probleme mit den Beinen/Füssen. Die schwellen fest an und bei sportlicher Aktivität bekomme ich einen Ausschlag. Was kann ich dagegen tun? Und hat es etwas mit dem Bindegewebe zu tun?
Christine Blume: Dies kann verschiedene Ursachen haben. Ich würde Ihnen empfehlen, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.
Ich wohne an Hanglage. Meine Zimmer sind alle gegen Süden ausgerichtet und werden ab dem frühen Morgen konstant mit Sonne versorgt. Aufgrund der Lage habe ich kein Wind und lüften bringt nichts da die Rollläden aufgeheizt sind. Ich habe noch um 22 Uhr 28 Grad im Schlafzimmer. An Schlaf ist nicht zu denken. Kein Ventilator und kein Vorhang hat irgendetwas gebracht.
Christine Blume: Die Empfehlung, am Tag alles zu zu machen (Fenster, Rollladen, etc.) und nur in der Nacht zu lüften, beachten Sie schon.
Vermutlich kommt auch nicht nur durch die Fenster Wärme herein, sondern auch das Mauerwerk wird aufgeheizt und gibt die Wärme in der Nacht ab.
Langfristig und falls überhaupt möglich, könnte man versuchen, die Aussenmauern zu begrünen. Für den Moment kann ich abgesehen von einer Klimaanlage allerdings nur Tipps geben, mit denen man den Körper selbst am Abend etwas besser abkühlen kann. Dies ist notwendig, um gut/besser einschlafen zu können.
Eine lauwarme Dusche oder ein entsprechendes Fussbad, eine Wärmflasche, die tagsüber im Kühlschrank lag, oder kühlende Matten aus dem Tierbedarf.
Es gibt auch Matratzen, die eine kühlende Gel-Schicht haben und sich in mehreren Studien (eine davon bei warmen Umgebungstemperaturen) positiv auf den Schlaf ausgewirkt haben, aber auch das ist natürlich eine Investition. Klar ist jedoch auch: umso höher die Umgebungstemperatur, umso weniger hilfreich sind diese Strategien.
Vielleicht ist die Frage etwas zu politisch aber denken Sie, dass12 Sogar von den skeptischsten Menschen lese und höre ich mittlerweile, dass die Hitze zu viel sei. Ich hoffe, dass jetzt auch mehr autofreie Städte zum Beispiel möglich sind oder einfach schon mehr Grünflächen.
Samuel Lüthi: Ich war an einer Studie unter der Leitung von Viktoria Cologna beteiligt, die sinngemäss ihrer Frage nachgeht. Dabei hat sich herausgestellt, dass bloss das Erleben eines Klimaextremes (wie z.B. einer Hitzewelle) nicht ausreicht, um ambitioniertere Klimagesetzgebung zu unterstützen. Sondern man muss zusätzlich auch noch für sich selbst das Klimaextrem dem Klimawandel zuschreiben (man spricht von «subjective attribution»), damit man ambitioniertere Gesetzgebung unterstützt.
Entsprechend ist es wichtig, die Verbindung der Hitzewellen zur Klimakrise immer wieder aufzuzeigen. Grundsätzlich muss man aber auch sagen, dass Umfragen wieder und wieder zeigen, dass die grosse Mehrheit für ambitionierteren Klimaschutz ist – man ist sich nur uneinig, wie dieser im Detail aussehen soll.
Wie beeinflusst anhaltende Hitze nachweislich die Konzentrationsfähigkeit sowie die kognitive Leistungsfähigkeit bei Wissensarbeit, und welche wissenschaftlich fundierten Kurzzeit-Strategien helfen am effektivsten im Büro- oder Studiumsalltag, um Leistungseinbrüche zu verhindern?
Isabel Baumann: Studien zeigen, dass die kognitive Leistungsfähigkeit durch Hitzeexposition eingeschränkt ist, die Reaktionszeit zunimmt sowie häufiger Fehler entstehen. Insbesondere komplexe Tätigkeiten werden durch Hitze negativ beeinflusst.
Was kurzzeitig hilft, um Leistungseinbrüche zu verhindern, kann man nicht pauschal beantworten und hängt von der individuellen Situation ab.
Wichtig ist, dass man sich vor Hitze schützt (z.B. an kühlen Orten bleibt oder den Aufenthaltsort kühlt) oder, wenn das nicht geht, den Körper so gut wie möglich regelmässig kühlt. Zudem ist ausreichendes Trinken für die kognitive Leistungsfähigkeit zentral.
Wie kann man sich nicht nur körperlich sondern auch psychisch bei dieser Hitze etwas abkühlen? Vielen Dank für Ihren lieben Rat.
Christine Blume: Es gibt in vielen Städten Orte, die als kühle Räume sogar gelistet sind (z.B. auf entsprechenden Webseiten des Kantons). Das können Bibliotheken, aber auch Cafés mit Klimaanlage o.ä. sein.
