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Bundesratswahlen Widmer-Schlumpf ist weg – Blocher ist immer noch da

Die Abwahl von Bundesrat Blocher war für die SVP ein fast traumatisches Erlebnis. Das kann sie jetzt nach dem Rücktritt von Eveline Widmer-Schlumpf wieder wettmachen. Der zweite Bundesratssitz ist in Reichweite. Die langfristige Rechnung des Chefstrategen ist aufgegangen. Eine Nachwahlbetrachtung.

Die Zeit von Eveline Widmer-Schlumpf ist um. Das Image der gewieften, kompetenten Finanzpolitikerin, das ihre Amtszeit prägte, hatte sie schon 2007, und es trug ganz sicher zur ihrer Wahl als Bundesrätin bei.

Entscheidend war damals aber etwas anderes: Sie war das personalisierte Gegenprogramm zu Christoph Blocher. Die Kritik an seinem Stil und am Inhalt seiner Politik, die schon lange gegärt hatte, war zu einem starken allgemeinen Überdruss geworden. Und darum war das tadellose Image der Bündner Magistratin damals vor allem dies: Das Instrument, mit dem sich die Abwahl Christoph Blochers orchestrieren liess.

Der Stratege wirkt wie eh und je

Nun ist sie wieder weg. Und er ist noch immer da. Wer damals glaubte, dem Ende einer Ära beizuwohnen, oder wenigstens dem Anfang davon, lag falsch. Im eben gewonnenen Wahlkampf der SVP zog er die Fäden mit. Und nun, da die Kandidaten für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf positioniert und ausgewählt werden, zieht er die Fäden selbstverständlich auch. Wie je.

Nein, aus dem zornigen Verlierer von 2007 ist kein verbitterter Übervater im Vorruhestand geworden, sondern er ist der Kopf der SVP-Strategie und Taktik geblieben. Bis jetzt. Und «jetzt» heisst: Die SVP hat den Verlust der BDP-Leute von damals mehr als kompensiert, sie ist so stark wie nie zuvor. So stark wie keine Partei, seit es Proporzwahlen gibt.

Mitte nutzte Intermezzo nicht

Und «jetzt» heisst auch: Der Versuch der Mitte, einen gemeinsamen Boden für einen politischen Anspruch auf einen Bundesratssitz zu finden, ist noch immer ohne Kontur und bestenfalls bis auf weiteres vertagt – trotz acht Jahren Bundesratspräsenz von Eveline Widmer-Schlumpf.

Von da aus sieht die zeitgeschichtliche Zwischenbilanz nach ihrem Rücktritt wie folgt aus: Ihre Wahl und Wiederwahl waren geniale Erfolge in politischen Blitz- Schachspielen. Doch im Blick auf die langsamen, tiefen Verwandlungen der politischen Landschaft war die Zeit mit Eveline Widmer-Schlumpf im Bundesrat eine Episode in der Ära, die 1992 mit dem EWR begann und die nach EWS ganz sicher weitergeht. Wohl für lange.

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65 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Schär (Emmental)
    Frau Widmer-Schlumpf ist als gewählte SVP-Vertreterin zurückgetreten ( Die SVP ist für den Partei-Rauswurf selbst verantwortlich. Ja und nun verstehe ich das ganze Theater nicht. Durch den Rücktritt ist nun ein neuer Bundesrat zu wählen. Wie eh und je macht die Partei ihre Vorschläge und vielleicht wird einer der vorgeschlagenen Kandidaten gewählt. Spielchen gab es von allen immer. Sollte später ein anderer Bundesrat zurücktreten ist es doch ganz normal, dass das 2:2:2:1 überdacht werden muss.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Im Gegensatz zu CB, darf EWS erhobenen Hauptes dieses Gremium verlassen.Sie hat, dies auch im Gegensatz zu Blocher nicht nur Staub aufgewirbelt & grosse Töne gespuckt was alles «falsch» läuft,nein sie hat beharrlich für die CH gearbeitet. UBS Krise,in den Verhandlungen mit den USA hat sie grösseren Schaden von diesem Land abgewendet & sie war nie ausfällig geworden (im Gegensatz zu Blocher)! Sie hätte auch Respekt von der SVP verdient,doch die können wie immer nicht über ihren Schatten springen!
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      N. Bächler möchte einmal eine ganz ehrliche Antwort.War den diese hinterhältige Wahl,durch SP und CVP eine würdevolle Art und Weise,die mit viel Respekt gegenüber einem amtierenden Bundesrat vorgingen?War es Respektvoll,dass man innerhalb 1 Mt. EWS zur Schweizerin kürte,aus was war der Grund?Wüste nicht wie N.B. reagieren würde, wenn man der S.S. SP einen andern Kandidat der SP, durch SVP,CVP wählen würde ohne zu wissen,ob man dies dann auch so würdevoll sieht. Hoffe Sie verstehen was ich meine
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Das unwürdige Verhalten der SVP wird noch viele Politiker & Bürger erreichen!Was dieser EWS 8 lange Jahre Steine in den Weg gelegt worden sind, spottet jeglicher Beschreibung.Ein Mitkommentator hat es treffend formuliert: DIE SVP IST DIE EINZIGE PARTEI DIE ES GESCHAFFT HAT SICH DEM NIVEAU IHRER STAMMTISCH-ZIELGRUPPE ANZUPASSEN! -Das EWS-Bashing der SVP kann man nur als dunkles Kapitel zu den Akten legen. Erschreckend ist hingegen auch, dass viele Bürger diesem niveaulosen Spiel Beifall zollten.
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