Nur die beiden bisherigen Regierungsräte Esther Gassler (FDP) und Peter Gomm (SP) haben im ersten Wahlgang am 3. März den Einzug in die Solothurner Regierung geschafft. Um die restlichen drei Sitze kämpfen am Sonntag noch vier Kandidierende.
Die CVP will ihre beiden Sitze verteidigen. Sie tritt mit Handelskammer-Direktor Roland Fürst und mit dem vor allem in der Region Solothurn bekannten Roland Heim an. Die FDP will ihren Sitz mit dem einzigen Kandidaten aus dem Schwarzbubenland, Remo Ankli, verteidigen. Den beiden etablierten Parteien bläst im zweiten Wahlgang aber ein eisiger Wind entgegen.
Brigit Wyss ist die Überraschung
Bereits im ersten Wahlgang sorgten nämlich die Grünen für eine veritable Überraschung. Ihre Kandidatin Brigit Wyss erzielte das viertbeste Resultat, direkt hinter den beiden Wiedergewählten und CVP-Spitzenkandidat Fürst. Wyss konnte über die Parteigrenzen hinaus überzeugen, profitierte vielleicht auch von einer Art «Frauen-Bonus».
Im zweiten Wahlgang hat die ehemalige Nationalrätin reelle Chancen: Immerhin ist sie die einzige Kandidatin aus dem linksgrünen Lager. Die SP hatte ihre zweite Kandidatur Andreas Bühlmann nach einem enttäuschenden Resultat im ersten Wahlgang nämlich zurückgezogen.
Schafft es Brigit Wyss am Sonntag in die Kantonsregierung, dann ist die Überraschung perfekt. Ihre Partei wäre damit zum ersten Mal in der Solothurner Regierung vertreten. CVP oder FDP müssten dann einer ihrer beiden Sitze abgeben.
Die FDP hält seit 61 Jahren zwei Sitze in der Regierung. Bis 1952 hatte die FDP drei Sitze, bis 1917 vier und bis 1887 sogar alle fünf Sitze belegt. Dagegen verlor die CVP bereits 2003 ihren zweiten Sitz an den eher glücklos agierenden Regierungsrat und heutigen SP-Ständerat Roberto Zanetti. Nur zwei Jahre später eroberte die CVP ihren zweiten Sitz von der SP zurück.
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Bild 1 von 4. Roland Fürst (CVP) erzielte im ersten Wahlgang das beste Resultat der Nichtgewählten: Er kam auf gut 30'000 Stimmen. Bildquelle: Keystone.
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Bild 2 von 4. Remo Ankli holte für die Freisinnigen 28'533 Stimmen, einige weniger als Brigit Wyss. Ankli möchte den zweiten Sitz der FDP in der Solothurner Regierung sichern. Er rechnet sich gute Chancen aus, weil er der einzige Kandidat aus Kantonsteil nördlich des Juras ist. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 4. Die Überraschung aus dem ersten Wahlgang: Die Grüne Brigit Wyss landete noch vor Roland Heim auf dem fünften Platz. Sie holte gemäss Wählerstatistik viele Stimmen von anderen Parteien und ist im zweiten Wahlgang die einzige Vertreterin aus dem linksgrünen Lager. Bildquelle: Keystone.
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Bild 4 von 4. Roland Heim (CVP) enttäuschte im ersten Wahlgang: Mit 27'294 Stimmen landete er auf dem sechsten Platz. Bleibt die Reihenfolge so bestehen, dann schafft Heim den Sprung in die Regierung nicht. Bildquelle: Keystone.
Die neue Regierung posiert um 14.30 Uhr
Auch die SVP hatte nach dem ersten Wahlgang ihren Kandidaten zurückgezogen. Albert Studer hatte mit nur knapp 24'000 Stimmen das Ziel deutlich verfehlt. Ebenso der parteilose Hugo Ruf.
Die Entscheidung fällt am Sonntag: Erste Zwischenresultate werden nach dem Mittag erwartet. Der Fototermin mit der neuen Solothurner Regierung wurde von der Staatskanzlei auf 14.30 Uhr angesetzt. Bis dann sollten die definitiven Wahlresultate also spätestens vorliegen.