In Basel gewähren auch manche Museen kostenfreien Einlass, gegebenenfalls gibt es das auch in anderen Städten. Bei der Arbeit gibt es eventuell Räume, die kühler sind als andere, zum Beispiel einen Raum im Keller oder einen klimatisierten Raum.
Kaltes Wasser über die Unterarme laufen zu lassen oder einen kalten Waschlappen oder Coolpack aus dem Kühlschrank in den Nacken zu legen, kann ebenfalls hilfreich sein.
Wenn Sie merken, Sie ärgern sich akut mehr über etwas als sonst, atmen Sie ein paar Mal tief in den Bauch. Das sorgt schnell für Entspannung. Aus Basler Perspektive empfehle ich auch ein Bad im Brunnen: kostet nichts und das Wasser ist auch bei hohen Umgebungstemperaturen kalt :).
Ist eine kalte Dusche vor dem Schlafengehen sinnvoll? Was halten sie von der Idee? Oder wird man dann eher wieder wacher?
Christine Blume: Ich würde nicht zu kalt duschen, vor allem auch, weil es sein kann, dass der Körper dann mit Wärmeproduktion reagiert. Auch kann das, wie Sie schreiben, eher wach machen. Besser ist eine lauwarme Dusche, wenn man sich nicht abtrocknet, hat man noch den kühlenden Effekt des verdunstenden Wassers auf der Haut.
Im Bett empfehle ich eine «Kühlflasche», also eine mit Wasser gefüllte Wärmflasche, die man tagsüber in den Kühlschrank legt. Auch ein Ventilator kann in der Nacht Erleichterung verschaffen.
Ich gehe gerne über Mittag joggen und merke nicht viel von der Hitze. Sollte ich trotzdem vorsichtiger sein weil ich bin mir nie ganz sicher, ob es die beste Idee ist, auch wenn mein Körper keine «Alarmsignale» sendet.
Samuel Lüthi: Es macht Sinn während Hitzewellen sportliche Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden zu verlegen auch wenn wir darum unseren Alltag etwas anpassen müssen.
Ich denke, in der Schweiz sollten wir uns daran gewöhnen, «Hitze» als etwas potenziell Gefährliches zu sehen und nicht einfach als «Badiwetter».
Die Hitze führt bei mir oft zu depressiver Verstimmung. Ich fühle mich nach längeren Hitzeperioden emotional erschöpft. Das führt, dazu, dass ich schon bei Ankündigung einer Hitzewelle stark angespannt bin. Ich fühle mich der Hitze ausgeliefert und kann nichts dagegen tun. Wie kann ich gelassener mit der Hitze umgehen?
Christine Blume: Dass sich psychische Symptome bei der Hitze verstärken, ist bekannt, Sie sind damit nicht allein. Vielleicht können Sie sich zunächst fragen, was genau Sie nervös und angespannt macht. Ist es die Hitze tagsüber in der Wohnung oder im Büro oder die Tatsache, dass Sie vielleicht nicht so gut schlafen. Oder ziehen Sie sich eher zurück, treffen weniger Menschen? Das hilft, um konkretere Strategien zu entwickeln.
An manchen Orten gibt es klimatisierte Räume, z.B. Cafés oder Bibliotheken, an denen man Zeit in einem angenehmeren Raum (und nicht alleine) verbringen kann. Für den Schlaf habe ich bei einer anderen Frage bereits Tipps gegeben. Wenn es der soziale Rückzug ist, der Ihnen zu schaffen macht, vielleicht gibt es einen Park, in dem Sie Menschen am Abend treffen können – dort ist es aufgrund der Bäume oft angenehmer. Vergessen Sie auch nicht, sich für jeden überstandenen Hitze-Tag etwas Gutes zu tun, gut nach sich zu schauen.
Wenn Sie das Gefühl haben, die depressiven Gedanken werden stärker, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Alles Gute für Sie!
Ist die pauschale Empfehlung, möglichst viel zu trinken, wissenschaftlich haltbar, oder birgt sie Risiken? Manchmal wird auch empfohlen lauwarm zu trinken, stimmt das oder ist das ein Ernährungsmythos?
Isabel Baumann: Die Empfehlung ist, mindestens 1.5 Liter pro Tag zu trinken, bei Anstrengung 2-3 Liter. Bei Herz- oder Nierenschwäche sollte die Trinkmenge ärztlich abgeklärt werden. Wichtig ist das regelmässige Trinken.
Bei körperlich anstrengender Arbeit/Aktivität empfiehlt die Suva hierzu pro Stunde 2-3 Mal 2-5 dl zu trinken.
Bei grosser Hitze und grosser Anstrengung werden kühle Getränke empfohlen, diese kühlen den Körper. Die Getränke sollten aber angenehm kühl sein, damit die Trinkmenge nicht aufgrund der Kälte eingeschränkt wird.
Wie kann man bei grosser Hitze in Berufen mit formeller Kleidung (Anzug, Sakko, etc.) leistungsfähig bleiben, wenn es keine klimatisierten Räume gibt? Gerade in längeren Meetings oder Verhandlungen merke ich, dass meine Konzentration stark nachlässt, obwohl ich ausreichend trinke und esse. Welche Strategien helfen in dieser Situation – sowohl kurzfristig während eines Termins als auch langfristig?
Isabel Baumann: Ein erster möglicher Ansatz sind regelmässige Pausen. Die Faustregel ist, pro Stunde 10 min Pause an einem kühlen Ort zu machen. Ein zweiter möglicher Ansatz sind Ventilatoren. Die Zirkulation der Luft verschafft Abkühlung.
Wie kühle ich am besten meine Dachwohnung mit Dachfenstern?
Samuel Lüthi: Ich wohne selber auch in einer Dachwohnung und scheitere auch daran. Was bei uns hilft: Über Nacht die Fenster offen lassen und tagsüber direkte Sonneneinstrahlung vermeiden (am besten mit Sonnenstoren).
Ein Deckenventilator kann ausserdem ein angenehmer (und leiser) Luftstrom erzeugen, damit die gefühlte Temperatur beim Schlafen zumindest etwas erträglicher wird. Aber teilweise reicht das alles auch nicht aus...
Ich möchte in meiner Mietwohnung eine Split-Klimaanlage aufstellen. Mein Vermieter stellt sich quer. Wie kann ich ihn von der neuen thermischen Technik überzeugen? Er argumentiert das man sich nur erkälte und ich meine spirituellen Rituale woanders organisieren soll. Vielen Dank für ihre Hilfe
Felix Graf: Diese Frage würde ich an eine Organisation wie den Schweizerischen Mieterverband richten, die sich mit ähnlichen Fällen auskennt. Hier finden Sie einen direkten Verweis auf die Informationsseite des Mieterverbandes zu Ihrer Frage und hier auf ein Bundesgerichtsurteil, das kürzlich in den Medien zitiert wurde, um auf die Rechte wie beispielsweise auf eine Mietzinsreduktion im Falle überhitzter Wohnungen aufmerksam zu machen.
Denken Sie dass wir in der Schweiz auch mal über den Zeitpunkt der Mahlzeiten nachdenken müssen? Wir bei der Arbeit müssen immer um 12 Uhr gehen aber ich fühle mich danach immer sehr schlapp.
Christine Blume: Gerade wenn auch der Schlaf durch die hohen Temperaturen beeinträchtigt wird, kann das Mittagstief stärker ausfallen. Eine eher leichte Mahlzeit kann hilfreich sein, um dies zu verhindern. Wenn man den Eindruck hat, dass besonders ein relativ frühes Mittagessen das Mittagstief verstärkt, sollte man sicher versuchen, ob das zu einem anderen Zeitpunkt weniger der Fall ist.
Alternativ könnte auch eine kleine Ruhepause bzw. «Siesta» oder sogar ein Powernap helfen. Auch Bewegung oder Arbeiten im Stehen oder Kälte (z.B. kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen) kann helfen, das Mittagstief schneller zu überwinden.
Ich lese oft, dass Mineralwasser oder Elektrolytgetränke besser sind für die Hydration als «reguläres» Wasser. Stimmt das, spielt das überhaupt eine Rolle? Oder sollte man tatsächlich eher normales Wasser trinken?
Isabel Baumann: Laut den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ist Leitungswasser ideal. Es kann mit Obst, Gemüse und Kräutern ergänzt werden. Mineralwasser, verdünnte Apfelschorlen und Kräuter- oder Früchtetees werden auch empfohlen.
Elektrolytgetränke sind in der Regel nur bei ausserordentlich starkem Schwitzen und damit verbundenem ausserordentlichen Mineralverlust empfohlen.
Welche Personengruppen unterschätzen ihr Risiko bei Hitze besonders häufig obwohl sie gesund erscheinen? Gibt es da neben Schwangeren und Älteren noch andere?
Samuel Lüthi: Genau, ältere Menschen und Schwangere sind sicher speziell betroffen. Dazu kommen aber noch einige mehr: z.B. Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel MS. Dazu kommen auch junge und gesunde Menschen, welche die Hitze unterschätzen.
Zum Beispiel beim Freizeitsport oder beim Feiern (und dem damit verbundenen Konsum von Alkohol/Substanzen).
Die Symptombekämpfung ist Willkommen, doch welche Massnahmen müssten getroffen werden um die Ursache in den Griff zu bekommen, und ist die Umsetzung dieser in einem kapitalistischen System nicht wahnsinnig unrealistisch? Wie viel schlimmer wollen wir es noch werden lassen?
Felix Graf: Sie sprechen einen wunden Punkt an, denjenigen der Ursachen für die gegenwärtige Hitze. Die Wissenschaft ist sich einig, dass derartige Extremtemperaturen und die Trockenheit erst durch den menschengemachten Klimawandel in diesem Ausmass möglich wurden.
Da sich das kapitalistische Wirtschaftssystem historisch massgeblich über die Nutzung von fossilen Energien entwickeln konnte (und sich global gesehen auch weiterhin darauf basierend entwickelt) ist hier eine Hauptursache für den Klimawandel zu sehen.
Wir haben uns als Gesellschaft durch diese Art des Wirtschaftens, die stetiges Wachstum meist über den Erhalt von Umwelt, Lebensgrundlagen und Klima stellt, selbst in diese Situation manövriert. Wir wissen dies zudem schon lange und können deshalb meines Erachtens auch wieder herausfinden. Dafür braucht es allerdings dringend gezielte politische Massnahmen, wirtschaftliches Umsteuern und auch Veränderungsbereitschaft in der Bevölkerung.
Hitze und Trockenheit und weitere Folgen des Klimawandels betreffen uns alle (mehr oder weniger) stark. Wir sollten alle ein Interesse an einem Erhalt guter Lebensgrundlagen haben und können uns entsprechend unseren Möglichkeiten für menschen- und klimagerechten sozialen Wandel engagieren.
Wie verändert sich der generell unser Nähr-/Mineralstoffbedarf bei wiederholten Hitzewellen, gibt es langfristige Anpassungen oder regeneriert sich der Körper immer wieder nach extremer Hitze?
Samuel Lüthi: In den meisten Fällen regeneriert sich der Körper sehr gut zwischen zwei zeitlich getrennten Hitzewellen. Es gibt aber einige Symptome, gerade bei Nierenfunktionen, die sich bei regelmässiger Hitzeexponierung akkumulieren.
Davon sind oftmals Menschen betroffen, die über Jahre bei heissen Bedingungen strenge körperliche Arbeit verrichten.
Ich habe am meisten Probleme mit dem Schlaf bei der Hitze (leichter Schlaf, nächtliches Erwachen). Fenster offen halten hilft leider in städtischer Umgebung nur bedingt, wie auch nur ein Duvetbezug verwenden. Gibt es evidenzbasierte Massnahmen, die für besseren Schlaf helfen?
Christine Blume: Die Effekte von Hitze auf den Schlaf sind gut belegt. Das liegt daran, dass der Körper am Abend abkühlen muss, damit wir gut einschlafen können. Dies geschieht hauptsächlich über Wärmeabgabe über feine Gefässgeflechte in den Händen und Füssen. Hohe Umgebungstemperaturen behindern diese Wärmeabgabe.
Dementsprechend empfehle ich eine lauwarme Dusche am Abend oder ein lauwarmes Fussbad.
Was auch hilfreich sein kann, ist eine «Kühlflasche»: Eine Wärmflasche mit Wasser befüllen und tagsüber in den Kühlschrank legen. Aus dem Tierbedarf gibt es auch kühlende Matten, die angenehm sein können (da steht meistens «wird durch Druck aktiviert» o.ä.). Diese beinhalten ein Gel, was Wärme gut aufnehmen kann, sodass diese vom Körper weggeleitet wird.
Ein feuchtes Handtuch aufzuhängen kann über die Verdunstung für etwas Kühlung sorgen, allerdings sollte es nicht zu feucht im Raum werden, denn feuchte Hitze ist natürlich noch unangenehmer als «nur» Hitze. Am Tag kann man möglicherweise den beeinträchtigten Nachtschlaf auch durch einen Powernap ausgleichen, wenn man diese Möglichkeit hat.
Soll man bei Hitze mehr Salz zu sich nehmen oder ist das nicht nötig, weil wir eh zu viel Salz regulär konsumieren?
Felix Graf: Ja, besonders Salz mit Jod wird empfohlen.
Welche Warnzeichen sollte man beachten, die auf eine Hitzeerschöpfung, einen drohenden Kollaps hindeuten? Oder kann man plötzlich kollabieren und sollte generell sehr vorsichtig sein?
Samuel Lüthi: Warnzeichen sind typischerweise Kopfschmerzen, leichter Schwindel, teilweise Übelkeit und erhöhter Puls. Wenn man das feststellt, ist es sicher sinnvoll rasch einen kühlen Ort aufzusuchen und sich hinzusetzten.
Ein plötzlicher Kollaps ohne derartige Vorzeichen tritt sehr selten auf. Kann aber gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen oder während intensiver sportlicher Aktivität vorkommen.